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Leipheim: Sie weiß, wie die Bayern ticken

Leipheim

Sie weiß, wie die Bayern ticken

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    Florian Burgmayr und Franziska Wanninger brachten im Zehntstadel auch sich selbst zum Lachen.
    Florian Burgmayr und Franziska Wanninger brachten im Zehntstadel auch sich selbst zum Lachen. Foto: Jana Korczikowski

    Dass der bayerische Dialekt einst vom Playboy zum erotischsten Dialekt gekürt wurde, verwundert Franziska Wanninger nicht. Und doch wies die Kabarettistin in ihrer Lesung im Leipheimer Zehntstadel auf unterschiedliche Auslegungen bestimmter romantischer Aussprüche hin, die durchaus zu Missverständnissen führen können: So sei etwa „Du gehst mir ab“ nicht zu verwechseln mit „Mir geht einer ab.“ Von der doppelten Verneinung „niemals nicht“, die der Bayer noch an die Spitze zu treiben vermag, indem er sie vierfach in einen Satz packt, bis zum fast schon universell einsetzbaren Wort „fei“, bot Wanninger einen Streifzug durch die sprachlichen Besonderheiten des Weißwurstäquators.

    „Der Bayer und sein Dialekt“ ist eines von vielen verschiedenen Kapiteln ihres Buches „Der famose Freistaat“ aus dem Jahr 2020, in denen Wanninger mit Co-Autor Martin Frank die Eigenheiten der Bayern, ihre Geschichte und Lebensart beschreibt. Geht es um die Kulinarik, dürfe man in Bayern nicht „hoiglig“ oder „extrig“ sein, das komme nicht so gut an. Neben der knödel- und fleischlastigen Küche zählen zu den Leibspeisen des Bayern bestimmt 50 verschiedene Süßspeisen, die die Kabarettistin dem Leipheimer Publikum in Stakkato aufzählte. Begleitet wurde sie dabei von Florian Burgmayr an Tuba und Akkordeon. Und wer dennoch nichts essen möchte, sollte es nach dem Motto halten: „Drei Bier san a‘ ein Schnitzel; und du hast no‘ nix trunken.“

    Das Wort „Hund“ wird in Bayern für Komplimente verwendet

    Immer wieder streute sie witzige Fakten, untermalt von Burgmayrs Tuba, ein. Etwa, dass viele glaubten, die JU (Junge Union) käme aus dem früher verwendeten Wort Bajuwaren: „Deren Ansichten ähneln noch heute jenen der Bevölkerung Bayerns des 6. Jahrhunderts.“ Ein bedeutendes Buchkapitel ist „Der Bayer und sein Grant.“ Franziska Wanninger lieferte dabei sogar Granteltipps, etwa für den Fall eines unangekündigten Besuchs der Verwandtschaft: „Regnet es draußen? Weil es so einen Dreck hereinschwappt.“ Und sie räumte mit Missverständnissen auf: „Du bist a Hund“ sei nämlich keine Beleidigung, sondern ein Kompliment, nur noch gesteigert von „Du bist a verrückter Hund.“ Für Beleidigungen dagegen dürfe jegliches Tier verwendet, für ein Lob aber nur der Hund.

    Das letzte Kapitel im Buch behandelt das Thema Tod. „Sie merken, es geht dem Ende zu“, sagte Wanninger scherzhaft zum Publikum. Zu erwähnen sei etwa die mangelnde Furcht des Bayern vor dem Tod, die fast schon in einer Verniedlichung gipfelt, wie die euphemistische altbayerische Bezeichnung „Boandlkramer“ verdeutlicht. „Und wenn Sie einen Bayern auf dem Sterbebett fragen: Wie geht's? Und er darauf antwortet: aufwärts – dann dürfen Sie sich nicht wundern.“

    Wanninger thematisiert in Leipheim nicht die Eigenheiten der Schwaben

    Als Zugabe erzählte sie einige Schwänke aus ihrem Kabarettistinnendasein, in den zwölf, dreizehn Jahren, in denen Wanninger mittlerweile auf den Bühnen Bayerns unterwegs ist, gibt es da so einige. Zum Beispiel, wie schroffe Wirte die junge Künstlerin gerne mal nicht so ernst genommen und zum Umkleiden in die Küche geschickt hätten. Aber da steht Wanninger drüber. Die Bodenständigkeit der Oberbayerin zeigt sich auch darin, dass sie sich nach ihrer Lesung Zeit für den Buchverkauf, „Selfies“ und Gespräche mit ihren Gästen nahm.

    Die verließen gut gelaunt den Zehntstadel. Wenn sich auch der eine oder die andere neben Ausführungen zum Charakter der Oberbayern, Niederbayern, Oberpfälzer oder Franken auch Eigenheiten der Schwaben gewünscht hätte. Wanninger: „Im Buch steht viel über die Schwaben drin, aber das kennen Sie selbst am besten.“

    Info: Mit ihrem neuen Programm „Wenn du wen brauchst, ruf mich nicht an“ kommt Franziska Wanninger am 30. Januar 2025 in den Kultur-Stadl Wörleschwang.

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