Illertissen: Gibt es eine Rettung für Illerplastic? Die Konkursverwalter sind "hoffnungsfroh"
Illertissen
Gibt es eine Rettung für Illerplastic? Die Konkursverwalter sind "hoffnungsfroh"
Wo liegen die Probleme des Illertisser Fensterproduzenten Illerplastic? Die beiden Konkursverwalter sprechen Klartext und sagen, wie die Chancen für eine Sanierung des Unternehmens stehen.
Die Unternehmensgruppe Illerplastic in Illertissen hat eine gute Zukunftsperspektive, glauben die Konkursverwalter. Foto: Alexander Kaya
Gibt es Hoffnung, dass der renommierte Illertisser Fensterhersteller Illerplastic heil aus der Insolvenz kommt und künftig wieder gute Geschäfte macht? Ja, davon gehen die beiden Konkursverwalter Tobias Sorg und Konrad Menz aus. Das Unternehmen hat ein gutes Produkt, allerdings haperte es bei den organisatorischen Abläufen. Da gab es "zu viel Papier- und Zettelkram". Doch das lässt sich nicht ganz so schnell und einfach beheben, meinen die Konkursverwalter.
Illerplastic-Chef Armin Oßwald wollte die Insolvenz abwenden
Die Probleme waren schon einige Jahre lang aufgelaufen. Zuletzt versuchte Firmenchef Armin Oßwald, mithilfe von Unternehmensberatern die Wende zu schaffen. Wie er selber sagt, sei es in den Monaten bis zum Ausbruch der Corona-Krise gut gelaufen. Doch durch den Lockdown wurden auf den Baustellen immer wieder Anliefertermine verschoben und Illerplastic ging langsam das Geld aus. Nach den Worten der Insolvenzverwalter der Ulmer Kanzlei BMP Solutions konnte sich Oswald nicht mit einer Gruppe von Banken über die Finanzierung einigen. Es sei eine verfahrene Situation gewesen. Der Firmenchef habe dann keine andere Möglichkeit gesehen, als Insolvenz zu beantragen.
Nach den Worten der Insolvenzverwalter der Ulmer Kanzlei BMP Solutions konnte sich Oswald nicht mit einer Gruppe von Banken über die Finanzierung einigen. Foto: Alexander Kaya
Wobei dieses Verfahren mitnichten das Ende einer Firma bedeutet, beteuern Sorg und Menz. Es sei vielmehr ein starkes Sanierungsmittel, denn damit können leichter Umstrukturierungen vorgenommen werden. Die sind im Falle von Illerplastic auch notwendig, um etwa dem Kostendruck im Bereich des Fensterbaus begegnen zu können. Osteuropäische Produzenten drückten "mit gute Grundprodukten" auf den Markt - zu niedrigeren Preisen. Illerplastic wiederum liefert nach dem Urteil der Konkursverwalter sehr gute Ware von hoher Qualität.
Konkursverwalter sehen bei Illerplastic Probleme mit den Abläufen
Das Problem liege zwischen Auftragseingang und Herstellung der Fenster. Da werde nicht effektiv genug gearbeitet, was aber nicht an den Beschäftigten liege, sondern an den Abläufen, die nicht straff genug seien. Da habe das Unternehmen in der Vergangenheit zu wenig investiert. Sorg spricht von "zu viel Papier- und Zettelkram". Illerplastic sei "nicht modern aufgestellt". Die Kommunikation zwischen den Verfahrensabläufen müsse schlanker werden.
Produktion und Vertrieb müssten auch schlank abgewickelt werden, sagen die Insolvenzverwalter.Foto: Alexander Kaya
Das lasse sich mit entsprechender Spezialsoftware lösen, doch das brauche Zeit und Geld. Konkursverwalter Sorg zieht einen Vergleich zum Internet-Versandriesen Amazon. Der verkaufe auch nichts anderes als andere Händler und sei auch nicht unbedingt billiger, allerdings sei es ihm dank optimaler Arbeitsabläufe gelungen, die Ware sehr schnell und effektiv auszuliefern, und so "die Kunden glücklich zu machen". Ähnliches soll nun in Illertissen gelingen, denn Qualität allein genüge nicht im Fensterbau. Produktion und Vertrieb müssten auch schlank abgewickelt werden. Allerdings wollen Sorg und Menz keine Schätzung darüber abgeben, wie lange die Umorganisation bei Illerplastic dauern könnte.
Für die Beschäftigten ändere sich derzeit nichts, Einschnitte seien bisher keine geplant. Die Konkursverwalter loben die Belegschaft, die sehr motiviert sei, sie habe sich schon vor der Insolvenz den Herausforderungen gestellt. Eine "große Depression" nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens sei nicht zu spüren. Oswald hatte seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am 29. Januar über die Probleme informiert.
Bei Illerplastic in Finsterwalde gibt es keine Mitarbeiter mehr
Die Hauptschwierigkeiten waren beim größten Unternehmen der Firmengruppe aufgelaufen, bei der Illerplastic Fensterbau GmbH. Wegen der engen finanziellen Verflechtung in diesem "Haftungsverbund", wie es Menz nennt, wurden auch die Töchter Glas- und Metallbau Illertissen sowie die Illerplastic Kunststoffprofile mitgerissen. Ursprünglich gehörte noch ein weiteres Tochterunternehmen dazu, die Illerplastic Fenstertechnik in Finsterwalde-Massen im südlichen Brandenburg. Diese Ableger wurde nach dem Mauerfall geschaffen, um nach den Worten von Menz näher bei den Kunden im Osten zu sein. Doch das habe sich mittlerweile überholt, denn die könnten genauso gut von Illertissen aus versorgt werden. Das Tochterunternehmen sei bereits abgewickelt, dort gibt es keine Mitarbeiter mehr.
Für das Unternehmen muss eine nachhaltige Lösung gefunden werden
Die beiden Insolvenzverwalter gaben sich im Gespräch mit unserer Redaktion "hoffnungsfroh", was die Zukunft von Illerplastic angeht. Allerdings müsse nun die beste Lösung gefunden werden, eine, die auch nachhaltig sei.
Die Kanzlei DMP Solutions, welche mit der Illerplastic-Insolvenz betraut wurde, ist auf Unternehmensrestrukturierung sowie Insolvenz- und Nachlassverfahren spezialisiert. Sie entstand 2019 aus einer Fusion der SORG Insolvenzverwaltung, die im süddeutschen Raum tätig war, sowie denjenigen Teilen der renommierten, überregional bekannten Ulmer Rechtsanwaltskanzlei Derra, Meyer & Partner, die sich ebenfalls auf solche Verfahren spezialisiert hatte.
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