Reitsportfans aus dem Landkreis Günzburg und darüber hinaus ist der Reit- und Fahrverein Günzburg sicherlich ein Begriff. Streng genommen passte der Name des Vereins in den vergangenen Jahren allerdings nicht mehr optimal. Während die Günzburger Reitturniere mit Springen und Dressur im Frühling und im Herbst regelmäßig hunderte Besucherinnen und Besucher an die Reitsportanlage auf dem Gelände des Bezirkskrankenhauses lockten, fanden Fahrturniere zuletzt nicht statt. Doch das soll sich nun ändern: Erstmals seit knapp 60 Jahren werden am Sonntag wieder Kutschen im Rahmen eines Turniers durch die Kreisstadt rollen.
„Wir werden unserem Namen als Reit- und Fahrverein endlich wieder gerecht“, freut sich RFV-Vereinsvorsitzender Thomas Lang über die geplante Veranstaltung. Die Initiative für das Turnier kam von einigen Vereinsmitgliedern. „Wir haben etwa zehn aktive Fahrerinnen und Fahrer in unserem Verein. Von ihnen kam der Vorschlag, ob wir nicht mal wieder ein Fahrturnier veranstalten wollen“, berichtet Lang. „Und ich werde mich hüten, so ein sportliches Engagement im Verein zu unterdrücken“, war der Vorsitzende sofort mit an Bord.
Zumal auf der Reitanlage in Günzburg alle formalen Bedingungen für die Ausrichtung eines solchen Turniers erfüllt sind. Während der Platz beim Dressurreiten mindestens 20 mal 60 Meter groß sein muss, beträgt die Mindestgröße beim Fahren 40 mal 80 Meter. Bei vielen Reitvereinen in der Region stehen diese Flächen nicht zur Verfügung. „Aber unsere Anlage gibt das her“, erklärt Lang. Besonders sei zudem, dass die Fahrprüfungen in Günzburg auf Sand ausgeführt werden. „Fahrplätze auf Sand gibt es in Schwaben sonst gar keine“, so Lang. Viele Fahrwettbewerbe in der Region finden stattdessen auf Rasenplätzen statt.
Teilnehmer fahren bis zu 150 Kilometer für das Günzburger Fahrturnier
Bei Beginn der Ausschreibung rechnete der Verein noch mit 60 Anmeldungen – und wurde schnell positiv überrascht. „Wir wurden regelrecht überrannt“, berichtet Lang. Insgesamt werden es am Sonntag fast 100 Starts werden, 40 Fahrer haben sich mit 60 Pferden angemeldet. „Für ein Fahrturnier sind das fantastische Zahlen“, freut sich der Vereinsvorsitzende. Die hohen Teilnehmerzahlen sind darauf zurückzuführen, dass dieses Günzburger Turnier eines der ersten im Saisonkalender 2026 ist. Schon bei seinem Frühjahrs-Reitturnier vor knapp drei Wochen profitierte der RFV mit hohen Teilnehmer- und Zuschauerzahlen von der frühen Ansetzung im Jahr. Zudem finden deutlich weniger Fahr- als Reitturniere in der Region statt. „Dadurch fahren einige Teilnehmer bis zu 150 Kilometer zu uns“, berichtet Lang.
Los geht es in Günzburg am Sonntagvormittag ab acht Uhr mit Anfängerprüfungen für Ein- und Zweispänner, also für Kutschen mit einem oder mit zwei Pferden davor. Am Mittag finden dann Eignungsprüfungen für das Bundeschampionat statt, bei der junge Pferde ihre Prüfungseignung unter Beweis stellen müssen, ehe ab 16 Uhr die Highlights des Tages angesetzt sind: die Prüfungen im Kegelfahren.
Dabei müssen die Fahrerinnen und Fahrer ihre Ein- und Zweispänner möglichst schnell und möglichst fehlerfrei durch einen Hindernisparcours lenken. In Günzburg sind diese Parcours abgesteckt durch Pylonen, auf denen sich wiederum Bälle befinden. Die Fahrerinnen und Fahrer müssen ihr Gespann dann im vorgegebenen Kurs über den Platz lenken, ohne die Bälle von den Grenzmarkierungen zu stoßen. „Ich hoffe, dass wir mit diesen Prüfungen auch Zuschauer begeistern können, die keine klassischen Reitfans sind“, hofft Lang, und damit auf regen Betrieb auf dem Vereinsgelände.
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