Illertissen-Au Eine 90-jährige Geschichte ist immer ein Grund zu feiern – der Auer Obst- und Gartenbauverein begeht diesen runden Geburtstag am Sonntag, 7. Oktober, von 19 Uhr an mit einem Festabend in der Josef-Weikmann-Halle.
Mit seinen knapp 300 Mitgliedern ist der Obst- und Gartenbauverein ein wichtiger Bestandteil der Dorfgemeinschaft. Ein Spaziergang durch Au zeigt vielerorts bleibende „Spuren“ großen Einsatzes für die Verschönerung des Ortsteiles. So sind Gestaltung und Pflege der Anlage mehrerer Blumenrabatten, wie die des Mack-Brunnens an der belebten Dorfstraße, des Vorgartens am Stadl und an etlichen anderen Stellen, deutliche Zeichen immerwährenden Einsatzes der Mitglieder. Was wäre der Auer Maibaum ohne die mühevoll gebundenen Grüngirlanden? Seit 1986 dürfen sich die Auer auch in jedem Jahr über das Aufstellen des Osterbrunnens am Vorplatz der Kirche freuen.
Von Anfang an waren Ziel und Aufgabe des Vereins, die Mitglieder darüber zu informieren, wie ein Garten anzulegen, zu pflegen und naturnah zu bewirtschaften ist und sie dabei mit Rat und Tat und heutzutage mit den nötigen Maschinen, zu unterstützen. Bis heute tragen die Mitglieder auch Verantwortung über den eigenen Gartenzaun hinaus für den gemeinsamen Lebensraum des Ortes und die heimische Flur. Hinzu kam in den letzten Jahren eine intensive Kinder- und Jugendarbeit. Als „Obst- und Bienenzuchtvereins“ gegründet, trafen sich insgesamt 36 Männer auf Initiative des „Bezirksgärtners“ Landerer aus Buch, der etwa den heutigen Gartenfachberatern am Landratsamt vergleichbar wäre. Am Josefstag, 19. März 1922 wurde der Verein nach zwei Vorbesprechungen offiziell gegründet, drei Reichsmark kostete die Aufnahme, acht Reichsmark der Jahresbeitrag, der aber inflationsbedingt in einem Jahr auf 5000 RM kletterte und letztlich kuriose 19 235 000 Reichsmark betrug.
Zum Vorsitzenden bestimmte die Versammlung den Werkführer bei Wieland, Gustav Keinath, zum Schriftführer und Stellvertreter den Hauptlehrer Sebastian Hausmann und Anton Weikmann zum Kassier. Franz Brunnhuber agierte als Baumwart und Joseph Niedermayer wurde als bezahlter Geschäftsführer bestellt, damals Vereinsdiener genannt. Der Gartenbauverein war, wie häufig, reine Männersache.
Noch im Gründungsjahr ging es an die Arbeit. Für die Herbstpflanzung wurden in einer Sammelbestellung 131 Obstbäume bestellt, um an die Mitglieder verteilt zu werden. Ab 1928 hatte Joseph Reichenberger den jungen Verein mit frischer Kraft geführt.
Während des Nazi-Regimes ordneten „die Oberen“ die Trennung von den Bienenzüchtern an, seit 1936 also „Obst- und Gartenbauverein“. 1941 wurden die Frauen für den Verein interessant, als in der Kriegswirtschaft die Nützlichkeit des Gartenbaus in den Vordergrund rückte. Unter dem Vorsitz von Hans Rupp, 1934 bis 1958, wurden eine eigene Mosterei angeschafft. Unter dem Vorsitzenden Ludwig Rapp, der die Geschicke des Vereins bis 1992 leitete, stellte sich die Gemeinde Au ab 1964 bis in die 1980er Jahre regelmäßig der Jury des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“. 1965 wurde sie als „die Schönste“ befunden. Franz Ritschel, staatlich geprüfter Agrarfachwirt und Obstbaumspezialist, leitete die Geschicke des Vereins nach Ludwig Rapp bis 2002. Seit zehn Jahren ist Georg Mahler Vorsitzender. Nach wie vor ist der Verleih von Geräten, Bodenprobenstecher, Walze, Einsaatgerät, Vertikutierer und Häcksler ein Service des Vereins, der sich als Hüter der Umwelt, Förderer des Auer Ortsbildes und Helfer der hiesigen Gartenbesitzer verdient gemacht hat.