Ein etwas detaillierterer Blick auf die Jahresrechnung 2020 hat es deutlich gezeigt: Die Pandemie wirkt sich auch auf die kommunalen Finanzen aus. So waren im Haushaltsjahr 2020 zwei Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen eingeplant, verbuchen konnte Kämmerin Silvia Quenzer aber nur knapp 1,36 Millionen Euro. "Ein ganz schöner Einbruch", sagte sie in der letzten Gemeinderatssitzung 2021, als sie den Rechenschaftsbericht zur Jahresrechnung den Räten zur Kenntnisnahme vorlegte. Mit einer Zuweisung in höhe von knapp 467.000 Euro vom Freistaat habe man die Mindereinnahmen bei der Gewerbesteuer aber doch "ganz gut kompensieren können", so Quenzer.
Einnahmen durch Gewerbesteuern sind für die Gemeinde Kötz wichtig
Wie viel Geld die Gemeinde investieren kann, hängt zu einem guten Teil vom wirtschaftlichen Erfolg der örtlichen Unternehmen hängt ab, denn die Gewerbesteuer ist neben der Einkommensteuer der prägende Faktor bei den Einnahmen im Verwaltungshaushalt. In diesem Zusammenhang gilt in der Gemeinde Kötz aber auch die Devise: "Es wird darauf zu achten sein, den Grat zwischen maßvollem Umgang mit Grund und Boden und wirtschaftlicher Entwicklung zu meistern." Im großen Stil Gewerbeflächen zu schaffen, wäre demnach nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit hohen Gewerbesteuereinnahmen und finanziellem Wohlstand.
Solide entwickelt haben sich die Einnahmen aus der Einkommensteuerbeteiligung , auch wenn im Jahr 2020 mit nahezu 2,13 Millionen Euro ein bisschen weniger eingenommen worden ist als 2019. In den vergangenen Jahren ist der Einkommensteueranteil stetig gewachsen. Das lässt sich mit einem leichten Bevölkerungszuwachs und zudem mit allgemein gestiegenen Einkommen erklären. Jetzt aber stagnieren laut Kämmerin Quenzer die Einwohnerzahlen, zum 31. Dezember 2020 hatten 3254 Bürgerinnen und Bürger ihren Hauptwohnsitz in Kötz. Der vorläufige Einwohnerstand zum 30. Juni 2021 wird mit 3263 Einwohnern angegeben.
Leerstände sollen in Kötz neu belebt werden
Um wichtige Infrastruktureinrichtungen nachhaltig zu sichern, sei man mittelfristig auf ein gewisses Wachstum angewiesen, heißt im Rechenschaftsbericht - nicht zuletzt im Hinblick auf den demografischen Wandel. Insbesondere müsse es gelingen, die drohenden Leerstände im Ort mit Nachnutzungen und Nachverdichtungen zu beleben, damit die Ortskerne nicht ausbluten. Das Bemühen um ein positives Image und um die Wahrnehmung als attraktiver Wohn- und Arbeitsort mit guter Infrastruktur seien wichtig. Als ein Ziel nennt der Rechenschaftsbericht deshalb "die verstärkte Ansiedlung von Familien, die in der Region arbeiten und damit auch im Dorf- und Vereinsleben zur Verfügung stehen".
Dazu passt es, dass die Gemeinde viel Geld in die Kinderbetreuung gesteckt hat und steckt. Allein im Jahr 2020 hat sie mehr als eine Million Euro für den Neubau des Kindergartens in Kleinkötz ausgegeben, der diesen Sommer bezogen worden ist. Für den Hortneubau in Großkötz wurden 2020 nahezu 574.000 Euro investiert. Aber die Kommune hat auch noch andere Aufgaben. Für Grunderwerb und Straßenbau wurden 2020 annähernd 517.000 Euro ausgegeben, dazu kamen unter anderem Vorausleistungen für den Kanalbau und die Wasserversorgung ebenso wie Ausgaben für ein naturschutzfachliches Konzept zum Hochwasserschutz mit knapp 10.000 Euro.
Haushalt: Geringe Pro-Kopf-Verschuldung in Kötz
Ihre Schulden hat die Gemeinde Kötz seit 2013 fast halbiert, von damals knapp 1,6 Millionen Euro Schulden waren Ende 2020 noch 852.000 Euro Verbindlichkeiten übrig. Die Zinszahlungen im Jahr 2020 bezifferte Silvia Quenzer auf 9177 Euro. Man habe alle Kredite auf eine sehr gute Zinsbasis stellen können, sagte sie. Auch bei der durchschnittlichen Pro-Kopf-Verschuldung sieht die Kämmerin Kötz "gut aufgestellt", mit durchschnittlich 263 Euro im Jahr 2020 lag man deutlich unter dem Landesdurchschnitt vergleichbarer Kommunen, der - allerdings 2017 - laut Landratsamt Günzburg bei 528 Euro Pro-Kopf-Verschuldung war.
Trotz der Pandemie konnte die Gemeinde Kötz nicht nur die vorgesehenen 550.740 Euro vom Verwaltungs- an den Vermögenshaushalt übertragen, sondern 912.965 Euro. Aus dem Rücklagen wurden knapp 508.000 Euro entnommen, um den Vermögenshaushalt auszugleichen. Ende des Jahres 2020 hatte die Kommune noch 6.148.939 Euro in der Rücklage, das ist gut das Zehnfache von dem, was als gesetzliche Mindestrücklage gefordert wäre.
Insgesamt hat der Verwaltungshaushalt 2020 6,87 Millionen Euro umfasst, das bedeutet eine Abweichung von lediglich knapp 145.000 Euro zum Haushaltsansatz. "Fast eine Punktlandung", sagte Kämmerin Quenzer dazu. Der Vermögenshaushalt fiel mit tatsächlich knapp 2,7 Millionen Euro um etwa 2,3 Millionen Euro geringer aus als geplant. Das sei der Pandemie geschuldet, sagte die Kötzer Kämmerin, wegen der Ungewissheit habe man Investitionen zurückgehalten. Ihr Fazit: Das Jahr 2020 war, ebenso wie auch 2021, finanziell "eine Herausforderung" und das werde wohl auch im kommenden Jahr so zu erwarten sein.