Es ist knapp 70 Zentimeter lang und stellenweise gut 4 Zentimeter breit. Mit seinen wohl weit über 2000 Jahren ist es eine historische Kostbarkeit: Das eiserne Schwert, das vor rund 15 Jahre in der Egerländerstraße in Altenstadt bei Kanalarbeiten gefunden wurde. Es ist ein Fragment aus der Vergangenheit und stammt vermutlich aus der Keltenzeit. Derzeit ist es im Besitz von Helmut Märkle aus Erolzheim. In den nächsten Tagen soll es der Marktgemeinde Altenstadt übergeben werden.
„Es ist eine ganz besondere Rarität“, sagt Märkle. Der Rentner ist Mitglied in der Gesellschaft für Archäologie in Stuttgart. Für sein Geschichtswissen ist er in seinem Heimatort Erolzheim bekannt. So kam Märkle in den Besitz des Schwertes. Ein aufmerksamer Arbeiter aus Erolzheim hatte es bei Kanalarbeiten im Kiesaushub auf einem Lastwagen entdeckt und vergangenes Jahr an Märkle übergeben.
Schwert kam vermutlich bei einem rituellen Zweikampf zum Einsatz
Nach Aussage des Arbeiters war das Schwert rund in O-Form gebogen. Später hatte er es geradebiegen lassen – ein schwerwiegender Fehler, wie Märkle kopfschüttelnd erklärt. Denn genau diese O-Form ist ein Indiz für die Herkunft der aus Eisen geschmiedeten Waffe.
Die Kelten hätten Schwerter rituell verbogen und somit unbrauchbar gemacht, erklärt Märkle. Sie dienten dann oftmals als Grabbeilage. Bei dem in Altenstadt entdeckten Schwert handelt es sich aber vermutlich um einen Flussfund. Der Erolzheimer erklärt das so: Eine Vermessungskarte aus dem 19. Jahrhundert zeigt den einstigen Verlauf der Iller und die Ausbreitung des Illergries.
Vergleicht man die alte Karte mit einem aktuellen Straßenverzeichnis, erkennt man, dass sich der Fundort des Schwertes mit dem Rand des damaligen Überschwemmungsgebietes überschneidet. Das Schwert war vermutlich keine Grabbeilage, sondern eine Fluss-Opfergabe an die Götter. In Geschichtsunterlagen ist zu lesen, dass solche Waffenopfer möglicherweise als Turnierwaffen in rituellen Zweikämpfen an Furten und Flussüberquerungen benutzt und anschließend im Wasser versenkt wurden.
Das Alter des Eisens lässt sich nicht mehr genau bestimmen
Die Stelle im Eisen, an der das Schwert gebogen war, lässt sich heute noch erkennen. „Natürlich weiß man nicht, wie genau die Iller damals verlief“, räumt Märkle ein. Auch sei es nicht möglich, das Alter des Eisens zu datieren. Doch die O-Form zusammen mit dem Fundort am einstigen Überschwemmungsgebiet der Iller deuten auf ein keltisches Schwert hin.
Die Kelten bevölkerten im achten Jahrhundert vor Christus die Gebiete am Oberrhein und der oberen Donau. Ab den Jahren 300 vor Christus zogen sie los, um neue Siedlungsgebiete zu erobern. Dabei besetzten sie zeitweise Mittel- und Südeuropa und drangen die Donau abwärts bis in die heutige Türkei vor.
Städte wie Paris, Turin, Budapest oder Ankara gehen auf die Kelten zurück. Im letzten Jahrhundert vor Christus ging die Hoch-Zeit der Kelten zu Ende und die Römer nahmen ihre Gebiete ein. Doch die Kelten haben bis heute Spuren wie das eiserne Schwert hinterlassen.
Experten haben das Schwert entsalzt und konserviert
Nachdem Helmut Märkle das Relikt aus der Vergangenheit erhalten hatte, legte er es dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in Thierhaupten vor. In Absprache mit der Marktgemeinde Altenstadt leitete er die Restaurierung in die Wege. In Tübingen wurde die uralte Waffe, dessen Zustand unter anderem als „bröselig, mit Abplatzungen, mit löslichen Salzen kontaminiert und ohne originale Oberfläche“ beschrieben wird, fachmännisch entsalzt und konserviert.
Nun soll es nach Altenstadt, wohin es vermutlich einst angeschwemmt wurde und die Jahrhunderte überdauerte, zurückkehren. Für die Marktgemeinde ist das einmalig. Wie Alwin Müller, Geschichtskundler aus Altenstadt, weiß, sind keltische Siedlungen in Altenstadt nicht nachgewiesen. Es ist der erste Fund dieser Art.
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