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Jettingen-Scheppach: Nach Überschwemmung in Jettingen-Scheppach wird Millionenschaden sichtbar

Jettingen-Scheppach

Nach Überschwemmung in Jettingen-Scheppach wird Millionenschaden sichtbar

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    Einen Tag nach der Überschwemmung der Hammerschmied-Siedlung in Jettingen-Scheppach steht Mahmut Özdemir im völlig verwüsteten Keller seines Hauses.
    Einen Tag nach der Überschwemmung der Hammerschmied-Siedlung in Jettingen-Scheppach steht Mahmut Özdemir im völlig verwüsteten Keller seines Hauses. Foto: Bernhard Weizenegger

    Vor den Häusern in der Hammerschmied-Siedlung in Jettingen-Scheppach türmt sich triefnasser Müll. Stück für Stück tragen Bewohner ihn aus ihren nassen Kellern. Der erste große Müllcontainer, den die Gemeinde bereitgestellt hat, ist bereits am Vormittag voll. "Der nächste ist schon unterwegs", sagt Bürgermeister Christoph Böhm. Er war am Tag der Deutschen Einheit um 7.30 Uhr vom Kommandanten geweckt worden und gleich vor Ort. Da kämpften die Bewohner bereits seit zwei Stunden verzweifelt gegen die einbrechenden Wasserfluten an.

    Die Gemeinde hat einen großen Müllcontainer bereitgestellt, der bereits am Vormittag voll war. Ein weiterer wird folgen.
    Die Gemeinde hat einen großen Müllcontainer bereitgestellt, der bereits am Vormittag voll war. Ein weiterer wird folgen. Foto: Bernhard Weizenegger

    Um 5.38 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert, dass die Hammerschmied-Siedlung im Westen des Marktes unter Wasser steht. "Als der Piepser ging, habe ich meiner Frau noch gesagt, ich muss los, es gibt eine Überschwemmung", sagt Mahmut Özdemir. Als er vor die Tür im Hammerschmiedweg 3 trat, traute der Feuerwehrmann seinen Augen nicht, da Vorgarten und Straße bereits etwa 20 Zentimeter unter Wasser standen.

    Von da an wurde nur noch gearbeitet. Versucht zu retten, was zu retten ist. Doch da war es für das meiste schon zu spät. Am Dienstagvormittag hat Özdemir Tränen in den Augen, als er im Keller steht. Maschinen seines Unternehmens sind unter kreuz und quer liegenden Gegenständen begraben, die im Keller gelagert worden sind. Es ist ein Bild der Verwüstung.

    Die braune Brühe kam über Fenster und Garagen in die Keller

    Vor drei Jahren machte sich der Feuerwehrmann als Gas-Wasser-Installateur selbstständig. Sein großer Kastenwagen vor der Straße funktioniert noch, das Wasser erreichte gerade die Heckklappe. Zum Glück lief nur wenig davon in das Auto. Die Nässe drang trotzdem in die Verkleidung.

    Eine Häuserreihe weiter sind zwei große Mercedes-Benz nur noch Schrott. Das Wasser stand dort bereits fast einen Meter hoch. Vier weitere Autos wurden bereits in der Früh abtransportiert. Die Dreckbrühe reichte in den Fahrzeugen bis zum Lenkrad. Ein Auto wurde von den Fluten sogar weggetrieben und landete in einer Böschung.

    "So etwas haben wir hier noch nie erlebt", sagt Hüseyin Kabasakal, Nachbar im Hammeschmiedweg 1. Seit 1979 wohnt die Familie hier. Dass die Mindel gelegentlich über die Ufer tritt, war für die Menschen seit Jahrzehnten ein wiederkehrendes Ereignis. "Wir haben uns darauf eingestellt", sagt Kabasakal. Doch mit der braunen Brühe hat niemand gerechnet.

    Hüseyin Kabasakal zeigt, wie hoch das braune Wasser im Keller stand und alles zerstörte.
    Hüseyin Kabasakal zeigt, wie hoch das braune Wasser im Keller stand und alles zerstörte. Foto: Bernhard Weizenegger

    Am Wehr wich das Wasser in die Felder aus

    Nach ersten Erkenntnissen ist zwischen Mindelheim und Krumbach in der Nacht von Sonntag auf Montag der Pegel der Mindel enorm angestiegen. Grund dafür waren starke Regenfälle. Die Umstände sind noch zu klären, warum die Wassermassen am sogenannten Stauffenberg-Wehr oberhalb der Siedlung zu wenig Durchlass hatten und sich auf die Felder Richtung Westen ausbreiteten. Dort nahm das Wasser Erde auf und suchte sich den kürzesten Weg durch die tieferliegende Kanalstraße und den Hammerschmiedweg. An der erhöhten Wettenhauser Straße konnte die Flut nicht abfließen und staute sich wieder zurück ins Viertel. Dadurch drückte das immer höher steigende Flusswasser über Garagen und Wintergärten in die Keller und Wohnräume.

    Im Hammerschmiedweg 1 stand es bis zur Kellerdecke. Eine schmierige, braune Schicht liegt über der "weißen Ware" der Bewohnerinnen und Bewohner: Waschmaschinen, Trockner, Heizungen, Elektrotechnik – alles ist nicht mehr zu gebrauchen.

    Als das Wasser abgeflossen ist, bleibt eine Schlammschicht auf den hellen Fliesen einer Terrasse zurück. Wenn sie trocknet, wird sie steinhart.
    Als das Wasser abgeflossen ist, bleibt eine Schlammschicht auf den hellen Fliesen einer Terrasse zurück. Wenn sie trocknet, wird sie steinhart. Foto: Bernhard Weizenegger

    Nach der Erschöpfung kommt die Wut auf die Betreiber des Kraftwerks und des Stauffenberg-Wehrs. Wasserwirtschaftsamt, Landratsamt und Marktgemeinde führen mit den Verantwortlichen seit etlichen Jahren einen regen Schriftwechsel. Die Polizeiinspektion Burgau hat erste Ermittlungen aufgenommen, was die maßgeblichen Ursachen für den Rückstau der Wassermassen und die dadurch ausgelöste Überflutung des Wohngebiets waren. Ab Mittwoch übernimmt laut Inspektionsleiter Stefan Eska die Kripo Neu-Ulm die weitere Ermittlungsarbeit.

    Kraftwerksbetreiber wehren sich

    Maria Parussel aus Landshut wehrt sich jedoch gegen eine Vorverurteilung der Kraftwerksbetreiber. Seit 2005 ist ihre Familie Eigentümer, seit Jahresbeginn hat der Sohn übernommen. Für die Flutwelle am frühen Montagmorgen ist aus ihrer Sicht das Zusammentreffen mehrerer Ursachen verantwortlich. Die seien flussaufwärts zu suchen. Das Zusammenspiel zwischen den Betreibern der an der Mindel liegenden Kraftwerke funktioniere nicht, sagt sie. Auch nicht die Informationskette von Wasserwirtschaftsamt und Landratsämtern. Die Ämter müssten bei einer drohenden Hochwasserlage auch diejenigen frühzeitig informieren, die in der Lage sind, den Fluss zu regulieren. "Auch die Kraftwerksbetreiber müssten sich mitteilen, wenn sie die Schleusen öffnen", fordert die Unternehmerin. In der Marktgemeinde gebe es viel Nachhol- und Reparaturbedarf für einen gelingenden Hochwasserschutz: "In Jettingen-Scheppach heißt es nur, es muss was getan werden, aber es tut sich seit Jahren nichts."

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