Herr Zellner, als Joint Venture hat Garbe gemeinsam mit dem Logistikunternehmen Nrep eine 20.000 Quadratmeter große Fläche auf dem ehemaligen Fliegerhorstgelände in Leipheim gekauft, wo Sie für 17 Millionen Euro ein Logistikzentrum planen. Was genau soll dort entstehen?
ADRIAN ZELLNER: Garbe Industrial Real Estate entwickelt auf der Fläche ein nachhaltiges Logistikzentrum und wird es anschließend vermieten. Der geplante Neubau soll über eine Hallenfläche von etwa 10.400 Quadratmetern verfügen. Hinzu kommen 1200 Quadratmeter für Büros sowie Sozialräume, die direkt an die Hallen angeschlossen sind, und weitere Nutzflächen auf Zwischenebenen. Wir bauen Garbe-Standorte immer so, dass eine Drittverwendbarkeit möglich ist – so soll eine möglichst lange Gebäudenutzung gewährleistet sein.
Das bedeutet, Sie können selbst noch nicht sagen, welche Güter künftig transportiert werden?
ZELLNER: Nein, das hängt vom Mieter und seinem individuellen Geschäft ab. Die Immobilie wird so ausgerichtet, dass die Zwischenebenen, die sogenannten Mezzanine, flexibel nutzbar sind, je nach Bedarf des zukünftigen Mieters als Lager-, Büro- oder Sozialfläche.
Sie sprechen von einem nachhaltigen Logistikzentrum. Inwiefern kann ein Logistikzentrum nachhaltig sein?
ZELLNER: Die Nachhaltigkeit wird durch verschiedene Maßnahmen erreicht. Zum einen handelt es sich bei der Fläche auf dem Fliegerhorst im Fachjargon um die Revitalisierung eines Brownfields – dabei werden bestehende, bereits versiegelte Flächen umfassend saniert und aufgewertet. Sie werden also wieder nutzbar gemacht. Wir bauen nicht auf der grünen Wiese, versiegeln keine zusätzlichen Flächen. Beim Gebäude an sich verbauen wir zum anderen soweit wie möglich regenerative Rohstoffe. Wir setzen zum Beispiel Holzbinder ein, bauen grundsätzlich zur Beheizung Luftwärmepumpen ein und wir planen, auf dem gesamten Hallendach eine PV-Anlage zu installieren. Wenn es die Kapazitäten zulassen, speisen wir den Strom direkt ins Netz vor Ort ein, oder geben diesen direkt an unseren Mieter weiter.
Stichwort Revitalisierung: Können Sie die dafür notwendigen Maßnahmen genauer erläutern?
ZELLNER: Dieses Gelände auf dem ehemaligen Fliegerhorst ist aktuell nicht gerade attraktiv. Alle Seiten sind wahrscheinlich froh, wenn das alte Heizkesselhaus und die Metalldächer einem modernen und nachhaltigen Bau weichen. Es wird eine Aufwertung des Bereichs. Altlasten wie beispielsweise Asbest, die in den sehr alten Gebäuden zu finden sind, werden fachgerecht entsorgt. Gerade mit der Revitalisierung haben wir bei Garbe jahrelange Erfahrung. Wir haben deutschlandweit mehrfach auch sehr viel größere Flächen von solchen Altlasten befreit.
Für wie viele Mitarbeitende ist der Standort ausgerichtet?
ZELLNER: Wir gehen über den dicken Daumen gepeilt von 100 bis 200 Mitarbeitenden aus, so wird die Immobilie baulich auch ausgelegt. Sollte der künftige Mieter einen höheren Bedarf haben, könnte man, wie schon erwähnt, auf der Mezzanine-Ebene zusätzliche Büro- und Sozialfläche schaffen.
Und wie viele Lastwagen können künftig ein- und ausfahren? Wie hoch wird der Lärmfaktor für die umliegenden Gemeinden sein?
ZELLNER: Wir planen die Immobilie mit insgesamt zehn Laderampen, an denen Lastwagen zur Be- und Entladung andocken können, und zwei Warteplätzen auf dem Außengelände. Da die Grundstücksflächen bereits großteils von der Firma Greiwing logistisch genutzt werden, gehe ich nicht davon aus, dass es eine signifikante Erhöhung der Lkw-Verkehre geben wird. Wir haben für das gesamte Gewerbegebiet ein Verkehrs- und Schallgutachten in Auftrag gegeben, um zu sehen, was machbar ist, und bewegen uns im Rahmen dieser Vorgaben. Aber auch hier kommt es darauf an, welcher Mieter letztlich einzieht. Die Nutzung kann auch außerhalb der Logistik sein, von Gewerbe- über Ausstellungsflächen bis hin zu Produktion ist alles umsetzbar.
Baubeginn ist für das zweite Quartal 2025 vorgesehen, die Fertigstellung bereits im zweiten Quartal 2026, was ein ambitionierter Zeitplan ist. Wann wissen Sie, welcher Mieter einziehen wird?
ZELLNER: Da es sich um eine Standardimmobilie handelt, gehen wir von zehn bis zwölf Monaten Bauzeit aus, solange nichts Unvorhergesehenes wie wochenlanger Schneefall dazwischenkommt. Meistens sechs bis neun Monate vor Fertigstellung kommen die möglichen Nutzer auf uns zu. Wir sind selbst noch vorsichtig, wegen Themen wie Abbruch und Baugenehmigung. Erst mit der erteilten Baugenehmigung starten wir mit der Mieteransprache. Mit lokalen Unternehmen sind wir teilweise aber schon jetzt in Gesprächen.
Zur Person
Adrian Zellner ist Mitglied der Geschäftsleitung der Garbe Industrial Real Estate GmbH mit Sitz in Hamburg. Das international tätige Unternehmen ist auf Logistikimmobilien spezialisiert.
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