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Krippenfreunde Jettingen-Scheppach kämpfen gegen Vereinsauflösung und Mitgliedermangel

Jettingen-Scheppach

Ein Stück vom Krippenparadies könnte verloren gehen

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    Bei den Krippenfreunden Jettingen-Scheppach entstand eine Krippe, die einem Anwesen in Scheppach nachempfunden ist. Im Hintergrund: Die Scheppacher Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Doch der Verein ist von der Auflösung bedroht.
    Bei den Krippenfreunden Jettingen-Scheppach entstand eine Krippe, die einem Anwesen in Scheppach nachempfunden ist. Im Hintergrund: Die Scheppacher Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Doch der Verein ist von der Auflösung bedroht. Foto: Peter Wieser

    Am 2. Februar, 40 Tage nach Weihnachten, ist Mariä Lichtmess. Damit geht auch die Zeit, in der Krippenausstellungen stattfinden, zu Ende. Es ist eine Zeit, in der im Landkreis Günzburg das Krippenschauen viele Menschen bewegt. Sei es im Mittelschwäbischen Heimatmuseum in Krumbach, in Kirchen und Kapellen, im Kloster Wettenhausen, im Krippenparadies im Heimatmuseum Günzburg oder bei den Krippenvereinen im Landkreis, etwa in Jettingen-Scheppach. Vor kurzem sei ein ganzer Bus mit 45 Leuten von der Pfarreiengemeinschaft Ichenhausen gekommen. Sie seien begeistert gewesen, erzählt Karl Ewald, der Erste Vorsitzende der Krippenfreunde Jettingen-Scheppach. Doch wie lange er und seine Mitstreiter noch Gruppen empfangen können, steht in den Sternen. Wie so viele kleine Vereine sehen auch die Krippenfreunde einer ungewissen Zukunft entgegen.

    Die letzte Ausstellung des Vereins liegt zwar schon ein Jahr zurück, dennoch sind Gruppen nach Vereinbarung im Jettinger Franziskushaus in der Weberstraße 18 das ganze Jahr über willkommen. Im ersten Obergeschoss haben die Krippenfreunde ihre Vereinsräume, fest eingebaut befinden sich dort etwa 45 Exponate verschiedenster Arten von Weihnachtskrippen. Mehr als die Hälfte sind Eigentum des Vereins. Der aber hat ein Problem. „Wir haben so gut wie keine aktiven Mitglieder mehr, die Krippen bauen und aufstellen,“, erklärt Karl Ewald. Schriftführerin Martina Brand fügt hinzu: „Die älteren leben nicht mehr. Jüngere kommen keine nach.“ Die jüngsten Mitglieder gingen inzwischen auf die 60 zu.

    Krippenfreunde Jettingen-Scheppach kämpfen gegen Vereinsauflösung

    Das aber ist nicht die einzige Sorge, welche die Vereinsmitglieder umtreibt. Spätestens im April muss die Jahreshauptversammlung stattfinden und die Vorstandschaft neu gewählt werden. Karl Ewald ist dann 83 Jahre alt und wird nicht mehr als Erster Vorsitzender weitermachen. Einen möglichen Nachfolger gibt es jedoch nicht. Hinzu kommt, dass er selbst lange Zeit krankheitsbedingt ausfiel. Dabei schlief so manches ein, was sonst an Vereinsarbeit stattgefunden hat.

    In den vergangenen Jahren machte der Verein verstärkt Mitgliederwerbung, unter anderem auf den Flyern der letzten Ausstellung. Mittlerweile beträgt aber auch die Anzahl der passiven Mitglieder nur noch die Hälfte. Gerade in den vergangenen fünf Monaten sei man auf Menschen zugegangen, ob sie denn Interesse hätten, den Verein weiterzuführen, erzählt Martina Brand weiter. Man sei bereits in anderen Vereinen aktiv oder dort in der Vorstandschaft tätig und könne deswegen keinen weiteren Posten annehmen, so lauteten oftmals die Antworten. „Unsere Sorge ist, dass der Verein nicht mehr weiterbestehen kann. Wissen und Tradition würden damit nicht mehr weitergegeben werden.“

    Sie sind zwei der wenigen verbliebenen aktiven Mitglieder der Krippenfreunde Jettingen Scheppach: Schriftführerin Martina Brand und Karl Ewald, der Erste Vorsitzende. Wenn sich für ihn kein Nachfolger findet und sich keine Vorstandschaft bildet, droht dem Verein das Aus.
    Sie sind zwei der wenigen verbliebenen aktiven Mitglieder der Krippenfreunde Jettingen Scheppach: Schriftführerin Martina Brand und Karl Ewald, der Erste Vorsitzende. Wenn sich für ihn kein Nachfolger findet und sich keine Vorstandschaft bildet, droht dem Verein das Aus. Foto: Peter Wieser

    Eine Krippentradition gab es in der Marktgemeinde schon zu früheren Zeiten: Karl Ewald nennt die Namen von bedeutenden Schnitzern und Krippenbauern, wie Franz Ingeduld oder Hieronymus König. 1935 habe es vom damaligen Burschenverein ebenfalls eine Krippenausstellung gegeben. Daran habe der Verein anknüpfen wollen, als er gegründet worden sei. Das ist in den folgenden Jahrzehnten gut gelungen. Oft schnitzten, bauten und gestalteten 20 bis 25 aktive Mitglieder, während die Frauen die Figuren einkleideten. Es wurden Stallbau- und Bekleidungskurse veranstaltet, in regelmäßigen Abständen fanden Krippenausstellungen statt und andere wurden besucht. „Bis nach Bergamo in Italien, anschließend über St. Moritz in der Schweiz und durch Vorarlberg wieder zurück, um sich Krippen anzusehen und sich Anregungen zu holen“, fügt Ewald hinzu. „Wir sind immer besser geworden.“

    Krippenfreunde Jettingen-Scheppach sorgen sich um ihre Zukunft

    Schriftführerin Martina Brand erklärt: „Das Schöne daran ist, man kann Krippen bauen, so wie man sie haben will.“ Bei einer der Krippen im Franziskushaus etwa tragen zwei Figuren traditionelle Jettinger Tracht. Gebaut wurde auch schon einmal eine Krippe, die einem Gebäude nachempfunden ist, welches sich im Ortsteil Scheppach befindet. Ganz nach dem Denkspruch, der dem Heiligen Franz von Assisi zugeschrieben wird: „Bauet die Krippe zum Lobe des Herrn, aber bauet sie nach eurer Heimat“: Krippen, die von Christi Geburt erzählen und das Ereignis in heimischer Kulisse widerspiegeln, liegen den Krippenfreunden Jettingen-Scheppach am Herzen und sind auch ein wichtiger Bestandteil des Schwäbischen Krippenparadieses.

    Von den etwa 45 Weihnachtskrippen im Jettinger Franziskushaus gehören mehr als die Hälfte dem Verein. Eine davon zeigt sogar zwei Figuren in Jettinger Tracht (rechts im Bild).
    Von den etwa 45 Weihnachtskrippen im Jettinger Franziskushaus gehören mehr als die Hälfte dem Verein. Eine davon zeigt sogar zwei Figuren in Jettinger Tracht (rechts im Bild). Foto: Peter Wieser

    Man brauche schlichtweg eine Person, die das Ganze in die Hand nehme und den Verein weiterführe, dazu einen rührigen Vorstand, damit wieder etwas geschehe, fährt Karl Ewald fort. Volle Unterstützung sei den Ehrenamtlichen dabei sicher. Die Voraussetzungen dafür sind auch sonst gegeben: mit den Räumlichkeiten im Franziskushaus, dem Stüble im Untergeschoss, welches ebenfalls genutzt werden kann, gibt es auch für die Krippenfreunde eine Herberge. Und ganz arm ist der Verein nun auch wieder nicht. Ebenfalls Unterstützung kommt von der Marktgemeinde Jettingen-Scheppach, die im Untergeschoss der Turn- und Festhalle einen Raum zur Verfügung stellt, der als Werkstatt dient.

    Was aber, wenn sich bis April keine Vorstandschaft bildet und sich niemand findet, der den Verein in den kommenden Jahren weiterführt? „Dann müsste sich der Verein auflösen“, stellt Ewald klar. Der Gedanke daran ist bitter. Was mit dem Vermögen und vor allem was mit den eigenen Krippen passieren würde, ist in der Satzung des Vereins geregelt. Krippenausstellungen in der Form wie bisher würde es in Jettingen vermutlich nicht mehr geben. Besuche, bei denen der Opa seinem „Enkale“ erklärt, was ein „Kripple“ ist und was für eine Bedeutung es hat, gäbe es dann wohl ebenfalls nicht mehr.

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