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Leipheim: Orgel kehrt mit beeindruckender Klangfülle nach St. Veit zurück

Leipheim

Klangwunder in St. Veit: So beeindruckt die erneuerte Orgel bei ihrem Debüt

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    Über ein Jahr wurde die Orgel saniert. Der ursprüngliche Klang wurde wieder
hergestellt. Foto: Sandra Kraus
    Über ein Jahr wurde die Orgel saniert. Der ursprüngliche Klang wurde wieder hergestellt. Foto: Sandra Kraus Foto: Sandra Kraus

    Die generalüberholte Orgel der St. Veit-Kirche in Leipheim stand im Mittelpunkt der 139. Stunde der Kirchenmusik. Die Freude darüber, dass die Königin der Instrumente wieder gehört werden kann, war schon im Vorfeld des Konzerts spürbar. Aber wie würde sie klingen? Diese Frage ließ sich schon beim ersten Musikstück beantworten: großartig.

    Organist Paul-Anton Göring eröffnete die Orgeleinweihung mit Georg Friedrich Händels Konzert für Orgel und Orchester in B-Dur, ein festlicher Auftakt mit Musik, die vor 300 Jahren komponiert wurde und die Menschen bis heute berührt. Aus dieser Epoche kommt die Leipheimer Orgel, und sie bot schon beim ersten Stück musikalischen Höchstgenuss.

    Restaurierte Orgel begeistert mit festlichem Klangbild

    Georg Friedrich Schmahl, auch der oberschwäbische Silbermann genannt nach dem bedeutendsten mitteldeutschen Orgelbauer der Barockzeit Gottfried Silbermann, hatte sie 1766 gebaut. Ziel der Generalüberholung durch das Familienunternehmen Orgelbau Lenter war es, die Klangfülle dieser Anfangszeit wiederherzustellen, den Umbau durch Gerhard Schmid im Jahr 1963 quasi wieder zurückzunehmen. Mehr Umbauten hat die Orgel nicht erlebt, aus heutiger Sicht muss man fast Gott sei Dank sagen.

    Lenter schreibt, dass sich vor allem in der klanglichen Aussage das Instrument komplett verwandelt habe, es klinge wieder im Sinne von 1766 und ergebe einen festlichen Orgelklang einer süddeutschen Barockorgel. Nach Paul-Anton Göring nahm Organist Andreas Käßmeyer aus Dillingen auf der Orgelbank Platz und zeigte mit Präludium und Fuge in E von Johann Ludwig Krebs die klangliche Schönheit der Orgel ohne Orchester-Begleitung.

    Ausgebaute Original-Orgelpfeifen können gegen eine Spende erworben werden.
Gut angelegtes Geld finden Paul-Anton Göring (von links), Pfarrerin Johanna
Rodrian, Günther Bonfert und Pfarrer Markus Göring.
    Ausgebaute Original-Orgelpfeifen können gegen eine Spende erworben werden. Gut angelegtes Geld finden Paul-Anton Göring (von links), Pfarrerin Johanna Rodrian, Günther Bonfert und Pfarrer Markus Göring. Foto: Sandra Kraus

    Dritter Spieler an der Orgel war der Leipheimer Erich Broy. Sein Eindruck: „Sie ist reiner, sauberer und direkter im Anspiel.“ Um den Zuhörenden die Schönheit der Orgel nahezubringen, hatte er mit Leopold Mozarts Variationen über einen alten Choral ein Werk ausgesucht, das die verschiedenen Klangfarben hör- und erlebbar macht. Mit einem Rondo von Knecht aus Biberach an der Riß und einem Präludium von Simon aus Nördlingen präsentierte Broy Komponisten aus Süddeutschland passend zur süddeutschen Orgel. Alle drei Organisten hatten sich Werke aus der Bauzeit der Leipheimer Orgel entschieden, um den neuen, auf alt gesetzten Klang mit damaligen Kompositionen hörbar zu machen.

    Organist Erich Broy aus Leipheim ist begeistert vom Klang der Orgel.
    Organist Erich Broy aus Leipheim ist begeistert vom Klang der Orgel. Foto: Sandra Kraus

    Pfarrer Markus Göring ist die Freude deutlich anzumerken: „Wir haben viele Wochen ohne Orgel hinter uns. Geplant waren 14 Wochen, am Ende war es ein ganzes Jahr. Dafür ist es jetzt umso schöner. Die Orgel ist ein Glücksfall, weil noch so viel aus der Originalorgel vorhanden war.“ Pfarrerin Johann Rodrian ergänzt: „Sie hat uns schon sehr gefehlt. Der Klang ist so geworden, wie ich es erhofft habe. Am allerschönsten wäre es, wenn jetzt noch die Kantorenstelle besetzt werden könnte.“ Einen großen Anteil am viel-beklatschten Konzerterlebnis der zweistündigen Stunde der Kirchenmusik hatten auch der Posaunenchor unter der Leitung von Edgar Schneider und die St. Veits-Kantorei unter Leitung von Paul-Anton Göring mit ihren Beiträgen.

    Günther Bonfert wirbt um weitere Spenden für die Orgel

    Leipheims Bürgermeister Raphael Gerhardt findet: „Die St. Veit-Kirche ist ein religiöses und kulturelles Zentrum der Stadt, ein Wahrzeichen, das jetzt rundum saniert ist, einschließlich der Orgel. Ich finde es beeindruckend, wie sich die Bürgerschaft beteiligt hat.“ Viele Spenden waren nötig und Günther Bonfert warb für weitere: „Je nach Spendenhöhe gibt es eine der rund 200 ersetzten Originalpfeifen der Leipheimer Orgel. Für 50 Euro ein Pfeifchen in Stricknadelgröße, für 100 Euro eine Orgelpfeife und für 200 Euro ein große, vielleicht 50 Zentimeter lange Orgelpfeife. Wer schon gespendet hat, bekommt natürlich auch eine.“

    Auch Bürgermeister Raphael Gerhardt überzeugte sich von der gelungenen
Sanierung der Orgel.
    Auch Bürgermeister Raphael Gerhardt überzeugte sich von der gelungenen Sanierung der Orgel. Foto: Sandra Kraus

    Auch Bonfert ist begeistert: „Endlich klingt sie wieder und dann so schön! Danke an alle, die gespendet haben.“ Von Zahlen und Finanzplan wollte an diesem Abend niemand sprechen. Pfarrer Anton Göring informierte lieber über Orgelabnahme, die Ende April stattgefunden hatte: „Hier das wichtigste aus dem Urteil des Sachverständigen. Die Klanglichkeit hat sich enorm verbessert. Die Intonation aller Register darf als äußerts delikat und gelungen bezeichnet werden. Die Schmahl-Schmid-Lenter-Orgel erklingt nunmehr durch die geglückte Instandsetzung und Erweiterung wieder in vollem Glanz.“

    Organist Paul-Anton Göring kann das bestätigen: „Das Volumen der Orgel füllt endlich den Kirchenraum. Ich kann endlich alle Register benutzen, sie spielt sich viel runder.“ Für ihn war es ein Abschiedskonzert. Seit ein paar Tagen hat die Zusage für einen Studienplatz an der Schola Cantorum Basiliensis in Basel für Alte Musik in der Tasche. Sobald die Abiturprüfungen beendet sind, geht es auf Wohnungssuche in der Schweiz. Die Kirchengemeinde freute sich mit ihm, klatschte begeistert und gratulierte.

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