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24.06.2010

Die neue Herrschaft residiert am Rhein: BASF kauft Cognis

Der Cognis-Standort in Illertissen aus der Luft betrachtet. Foto: arc
Bild: arc

Illertissen Lange war verhandelt worden, am Ende hat die Chemie zwischen Verkäufer und Käufer offenbar gestimmt: Die Firma Cognis wechselt den Besitzer. Die neue Herrschaft residiert am Rhein. Es ist die Badische Anilin- und Sodafabrik, besser bekannt unter der Abkürzung BASF. Stammsitz: Ludwigshafen. Der Kaufpreis für das Cognis-Eigenkapital beträgt 700 Millionen Euro. "Nettofinanzschulden und Pensionsverpflichtungen eingeschlossen ergibt das einen Unternehmenswert von 3,1 Milliarden Euro", meldet BASF. Wichtiger Bestandteil des Cognis-Konzerns ist der Standort Illertissen, vormals die renommierte Firma Grünau. Produziert werden dort vornehmlich Zusatzstoffe für Nahrungsmittel und Kosmetika.

Rund zehn Jahre hatte Cognis verschiedenen Anlegern in nicht börsennotierten Private Equity-Gesellschaften gehört - unterstützt von den internationalen Investmentberatern Permira, Goldman und Sachs oder Schroder Ventures. Sie planten seit geraumer Zeit den Verkauf von Cognis. Die Suche nach Interessenten dürfte nicht schwergefallen sein, denn das Unternehmen mit deutschen Standorten in Düsseldorf, Monheim (Hauptverwaltung) und Illertissen hat sich nach eigener Darstellung seit 2001 zu einem hochprofitablen Spezialchemie-Anbieter entwickelt.

In der Wirtschaftspresse war sehr schnell BASF als Favorit gehandelt worden. Mit Cognis zusammen kann der Chemie-Konzern seine weltweit führende Stellung weiter verbessern. So würde zum Beispiel bei Stoffen für Kosmetika BASF mit Cognis von bisher Platz drei zum Weltmarktführer werden und bei Zusatzstoffen für Nahrungsmittel von Rang sechs auf drei vorrücken. Das würde insbesondere den Standort Illertissen im neuen Konzernverbund stärken. Im Werk bei Au werden vor allem die Stoffe für Kosmetika und Nahrungsmittel produziert. Derzeit rüstet Cognis für etwa drei Millionen Euro eine Anlage auf, um Fischöl in großen Mengen verarbeiten zu können. Gewonnen werden dabei Omega 3-Fettsäuren, die in der gesunden Ernährung eine immer größere Rolle spielen.

Kartellämter müssen noch zustimmen

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Ganz in trockenen Tüchern ist der Verkauf an BASF noch nicht. In Deutschland muss das Kartellamt noch zustimmen. In weiteren 17 Ländern müssen ebenfalls Behörden den Deal genehmigen. Bis November, so rechnen BASF und Cognis, soll die Transaktion abgeschlossen sein. Probleme werden nicht erwartet. "Es ist davon auszugehen, dass der Vertragsabschluss gut vorbereitet ist", sagt Cognis-Pressesprecherin Susanne Sengel.

Innerhalb der Illertisser Belegschaft war die Nachricht vom Verkauf an BASF positiv aufgenommen worden. "Keine ausländische Investorengruppe, die nur auf Rendite schaut - stattdessen ein strategischer Investor aus Deutschland", so der Tenor. Jetzt, so heißt es, bleibe abzuwarten, wie die Zusammenarbeit konkret aussehe und wo etwa Einsparungen zu befürchten seien.

Laut Pressesprecherin Sengel hat BASF angekündigt, die Cognis-Belegschaft baldmöglichst über die neuen, gemeinsamen Strategien zu informieren. Im Werk Illertissen finden heute zwei Betriebsversammlungen dazu statt.

Illertissens Bürgermeisterin Marita Kaiser sieht die Integration von Cognis in den deutschstämmigen Weltkonzern BASF als einen entscheidenden und zukunftsweisenden Schritt in der Entwicklung des sehr gut aufgestellten Cognis-Werkes in Illertissen. "Zukunftsweisendes Ziel ist ja erklärtermaßen die langfristige Entwicklung einer noch breiteren Produktdiversifikation und Marktabdeckung durch zwei bisher schon starke Unternehmen. Dies weckt große Hoffnung, dass die Ziele und Vorstellungen eines Zusammenschlusses sich zum Wohle auch des Wirtschaftsstandortes Illertissens auswirken werden", so Kaiser. Am meisten hofft die Bürgermeisterin, "dass dabei kein Arbeitsplatz gefährdet sein wird, eher ein Ausbau in Aussicht steht".

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