Babenhausen Unter dem nach seinen Worten provokanten Titel, nämlich „2500 Jahre alte Hochöfen in der Allmannshorner Flur“, nahm Heimatforscher Dieter Spindler die Besucher der Jahresversammlung des Historischen Vereins Babenhausen mit auf eine Reise in die ganz alte Vergangenheit. Konkret bedeutete dies in die Zeit vor rund 2000 bis 2500 Jahren.
Um erst gar keine „Guttenbergereien“ aufkommen zu lassen, so Spindler, verwies er auf die Publikation „Berichte zur Archäologie im Landkreis Neu-Ulm und in den angrenzenden Gebieten“, in dem er speziell das Kapitel „Keltische Stahl- und Eisenproduktion im Rothtal“ zitierte. Ein Fundschwerpunkt liegt dabei in Osterberg und grenzt damit an Babenhauser Flur.
Ins Reich von Asterix
Bei den Kelten handelt es sich um ein indogermanisches Volk aus Asien, das vor rund 2500 Jahren in Richtung Westen zog. Dieses setzte sich in der Türkei fest und breitete sich dann nach Westen bis ins Reich von Asterix und Obelix aus. Dabei hatten die Kelten die Eisenverhüttung im Reisegepäck. Diese brachten sie mit nach Europa und lösten damit das weichere Material der Bronzezeit ab, ohne damals allerdings ihre Geheimnisse der Stahlgewinnung zu lüften.
In dieser Zeit wurden die Erfahrungen von Generation zu Generation mündlich weitergegeben, so Spindler. Auch in Babenhauser Gegend siedelten die Kelten, was beispielsweise Keltenschanzen in Kettershausen, Olgishofen oder Osterberg belegen, die aus Verteidigungsgründen mit Palisaden versehen waren.
Wenn auch das Zentrum der Eisenverhüttung der Kelten im Donauraum lag, so zogen sie auch vor allem ins Rothtal. Dort fanden Archäologen laut Spindler 72 Schlackenplätze. Allein in Osterberg konnten 31 Stellen lokalisiert werden.
Eisenerz oder Sumpferz diente dabei als Grundlage, das es erst zu sammeln und dann zu verhütten galt. „Man wird geradezu demütig, wenn man die Kenntnisse der Kelten aus heutiger Sicht betrachtet“, so Spindler. Sumpferz dürfte auch im Winterrieder Moor gefunden worden sein.
„Die Sammler waren Spezialisten, da es damals kein offenes Ackerland gab. Sie nahmen in der Sippe eine besondere Stellung ein.“ So könne man laut Spindler nur staunen, was für Material aus dem Dreck gezogen und an Ort und Stelle verhüttet wurde. Dazu bauten die Kelten Hochöfen. Als Untergrund wurde trockenes Gelände gesucht, damit „die Hitze nicht in die Erde hinunter geht“. Anschließend hoben die Kelten eine Feuergrube aus, formten rund einen Meter breite und 30 Zentimeter hohe Lehmwülste. In diese steckten sie Äste oder gespaltenes Holz und verstrichen dies mit Lehm.
Birnenförmiger „Hochofen“
Zusammen mit einem 20 bis 30 Zentimeter breiten Kamin samt Dachkonstruktion ergab dies ein birnenförmiges Aussehen. Der Hochofen, der von unten mit Holzkohle befüllt wurde, erreichte eine maximale Höhe von 1,30 Metern und musste Temperaturen von ungefähr 1200 Grad trotzen. In die obere Hälfte füllten die Kelten dann das Sumpfeisen.
In einem mehrtägigen Schmelzprozess wurde es ausgelöst. Entsprechende Schlackeprodukte konnten Heimatforscher sicherstellen. Nach der Eisenentnahme wurde laut Spindler die Öffnung wieder „geschient“, also geschlossen, und wieder verwendet. Bis zu zehnmal konnte dies geschehen, ehe der Hochofen dann verbraucht war.
Das Eisen wurde zu Barren geschmiedet, was Funde beispielsweise aus dem Osterberger Raum belegen. Dabei gab es ein standardisiertes Maß. Die Art Doppelpyramiden waren ungefähr 40 Zentimeter lang und wogen 4,7 Kilogramm.
Spindler listete auch zahlreiche Fundstücke auf, von einem bei Niederrieden gefundenen Schwert, Angelhaken und Ketten bis hin zu reinen Schmuckstücken und Opfergaben für die Flussgötter. Auch sogenannte Feuerböcke mit durchgestecktem Spieß, was die Verwendung als Grill nahelegt, befanden sich unter den Funden.
Besonders faszinierte Spindler das handwerkliche Geschick der Kelten, aber auch deren Gespür, wo eisenhaltiges Material lagert. Dieses fand sich vornehmlich auf sauren, mineralischen Böden und teilweise nur in Erbsengröße. Der Auswurf eines buddelnden Maulwurfs oder die Beobachtung von rostigem Wasser, das es heute beispielsweise noch im Bereich Reitstall und Fuggerweiher gibt, wurden zudem als Indikatoren gesehen.