Illertissen In der evangelischen Kindertagesstätte „Haus der bunten Worte“ in Illertissen wird Sprache seit jeher großgeschrieben. „Das gehört zu unserem Selbstverständnis“, betont die Leiterin Martina Riedl. Dies haben die kleinen und großen Bewohner des Hauses jetzt sogar schriftlich und in Form eines Zertifikats vom Bayerischen Staat ausgehändigt bekommen. Für die Tagesstätte war es ein Grund zum Feiern.
Eben weil ihr die Sprachförderung ein besonderes Anliegen ist, hat die Tagesstätte seit August 2009 an dem staatlich geförderten Projekt „Sprachberatung in Kindertagesstätten“ teilgenommen. Dabei handelt es sich um ein Programm für Erzieherinnen, Eltern und Kinder, das die Sprachförderung der Jüngsten, den Erwerb von Literacy-Kompetenzen sowie eine umfassende interkulturelle Bildung beinhaltet. Im Rahmen einer interkulturellen Lesewoche als Höhepunkt und Abschluss des Projekts genossen die Teilnehmer nochmals die Vielseitigkeit von Sprache in geballter Form. Die Angebote reichten vom Familiengottesdienst über internationale Buchausstellung, Bilderbuch-Kino, Sprachmaterial zum Üben, Märchenstunde, Fachvorträge, religiöse Geschichten bis zu Mal-Workshop und kreativem Spracherleben.
Begleitet wurde das Projekt insbesondere von der Erzieherin und Sprachberaterin Birgit Rocchi, die anlässlich der Übergabe des Zertifikats auf anderthalb Jahre gemeinsame Arbeit mit Erzieherinnen und Kindern zurückblickte. Ihr Credo, die Kinder im deutschen Sprachgebrauch fit zu machen und gleichzeitig mit ihrer jeweiligen Muttersprache herzlich willkommen zu heißen. Eine Chorgruppe setzte dieses Erziehungsziel vorbildlich in Szene, indem sie das Publikum in verschiedenen Fremdsprachen begrüßte und dazu die jeweilige Fahne hob.
„Unsere Kindertagesstätte will ein Ort sein, wo fremde Kulturen als Bereicherung empfunden werden“, betonte Leiterin Riedl und plauderte aus dem Alltag der Sprachförderung: Sprache lasse sich erlernen mit Fingerspielen, durch Bewegung, Rhythmus, Theater oder Buchstabenspielen, wofür Anfangsbuchstaben beliebter Tiere eingesetzt würden. 13 Lesepaten und drei Ersatzleute aus den Reihen der Eltern kämen eigens zum Vorlesen, auch in den Muttersprachen Türkisch, Französisch, Englisch. Riedl weiß, dass Kinder lernen, was sie interessiert, aber auch um die Kunst, etwas beizubringen, ohne den Kinderalltag zu verschulen.
Unter den Gästen auch Bürgermeisterin Marita Kaiser, die Sprache als den Schlüssel zur Chancengleichheit bezeichnete, wogegen der Hausherr, Pfarrer Hans-Joachim Scharrer, daran erinnerte, wie sehr Sprache die Quelle aller Missverständnisse sein kann.