Startseite
Icon Pfeil nach unten
Illertissen
Icon Pfeil nach unten
Illertissen
Icon Pfeil nach unten

Illertissen: Welche Geheimnisse schlummern unter der Vöhlinstraße?

Illertissen

Welche Geheimnisse schlummern unter der Vöhlinstraße?

  • |
  • |
  • |
    Schäden im Belag der Vöhlinstraße wurden bereits repariert – bald beginnt der groß angelegte Ausbau der wichtigen Verkehrsachse. Zuvor sollen archäologische Untersuchungen stattfinden.
    Schäden im Belag der Vöhlinstraße wurden bereits repariert – bald beginnt der groß angelegte Ausbau der wichtigen Verkehrsachse. Zuvor sollen archäologische Untersuchungen stattfinden. Foto: Regina Langhans

    Die Bienenstadt als Bäderstadt: Die Funde aus der Römerzeit scheinen in Illertissen neue Perspektiven eröffnet zu haben. Das zeigte sich am Sonntag beim Faschingsumzug in Au, wo Bürgermeister Jürgen Eisen und Stadträte entsprechend verkleidet auftraten. Sie waren in Tuniken gehüllt und hatten sich Lorbeerkränze aufgesetzt. Eine Hommage an die Entdeckung der Badeanlage aus römischer Zeit. Der für Illertissen sensationelle Fund wurde zwar schon 2017 gemacht – doch er weist auch in die nahe Zukunft, wo es mit den historischen Entdeckungen weitergehen könnte. Im April beginnen die Arbeiten am zweiten Ausbauschritt der Vöhlinstraße, die gleich neben der Fundstelle verläuft. „Wir hoffen natürlich, dass kein alter Römer zum Vorschein kommt“, scherzt Tiefbauamtsleiter Bernd Hillemeyr. Sicher ist das aber nicht. Eine weitere Entdeckung könnte sich auf die Baustelle auswirken.

    Autofahrer müssen sich auf Umleitung einstellen

    Und ist Sicht vieler Verkehrsteilnehmer schon unangenehm genug, wenn sie reibungslos abläuft: Die wichtige Verkehrsachse wird monatelang komplett blockiert sein. Wer nach Illertissen (oder heraus) fahren will, muss am Kreisverkehr an der Autobahn auf den Zubringer (Staatsstraßen 2018 sowie 2031) und dann weiter auf die Memminger Straße. Der zweite Bauabschnitt der Vöhlinstraße ist mit 300 Metern etwa doppelt so lang, wie das 2018 umgestaltete Straßenstück unten in der Stadt. Reichlich Platz also für weitere Relikte. Gebuddelt wurde zwar früher schon an der Straße. Doch das historische Interesse sei damals nicht so ausgeprägt gewesen, wie heute, sagt Hillemeyr. Da sei es denkbar, dass so manche alte Scherbe gleich wieder in die Baugrube geworfen worden ist.

    Das war kürzlich beim Fasching in Au ein Thema.
    Das war kürzlich beim Fasching in Au ein Thema. Foto: Regina Langhans

    Auch die Archäologen halten weitere Entdeckungen für denkbar. Dazu gehört Fabian Hopfenzitz, der die Ausgrabungen auf dem Grundstück neben der Vöhlinstraße im Jahr 2017 geleitet hatte. Kürzlich ist ein Aufsatz dazu erschienen, den der Experte gemeinsam mit dem Römerkundler Stefan Reuter aus Neu-Ulm geschrieben hat. Die 14-seitige Abhandlung ist im Jahrbuch „Geschichte im Landkreis Neu-Ulm“ zu finden. Dass die Ausgräber auf die Badeanlage aus dem 2. oder 3. Jahrhundert gestoßen sind, war eine Überraschung für alle Beteiligten, heißt es in dem Aufsatz. Zuvor in Illertissen geborgene Gegenstände stammten aus dem frühen Mittelalter und ist daher wesentlich jünger. Das Bad auf dem Grundstück neben der Vöhlinstraße gehörte wohl zu einem römischen Gutshof. Später fanden auf dem Areal auch Bestattungen statt. Die Entdeckung eröffnete für Illertissen „eine völlig neue Zeitschiene“, heißt es in dem Bericht. Genauere Untersuchungen der Fundstücke (dazu gehören zahlreiche Keramikgefäße) stehen noch aus, so Hopfenzitz und Reuter. Aber damit könnte es noch nicht getan sein.

    Auf einem Nachbargrundstück wurden 2017 so manches entdeckt.
    Auf einem Nachbargrundstück wurden 2017 so manches entdeckt.

    Die Anlage dürfte allem Anschein nach einst noch wesentlich größer gewesen sein, als die Teile, die auf dem 77 Quadratmeter großen Grundstück gefunden wurden. Vielleicht schlummern unter der nahen Vöhlinstraße weitere Relikte. „Die Chance dafür ist sehr groß“, sagt Tiefbauamtsleiter Hillemeyr. Deshalb soll das Areal genau betrachtet werden: Die sogenannte Voruntersuchung beginnt Mitte März, falls das Wetter mitspielt. Geöffnet würden zuerst die Seitenbereiche, also der Gehsteig. Dort vermuten die Experten am ehesten weitere Funde, weiß Hillemeyr. Denn das Grundstück mit dem Badekomplex grenzt unmittelbar an. Und es sei bekannt, dass Römer ihre Toten am Rande ihrer Güter bestatteten. Den Zuschlag für die Untersuchung hat die Firma erhalten, für die Archäologe Hopfenzitz arbeitet. Möglicherweise wird er die anstehende Ausgrabung übernehmen. „Das wäre von Vorteil, er kennt sich aus“, sagt Hillemeyr. Drei Wochen sind für die Erkundung vorgesehen. Und wenn dabei etwas gefunden wird? Das muss den bis November angesetzten Ausbau der Vöhlinstraße nicht unbedingt verzögern, sagt Hillemeyr. Befinden sich die Fundstellen an Orten, wo im Zuge der Straßenarbeiten nicht tief in den Boden gegraben werden muss, könnten sie dokumentiert und dann verfüllt werden. „Man muss nicht alles mit Gewalt ausgraben.“ Während der Untersuchung wird die Vöhlinstraße nicht komplett gesperrt, eine Ampel oder eine Einengung der Fahrbahn genügten, heißt es.

    Ausbau der Vöhlinstraße startet am 8. April

    Anders sieht das aus, wenn die eigentlichen Bauarbeiten am Montag, 8. April, starten. Los gehen soll es gleich nach dem Energiesparfestival „Synergie“ und dem Ökomarkt, die am Samstag, 6. April, gemeinsam stattfinden. Weil dazu zahlreiche Besucher erwartet werden, soll die Vöhlinstraße an dem Wochenende noch befahrbar sein. Danach ist die Hauptverkehrsachse dicht. Mindestens bis zum Herbst. Falls alles nach Plan läuft. „Die Zeit werden wir auch brauchen, das ist ein umfangreiches Projekt“, sagt Hillemeyr.

    Als Straßenbauexperte wäre er zwar froh darüber, wenn nichts gefunden wird. Allerdings seien weitere Entdeckungen aus der Römerzeit „wahnsinnig interessant“ für die Stadtgeschichte. Vielleicht bekomme man ja dann doch noch ein Römermuseum, sagt Hillemeyr und lacht. Zumindest, wenn ein ganzer Tempel zum Vorschein kommen sollte. Das sei zwar unwahrscheinlich – wissen könne man das aber nicht. „Das ist Rätselraten, wir müssen sehen, was kommt.“ Wird die Bienenstadt bald zur Römerstadt? Die Spannung steigt. Nicht nur im Bauamt.

    Die Vöhlinstraße beschäftigt Illertissen schon seit Längerem - mehr darüber lesen Sie hier:

    Vöhlinstraße: Die nächste Baustelle ist schon in Sicht

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden