Der SPD-Ortsverein Babenhausen will einen letzten Versuch unternehmen, seine Auflösung abzuwenden. Vorsitzende Karin Steck machte bei einem kommunalpolitischen Stammtisch unmissverständlich klar, dass noch einmal angestrebt werde, die Bürgerschaft für sozialdemokratische Themen und für ein Engagement bei den anstehenden Kommunalwahlen 2020 zu begeistern. Entscheidend wird also sein, ob sich Mitbürger dazu bereit erklären, sich in den Wahlkampf einzubringen.
Der SPD-Ortsverein, so Steck, habe in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten „ordentlich Federn lassen“ müssen. Man habe es nicht geschafft, junge Menschen zum Mitmachen zu animieren. „Entweder sind wir zu alt“, so Steck weiter, „oder wir haben unbewusst Barrieren errichtet – die es aber zu überwinden gilt.“ Derzeit hat der Ortsverein nach ihren Angaben zehn Mitglieder.
Die Flinte ins Korn werfen will sie nicht. Um die kommunalpolitischen Kräfte zu bündeln, ist ein Zusammenschluss mit dem Ortsverein Boos im Gespräch. Eine Entscheidung darüber soll in den nächsten Wochen fallen. Während der Versammlung ging der Meinungstrend jedoch klar in diese Richtung. Steck jedenfalls vertrat leidenschaftlich die These vom „Gemeinsam sind wir stärker“.
Darunter verstand sie nicht zuletzt auch ein Bündnis gegen Rechts. Sie erwähnte den Überfall auf einen jungen Mitbürger im Fuggermarkt, der in einer Sofortmeldung des AfD-Ortsverbands Babenhausen Personen mit Migrationshintergrund in die Schuhe geschoben worden sei. Als sich herausstellte, dass dem nicht so war, habe sich der AfD-Ortsvorsitzende halbwegs für diesen Lapsus entschuldigt, würde es allerdings sofort wieder machen, vermutet Steck. Da ihr Ex-Ehemann selbst ein Flüchtling gewesen sei, so ihre Aussage, wisse sie, was Ausgrenzung bedeutet.
Soziales Miteinander ist Steck wichtig
Auch Nico Jörg, Kreisvorsitzender der Jusos und Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Boos, wetterte gegen die AfD. Beispielsweise der Auszug von Mitgliedern der Partei aus dem Landtag, als die Präsidentin der Israeltischen Gemeinde München zum Holocaust-Gedenktag sprach, „treibe ihn zur Weißglut“. Zwar seien AfD-Abgeordnete demokratisch gewählt, jedoch steckten in vielen Köpfen menschenfeindliche Bilder, so seine Meinung.
Da die AfD gewiss bei den Kommunalwahlen in Babenhausen antreten werde, gelte es, dieser entgegenzutreten. Man müsse Flagge zeigen. Dafür seien allerdings Bürger notwendig, die sich engagieren. Eine eigene SPD-Liste wird es voraussichtlich nicht geben, jedoch wird gerade eruiert, mit welchen politischen Organisationen eine (Listen-)Verbindung möglich wäre. Steck forderte die Bevölkerung auf: „Kommt zu uns!“ Gleichzeitig machte sie deutlich, dass – sollte dieser Appell keinen Anklang finden – die Auflösung des SPD-Ortsvereins die logische Konsequenz wäre.
Um in Babenhausen auf die Bevölkerung zuzugehen, sind (zwei-)monatliche kommunalpolitische Stammtische geplant. Davon erhofft sich Steck, die Bürger mehr für Kommunalpolitik, nicht zuletzt diejenige der SPD, zu interessieren.
In welche Richtung die Inhalte des Ortsvereins gehen, war ebenfalls Thema. Es wurde bemängelt, dass auch in Babenhausen junge Familien auf Wohnungssuche seien – oft erfolglos, da erschwingliche Mietwohnungen rar seien und Eigenheimbau an finanziellen Hürden scheitere. Es könne zudem nicht angehen, dass im Seniorenwohnheim in Babenhausen einerseits Räume leer stünden, weil Pflegekräfte fehlten, es andererseits aber eine Warteliste gebe. Zudem gelte es, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen und eine Umgehungsstraße umzusetzen. Für Engagement auf dem Umweltsektor lobte Karin Steck den Nachbarort Kettershausen, der sich zur „Naturgemeinde“ entwickelte. Auch in Babenhausen seien gute Ideen gesucht. Wichtig sei ihr auch das soziale Miteinander im Fuggermarkt. Hierbei gelte es anzusetzen, drifte doch das ehrenamtliche Engagement immer mehr auseinander.
Die lange Diskussion mit anwesenden SPD-Mandatsträgern drehte sich mitunter um hohe (Brandschutz-)Auflagen bei privaten und kommunalen Bauvorhaben und um ausufernde Bürokratie. Dabei sollte man „Gemeinwohl über Eigentum“ stellen, einfachere Vorschriften erlassen oder die Innerortsentwicklung stärken. Dazu gehörten auch kleine Schritte, etwa in Form eines Ausbaus von Wegen,wie einer der Anwesenden sagte. Bundespolitische Aspekte brachte an diesem Abend SPD-Bundestagsabgeordneter Karl-Heinz-Brunner ein.
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