Stadt Ichenhausen hat in den vergangenen sechs Jahren Millionenprojekte realisiert
Silberne Bürgermedaille wurde seit 1996 an elf Personen vergeben
Mit einer ungewöhnlichen Sitzung hatte der Ichenhauser Stadtrat vor sechs Jahren seine Arbeit aufgenommen – mitten in der Corona-Pandemie – und mit einer speziellen Sitzung endete jetzt die Legislaturperiode. Bürgermeister Robert Strobel sprach von einem „besonderen Moment für die Stadt“. Denn an diesem Abend verabschiedete er nicht nur sieben Rätinnen und Räte, er durfte auch zum ersten Mal nach neun Jahren wieder eine hohe Auszeichnung vergeben. Für ihr jahrzehntelanges kommunalpolitisches Wirken bekamen Gerlinde A. Schweiger und Reinhold Lindner die Silberne Bürgermedaille überreicht.
Bevor der große Abschiedsreigen begann, erinnerte Robert Strobel an die zu Ende gehende Legislaturperiode. Die sei von weltweiten Krisen und Kriegen geprägt gewesen und habe mit einem außergewöhnlichen Ereignis begonnen. „Erinnern Sie sich noch an den Wahlsonntag 2020?“, fragte Strobel in die Runde. Corona sei schon in aller Munde gewesen, es folgten Schulschließungen, Ausgangsbeschränkungen, Maskenpflicht. Auf dem Gruppenbild des Stadtrates bei der konstituierenden Sitzung im Mai 2020 mussten die Mitglieder zwei Meter Abstand zueinander einhalten. Im Februar 2022 folgte der nächste Schlag mit dem Angriffskrieg Putins auf die Ukraine, verbunden mit Energie- und Baupreissteigerungen. Im Februar dieses Jahres eine weitere schwierige Situation: Die USA starteten gemeinsam mit Israel Luftangriffe auf Ziele im Iran. In deren Folge stiegen die Energiepreise wieder massiv an.
Trotz dieser Rahmenbedingungen habe die Stadt viel vorangebracht, drei Kitas erweitert bzw. saniert, das Feuerwehrhaus Ichenhausen umgebaut, mehrere Baugebiete erschlossen, zentrale Straßen erneuert und nicht zuletzt den Umbau der Friedrich-Jahn-Halle angegangen. Jeder einzelne Stadtrat habe seinen Beitrag geleistet, womit Strobel zur Verabschiedung von sieben Rätinnen und Räten überleitete, die aus dem Gremium ausscheiden.
Thomas Käufl (CSU) war im Januar 2025 nachgerückt für den früheren Dritten Bürgermeister Hubert Schuler. Horst Reichle (Freie Wähler) kam im September 2025 als Nachrücker für Artur Kehrle in den Stadtrat. Tobias Ebner (CSU) wurde vor sechs Jahren erstmals ins Gremium gewählt. Ebenfalls sechs Jahre lang war Verena Weitmann (SPD) im Stadtrat tätig. Dass mit ihr eine junge Frau aus dem Gremium ausscheide, bedauerte Strobel besonders. Denn der Stadtrat sollte in seinen Augen im besten Sinne ein Spiegelbild der Gesellschaft sein. Dazu gehörten Vielfalt, unterschiedliche Perspektiven – „und auch mehr Frauen und mehr junge Menschen“.
Nach 18 Jahren im Stadtrat scheidet Thomas Seitz (CSU) aus dem Gremium aus. Er hatte nicht mehr kandidiert, da er als Leiter der Musikschule in Langenau eine neue berufliche Aufgabe übernimmt. Obwohl der Musiklehrer und Musiker auch in den vergangenen Jahren beruflich sehr einspannt gewesen sei, habe er sich für seine Arbeit als Kindergartenreferent immer „die nötige Zeit herausgekratzt“, betonte der Bürgermeister. Besondere Akzente habe er auch im kulturellen Bereich gesetzt.
Mit Reinhold Lindner (Freie Wähler) verabschiedete Strobel „eine Persönlichkeit, die unsere kommunalpolitische Arbeit über viele Jahre hinweg entscheidend mitgeprägt hat“ – 24 Jahre. Lindner habe sich immer von der Frage leiten lassen, was gut für Stadt und Menschen sei. Besonders hervorhob der Bürgermeister dessen zwölfjährigen Einsatz als Schulreferent. In dieser Zeit habe er Verantwortung für einen der wichtigsten Bereiche übernommen: die Bildung. Lindner habe sich für gute Rahmenbedingungen und für Investitionen in die Zukunft der Kinder und Jugendlichen eingesetzt. Dabei seien ihm nicht nur Zahlen und Projekte wichtig gewesen, sondern vor allem die Personen. „Er war jemand, der den Bürgerinnen und Bürgern zugehört, der abgewogen hat“, lobte Strobel.
Nur eine wusste diese Zahl zu toppen, mit 30 Jahren Stadtratszugehörigkeit ist Gerlinde A. Schweiger Spitzenreiterin. „Das ist eine außergewöhnliche Leistung und ein beeindruckendes Zeugnis von Engagement und Verantwortungsbewusstsein“, betonte Strobel. Als Mitglied der SPD und langjährige Vorsitzende habe sie politisch gestaltet und Verantwortung übernommen. Sie habe ihre Überzeugungen klar vertreten und gleichzeitig stets den Dialog gesucht. Sechs Jahre lang war sie Dritte Bürgermeisterin, fünf Jahre führte sie die SPD-Fraktion, sechs Jahre lang engagierte sie sich als Kulturreferentin. Wie Strobel hervorhob, habe Schweiger das kulturelle Leben bereichert und dafür gesorgt, dass Kultur ihren festen Platz habe. „Sie hinterlassen Spuren – in Projekten, in Entscheidungen und vor allem in den Menschen.“
Für dieses außergewöhnliche Engagement und für besondere Verdienste um die Gemeinschaft überreichte Strobel den beiden Räten die Silberne Bürgermedaille. Wie er erläuterte, geht die Auszeichnung auf einen Stadtratsbeschluss von 1996 zurück. Damals sei entschieden worden, Personen mit der Medaille zu ehren, die mehr als 24 Jahre im Gremium aktiv waren. Seitdem sind laut Unterlagen der Stadt neun Personen ausgezeichnet worden, die letzte Vergabe war 2017. Nur einer von ihnen war kein Stadtrat: Bernard Pichet, Bürgermeister der Partnergemeinde Changé hatte die Medaille 2005 erhalten.
Jetzt kommen mit Gerlinde A. Schweiger und Reinhold Lindner zwei weitere Träger hinzu. Strobel hatte im Vorfeld nichts verraten, umso größer war die Verblüffung. Lindner gestand: „Das kommt völlig überraschend.“ Als Sportler habe er sich immer eine Medaille gewünscht, diese sei eine ganz besondere. Er habe sich gerne politisch engagiert, dabei sei es ihm stets um die Stadt gegangen und darum, für die Bürger das Bestmögliche zu erreichen. Genau darauf sollte auch der künftige Stadtrat achten. In seinen Augen wäre es ein Fehler, angesichts neuer Gruppierungen eine Brandmauer zu errichten. Alle Meinungen sollten gehört und dann ein Kompromiss gefunden werden. Auch Schweiger wünscht sich künftig vor allem „gute Entscheidungen zum Wohle der Bürger“. Sie selbst gehe mit einem lachenden und weinenden Auge. Aber der Zeitpunkt sei gekommen, „wo man sagen muss, es reicht“.
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