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Illertissen/Landkreis

18.09.2018

Bahn frei für die Silphie in der Region

Mit diesem Traktor und per Handarbeit wurden die Silphie-Setzlinge in den Boden eines Feldes bei Au gepflanzt. Das Gewächs soll unter anderem Bienen als Nahrungsquelle dienen.
Bild: Felicitas Macketanz

Im gesamten Landkreis Neu-Ulm werden zur Zeit Setzlinge des gelb-grünen Gewächses gepflanzt, so auch in Illertissen. Imker möchten damit ein Zeichen setzen.

Langsam zieht der alte Traktor seine Bahnen über das Feld am Auer Waldrand. Reihe für Reihe in Schrittgeschwindigkeit. Diese ist auch notwendig. Denn hinter dem Fahrzeug sitzen auf einer speziellen Maschine vier Männer. Ihre Aufgabe: Die "Durchwachsene Silphie" in den Boden einarbeiten – und zwar in akribischer Handarbeit, Pflanze für Pflanze, eine nach der anderen.

„Hier werden drei Pflanzen pro Quadratmeter eingesetzt“, sagt der Vorsitzende der Imker im Landkreis Neu-Ulm, Walter Burger, bei der Aktion am Waldrand. Die 2000 Quadratmeter große Fläche hat die Stadt Illertissen den Imkern und Naturschützern überlassen. Diese teilen sich das Feld: Auf der einen Seite sollen sich die Silphie-Pflanzen ausbreiten, auf der anderen Wildblumen.

Die Pflanze ist eine Nahrungsquelle für Bienen

„Der Vorteil dieser Pflanze ist, dass man sie nur noch ernten muss“, sagt der Imker. Mais beispielsweise müsse jedes Jahr aufs Neue gesät werden, die Silphie sei hingegen extrem pflegeleicht. Und noch etwas: „Die Silphie blüht sehr lange“, erklärt der Fachmann, der die Pflanzaktion im Landkreis unter dem Titel „Blühende Energie“ ins Leben gerufen hat (wir berichteten).

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Damit bietet das Gewächs vor allem Bienen eine sichere Nahrungsquelle zwischen Juni und September – und kann deren Leben retten. Denn als Alternative bliebe den Insekten meist nur noch Mais. „Und wenn sie nichts anderes finden“, so Burger, „dann nehmen sie Maispollen auf.“ Füttern die Bienen ihren Nachwuchs nur mit den Maispollen, weil sie sonst keine andere Nahrung finden, komme es bei den Insekten zur Mangelernährung, die Tiere seien weniger resistent gegen Krankheiten – letztlich sterben sie früh. „Das ist, vereinfacht gesagt so, als ob wir jeden Tag nur Fast Food essen würden“, erklärt Burger, der momentan selbst acht Bienenvölker besitzt. Es fehle an Alternativen für die Bienen. Deswegen versucht Burger, der seit 35 Jahren als Imker tätig ist, zusammen mit seinen Kollegen auf die Energiepflanze aufmerksam zu machen.

Im Rahmen des Programms „Blühende Energie“ wurden bereits auf drei Flächen im Landkreis Neu-Ulm Silphie-Setzlinge eingepflanzt, unter anderem in Pfaffenhofen. Am Illertisser Bienenweg werden die gelb-grünen Gewächse in Zukunft ebenfalls zu sehen sein. Das sei jedoch vor allem eine Initiative von der Stadt gewesen, sagt Burger.

Wie Mais kann auch Silphie für Biogasanlagen genutzt werden

Die Pflanze habe – neben der Funktion als „Bienenlebensretter“ – einen weiteren Vorteil: Sie kann sehr alt werden. Im besten Fall kann die Energiepflanze über einen Zeitraum von 30 Jahren immer wieder geerntet werden. Das wiederum bedeutet: weniger Arbeit, weniger Zeitaufwand und insgesamt natürlich weniger Kosten. Der älteste Bestand des Gewächses, das in Deutschland nach wie vor geerntet werde, ist Burger zufolge 34 Jahre alt. Im Osten des Landes sei die Silphie schon seit Langem ein Renner. Erst vor Kurzem seien auch die Menschen in der Region auf die Idee gekommen, die Pflanze – etwa als Mais-Alternative – vermehrt zu nutzen. Ein weiterer Vorzug, den die Silphie gegenüber dem Mais mit sich bringt, sind ihre Ausmaße. Sie schützt laut Burger durch ihre breite Blattmasse den Boden. Und sie ist eine Energiepflanze. Das heißt, sie kann genau wie Mais auch für Biogasanlagen verwendet werden. Als Futterpflanze sei sie hingegen nicht geeignet, sagt Burger.

Dabei wirkt die Silphie auf den ersten Blick recht unscheinbar: Ihre kleinen gelben Blüten ähneln den großen einer Sonnenblume, ihre Blätter sind breit und grün. Einzig ihre Höhe und die starken Wurzeln lassen auf ihre „Energie“ schließen. Denn immerhin kann eine Silphie bis zu drei Meter hoch wachsen, die Wurzeln bilden sich extrem rasch.

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