Wohin mit der Industrie in Illertissen: Um diese Frage ist es in einer Sitzung des Stadtrats gegangen. Im Hintergrund stehen die Pläne, vor der Stadt (zwischen A7, Staatsstraße 2018 und Obenhausener Straße) ein neues Gewerbegebiet mit einer Fläche von rund 60000 Quadratmetern auszuweisen. Es wäre wohl das zweite in dem dortigen Areal: Wie berichtet, ist im „Leitschäcker“ einige Hundert Meter südlich bereits ein Gewerbegebiet vorgesehen, es soll 36000 Quadratmeter umfassen. Umstritten sind beide Projekte: Das hat sich im vergangenen Jahr bei der Debatte gezeigt, die sich nun in ähnlicher Form wiederholte. Denn bislang befinden sich dort Ackerflächen. Lesen Sie dazu auch: Unsichere Heimat für neue Betriebe.
Rätin Helga Sonntag (ÖDP/AB/Grüne) kritisierte den Flächenverbrauch: „Irgendwann muss einmal Schluss sein.“ Den nachfolgenden Generationen sollten Entwicklungsräume vorbehalten bleiben. In der Ratssitzung hatte das geplante Gewerbegebiet „auf der grünen Wiese“ allerdings viele Fürsprecher.
Gewerbegebiet an der Autobahn: "Günstige Lage"
Dazu gehörte Ansgar Batzner (Freie Wähler), der die anvisierte Lage an der Autobahn als „günstig“ bezeichnete. Naherholung, Landwirtschaft und Industrie müssten dort angesiedelt werden, wo sie jeweils Sinn machten. Ähnlich sah das Fraktionskollege Ansgar Baur, der Industrie an jener Stelle zentralisieren wollte. In den kommenden Jahren würden wohl Betriebe aus dem Stadtbereich aussiedeln, sagte er voraus. Deshalb sollte man längerfristig eine Perspektive haben, für 20 vielleicht 30 Jahre.
Die CSU hielt die Idee von Gewerbeflächen an der Autobahn für sinnvoll. Sie hätten früher schon an diese Stelle gehört und nicht ins Illertal, fand etwa Ewald Ott. Uwe Bolkart pflichtete bei: Mitunter hätten Firmen an anderer Stelle massive Probleme mit Anliegern. Mit Blick auf Helga Sonntags Vorbehalte sagte er: „Die Ausweisung des Gewerbegebiets ist notwendig, um den nachfolgenden Generationen etwas überlassen zu können.“
Bürgermeister Eisen: Illertissen braucht Einnahmen aus der Gewerbesteuer
Die finanzielle Ausstattung der Stadt sei mit dem Erfolg der ansässigen Betriebe verknüpft, betonte Bürgermeister Jürgen Eisen. „Wir brauchen die Einnahmen aus der Gewerbesteuer.“ Und zwar aus mehreren Quellen. Der Hintergrund: Sollte, wie von manchen angesichts der außergewöhnlich lange anhaltenden Hoch-Konjunktur-Phase befürchtet, tatsächlich eine Wirtschaftskrise anstehen, würde sich das in der Stadtkasse bemerkbar machen. An Sonntag gewandt sagte Eisen: „Wenn dann mal eine Million wegfällt, müssen wir sehen, was wir tun.“ Möglicherweise könne die Stadt ihre hohen Ausgaben, zum Beispiel im sozialen Bereich, dann nicht aufrecht erhalten. „Und dann möchte ich Sie mal hören.“ Wilhelm Fischer (CSU) sagte, sollte das Gewerbegebiet an jener Stelle nicht umgesetzt werden, müsse man stattdessen wohl irgendwann „in Richtung Bellenberg“ gehen. Der nun ins Auge gefasste Bebauungsplan solle Entwicklungsmöglichkeiten schaffen. „Es geht nicht darum, so schnell wie möglich alles zuzupflastern.“
Wie Sonntag sah auch Clemens Jans (Freie Wähler) das neue Gebiet kritisch: „Wir müssen Ressourcen sparen für unsere Kinder und Kindeskinder.“ Die Stadt müsse sich von dem Expansionskurs verabschieden, forderte der Rat. Und bemängelte: „Wir nageln jede Fläche zu. “ Die Skeptiker waren am Ende jedoch in der Minderheit. Gegen drei Stimmen beschlossen die Stadträte, einen Bebauungsplan auf den Weg zu bringen.
Ob das Gewerbegebiet an der A7 entsteht, ist unklar
Das bedeutet aber nicht, dass auf den betreffenden Wiesen nahe der Autobahn tatsächlich einmal Waren produziert werden: Das Bebauungsplanverfahren sei mit einer Prüfung verbunden, ob das Areal die rechtlichen Anforderungen erfüllt, um ein Gewerbegebiet zu werden – das sagte auf Anfrage Brigitte Volz, die im Rathaus unter anderem für Bauleitpläne zuständig ist. Insgesamt würden in Illertissen Flächen zur Ansiedlungen von Betrieben benötigt.
Die Lage ist aus Sicht der Stadtplaner offenbar Ernst: Als vor über einem Jahr in einer Sitzung des Bauausschusses über den „Leitschäcker“ diskutiert worden war, hatte Bürgermeister Eisen zu Protokoll gegeben: „7000 Quadratmeter haben wir noch, dann ist Schluss.“ Das Bebauungsplanverfahren wurde damals eingeleitet. Es ist offenbar bereits weit fortgeschritten: „Da sind wir in den Endzügen“, sagte Volz im Gespräch mit unserer Redaktion weiter. Demnächst soll das Ergebnis in ein einer Ratssitzung vorgestellt werden.