Illertissen-Au 65 Jahre Eheleute. In häuslicher Pflege, dank liebevoller Betreuung durch Tochter Margit und ihrer Familie, feierten am Fronleichnamsfest Ernst und Anna Sandner eiserne Hochzeit. Der Jubelbräutigam stammt aus dem sudetendeutschen Braunsdorf. Mit elf Jahren verlor er die Mutter und wurde, da der Vater sich wieder verheiratete, von der Großmutter aufgezogen.
Mit 17 Jahren kam er zur Wehrmacht, der Vater fiel im Krieg. Nach kurzer Gefangenschaft in Wiesbaden fand Ernst Sandner über das Rote Kreuz die Großmutter wieder, die inzwischen bei Familie Lattner in Illertissen wohnte. So kam er ins Illertal. „Am Fußballplatz in Illertissen, da stand er im Tor, haben wir uns kennengelernt“, erzählt Ehefrau Anna, geborene Preisser. Sie hatte nach der Berufsschule Illertissen bei Mack gelernt und war dann 15 Jahre lang bei Grünau beschäftigt.
1947 fand die Hochzeit statt. Ernst Sandner arbeitete als Maler bei der Ulmer Firma Kässbohrer, wo er sogar die Beschriftungen der Busse von Hand fertigte. Kein Wunder, dass er in allen Auer Vereinen gefragt war, für die er zahllose Bühnenbilder zu Theateraufführungen, Schützentafeln, Urkunden und vieles andere schuf. Zusammen mit Annas Eltern und Ernsts Großmutter zog das Ehepaar 1952 ins eigene Heim nach Au.
Mit Sorgfalt pflegte die Ehefrau ihre Mutter, die 97 Jahre alt wurde. Kurz nach der goldenen Hochzeit, also vor 15 Jahren, wurde auch ihr Mann ein Pflegefall. „Bis zum letzten Tag ist er stets mit großer Liebe zur Arbeit gegangen“, erzählt sie. 18 Operationen musste er überstehen. Seit Februar dieses Jahres ist Anna Sandner selbst an den Rollstuhl gefesselt. Fürsorglich kümmert sich nun Tochter Margit um die beiden. Und die beiden Enkel samt Urenkel wohnen ganz in der Nähe.
Das Hobby der Jubilarin ist Nähen und Zeitung lesen. Zurzeit vertieft sie sich auch in die Biografie von Franz Josef Binder aus Au mit dem Titel: „Das turbulente Leben eines Allgäuer Hütejungen“.
Zum Hochzeitstag gratulierte Bürgermeisterin Marita Kaiser und überreichte als Geschenk der Stadt Blumen und eine handgefertigte Dekorationskugel der heimischen Künstlerin Conny Rinck. Ministerpräsident Horst Seehofer schickte Glückwünsche und ein Kaffeebecherset mit dem Bayerischen Wappen. (ch)