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Interview: 20 Jahre Zehntstadel: "Wir versuchen über den Tellerrand zu schauen"

Interview

20 Jahre Zehntstadel: "Wir versuchen über den Tellerrand zu schauen"

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    Guzmán Iglesias (Haustechniker), Carolyn Ammann (stellvertretende künstlerische Leitung), Doris Leitner (Sachbearbeiterin), Sandra Parada (künstlerische Leitung), Curd Hascher (Haustechniker) – das Team des Zehntstadels Leipheim (von links).
    Guzmán Iglesias (Haustechniker), Carolyn Ammann (stellvertretende künstlerische Leitung), Doris Leitner (Sachbearbeiterin), Sandra Parada (künstlerische Leitung), Curd Hascher (Haustechniker) – das Team des Zehntstadels Leipheim (von links). Foto: Felix Gnoyke

    Frau Parada, Frau Ammann, Sie sind für die künstlerische Leitung des Zehntstadels zuständig. Was macht dieses Kulturhaus für Sie besonders?
    SANDRA PARADA: Da gibt es viele Punkte. Intern ist es definitiv die Teamarbeit, da wir alles gemeinsam stemmen. Nach außen hin ist das Haus an sich etwas ganz Besonderes. Wir haben viele Besucher, die das sehr zu schätzen wissen. Dazu kommt das Vertrauen, das uns das Publikum, die Stadtverwaltung und der Bürgermeister entgegenbringen. Und die schöne Mischung aus Künstlern und Kunstprogramm, die wir auf die Bühne bringen dürfen. Ich mag aber auch die Rückmeldungen und die Gespräche mit dem Publikum, egal, ob kontrovers oder nicht – das ist das Schönste für mich. Das hat uns in den Corona-Jahren am meisten gefehlt.

     
    CAROLYN AMMANN: Dem kann ich nur zustimmen, auch wenn mein Fokus ein etwas anderer ist. Sandra Paradas Kompetenz im Bereich Wort, beziehungsweise Kabarett, ist etwas Besonderes. Aber auch die Kindertheater, der bayerische Heimatsound sowie die Bands und Künstler, die man nicht unbedingt in seiner Playlist hat und die hier auftreten. Wenn man sich nicht darauf einlässt, verpasst man etwas. Unser Programm eröffnet immer wieder neue Horizonte.

     
    PARADA: Dankeschön.

    Wie finden Sie Künstler, die man normalerweise nicht in seiner Playlist hat?
    PARADA: Das ist eine Mischung aus eigenen Interessen, Festivals, Messen und ganz viel anhören und sichten. Wir versuchen ein vielfältiges Programm anzubieten. Das ist bei zwei, drei Veranstaltungen im Monat nicht so einfach, denn die müssen dann gut sein. Wir müssen hinter der Veranstaltung stehen können, um sie verkaufen zu können. Ich kann das Produkt Kunst nur unter die Leute bringen, wenn ich es für gut befinde. Wir hören auch auf das, was das Publikum sagt, übernehmen aber nichts ungesehen. Hinzu kommen noch Agenturen, mit denen wir schon lange zusammenarbeiten.

     
    AMMANN: Und wir bekommen wöchentlich mehrere Bewerbungen von Künstlern, die zu uns kommen möchten. Neue, oder welche, die schon mal da waren.

     
    PARADA: Im Endeffekt möchten wir Veranstaltungen anbieten, die abwechslungsreich sind und trotzdem genug Zuschauer ansprechen.

    Dabei kann es sehr nischig werden. Am 16. Oktober kommt mit Chango Spasiuk beispielsweise ein argentinischer Akkordeonspieler. Wie sind Sie auf ihn gekommen?
    PARADA: In dem Fall war es eine Mail eines Agenten, den ich schon lange kenne. Von ihm kommen jede Woche ungefähr zwei Mails, aber dieses Mal war es etwas Besonderes. Vor allem als ich mitbekommen habe, dass der Künstler in Argentinien ein Star ist. Wir müssen uns manchmal auch trauen eine Nische zu bedienen, wenn es ins Programm passt.

     
    AMMANN: Im ländlichen Raum Argentiniens ist seine Musik, der Chamamé, so beliebt wie der Tango in Buenos Aires. Ich habe das vorher noch nie gehört, aber es ist gut hörbar und macht einfach Spaß.

    Demgegenüber stehen Publikumslieblinge wie der Butterbrezel-Jazz oder irische Folkmusik. Wie schaffen Sie es, diese beiden Welten zu bedienen?
    PARADA: Das alles hat seine Daseinsberechtigung, seinen festen Platz und seine Wertigkeit in unserem Programm-Mix. Wenn wir was anders haben wollten, könnten wir's ja anders machen. Wollen wir aber gar nicht.

     
    AMMANN: Auch, wenn mich mal was ganz persönlich nicht gleich vom Stuhl reißt, finde ich in der Beschäftigung mit dem einzelnen Programmpunkt immer irgendeinen Aspekt, den ich toll finde.

    Was sind denn Ihre Lieblingsgenres?
    PARADA: Ganz klar das Kindertheater. Ich liebe es zu sehen, wie die Augen der Omas und Kinder nach den Vorführungen strahlen. Aber auch Kabarett finde ich super, das sind einzigartige Menschen, mit denen ich gerne arbeite. Und ich bin ein großer Fan von der neuen bayerischen "Volksmusik", wie Pam Pam Ida oder Django 3000, die im März mit einem Unplugged-Konzert zu uns kommen.

     
    AMMANN: Privat höre ich eher nicht generische Musik. Ich liebe schlauen Humor in Musik, egal, ob im Text oder akustisch. Und Musik, zu der man gut tanzen kann.

    Wie läuft Ihre Planung für den Winter? Haben Sie Corona im Hinterkopf?
    AMMANN: Wir arbeiten in Halbjahresprogrammen. Das Programm für den Rest des Jahres stand also schon im Mai.

     
    PARADA: Seit Neuestem haben wir in den Verträgen mit den Künstlern eine Klausel, die Verschiebungen ermöglicht. Und diese Saison gibt es erstmals freie Platzwahl. Das erleichtert eine Kartenrückgabe bei möglichen Corona-Beschränkungen.

     
    AMMANN: Man merkt jedoch leider, dass weniger und später gekauft wird. Die Menschen sind vorsichtiger geworden, und viele müssen aktuell auf ihr Geld achten. Es ist nun mal so, dass Kultur nicht unmittelbar lebensnotwendig ist.

     
    PARADA: Doch! (lacht)

     
    AMMANN: Ja, irgendwie schon. Sie hilft, dass ein Gemeinschaftsgefühl aufkeimt, und das finde ich sehr wichtig.

    Zum Schluss dürfen Sie noch einen Jubiläumswunsch äußern. Wen würden Sie gerne mal im Zehnstadel sehen?
    PARADA: Das ist eine schwierige Frage. Natürlich hat man Wunschkandidaten, aber wir beide sind auch realistisch und wünschen uns das, was hier reinpasst. Wir müssen Bands erwischen, bevor sie zu bekannt werden. LaBrassBanda hätten wir fast bekommen, als sie noch recht unbekannt waren. Das ist immer ein Drahtseilakt. Wir versuchen über den Tellerrand zu schauen, aber es muss zu uns passen.

    Zur Person

    Sandra Parada ist seit knapp 14 Jahren im Zehntstadel tätig und hat 2017 die künstlerische Leitung übernommen. Zu ihren Hauptaufgaben zählen die Künstlerauswahl und Programmplanung. Carolyn Ammann ist seit fünf Jahren die stellvertretende künstlerische Leitung und hauptsächlich für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

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