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21.08.2010

Leben mit einem Oldtimer

Leben mit einem Oldtimer
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Der Ackerschlepper, ein Deutz 2505 ist völlig unrestauriert. Dieter Pistel arbeitet mit dem Traktor oft am Kartoffelacker, den man im Hintergrund sieht.

Das Sammeln von landwirtschaftlichen Geräten, die wie die alten Autos, liebevoll Oldtimer genannt werden, ist schon lange ein weit verbreitetes Hobby. Der umgangssprachliche Name Bulldog (übersetzt: kräftiger Hund), kommt von der gleichnamigen Hunderasse, weil die Schnauze der Traktoren mit seiner Breite an die der Hunde erinnert. Diesen Bulldoggen werde in ganz Deutschland immer wieder Messen und Treffen gewidmet, Leute mit dem Hobby schließen sich Vereinen an, um auch mit anderen ihre Leidenschaft teilen zu können.

Im südwestlichen Teil von Kirchberg an der Iller geht es etwa 250 Meter über eine im Hang gelegene Wiese zu einer kleinen Holzschranne. Dieter Pistel hat die Hütte vor ein paar Jahren gepachtet, um hier seinen Ackerschlepper, einen Deutz 2505 und seinen Mercedes Unimog 411, unterzustellen. Der technische Angestellte hat sich schon immer für Landwirtschaft und Oldtimer interessiert. Ein echter Sammler, sagt der 43-Jährige selber, ist er aber nicht. Den Ackerschlepper hat er mehr aus Nutzen, als aus Sammlerinteresse gekauft.

Die Idee kam ihm 1999, als er im Wald Holz holen wollte und ihm das ständige Hin- und Herlaufen über dem verwurzelten Waldboden mit dem Schubkarren zu viel wurde. Da war ihm klar: Ein Bulldog muss her! Als er 2002 den grünen Deutz fand, der seine Erstzulassung 1966 hatte, konnte er so sein Interesse mit dem Nützlichen verbinden. Der Ackerschlepper erschien perfekt für seine Zwecke. Pistel hatte zuvor einen Acker nahe seinem Haus gekauft und wollte nun Kartoffeln und Gemüse anbauen.

Der 43-Jährige hat seinen Deutz nie restauriert, er ist noch im selben Zustand, wie er ihn gekauft hat, er läuft einwandfrei, nur das Vorglühen dauert ein bis zwei Minuten. Ist das erst mal passiert, fährt er oft in den Wald und holt Holz oder er kümmert sich um seinen Kartoffelacker und das Gemüsebeet. Zurzeit hilft der Deutz beim Bau eines neuen Gartenhäuschens. Das zweite Gefährt in seinem Schuppen ist ein universales Motorgerät, besser als Unimog bekannt. Den dunkelblauen Unimog 411, der 1963 gebaut wurde, hat er 2004 gekauft.

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"Auch wenn sie vorwiegend dem Nutzen dienen, ist es doch schön, so alte Geräte zu haben. Verkaufen werde ich sie auf keinen Fall", so Pistel. Auch seine Frau Iris, 44 Jahre, sieht den Besitz positiv: "Es ist nützlich, aber vor allem gefällt es den Kindern. Es ist immer etwas Besonderes, wenn sie mitfahren dürfen." Zusammen war die Familie auch schon zweimal in Kirchhaslach auf dem Treffen der Bulldog- und Oldtimerfreunde Unterallgäu.

Der Gründer dieses Vereines, Adolf Miller, macht seinem Titel alle Ehre. Der 67-Jährige zählt stolz 30 Oldtimer in seinen Besitz, die auch seine ganze Freizeit in Anspruch nehmen. Alles, was seit 20 Jahren nicht mehr gebaut wird, sieht er als Oldtimer an. Wie seine Leidenschaft für die alten Traktoren entstand, weiß er noch ganz genau: "Bei meiner Ausbildung zum Landmaschinenschlosser wurden solche Maschinen immer verschrottet, da fing alles an." 1987 war er dann auf einer Messe beim Bodensee und "verliebte" sich in einen schwarzen Lanz D8506. "Er hat das gleiche Baujahr wie ich, 1943", erzählt er lachend. Sein zweitliebstes Gerät ist ebenfalls ein Lanz, Typ D3506, 58 Jahre alt und in einem strahlenden Blau lackiert. An ihm hängt gerade ein neuer Wohnwagen aus Holz.

Zwei Betten und Stauraum für eine Biertischgarnitur findet sich im Innenraum. Millers Sohn Thomas, 40 Jahre, hat den Anhänger extra für die Fahrten zu den oft weit weg gelegenen Treffen selber gebaut. Auch er ist im Verein des Vaters und besitzt selbst zwei Oldtimer. Eigentlich ist die ganze Familie Miller verrückt nach den Traktoren. Besonders erwischt hat es aber den elfjährigen Timo. Der Bube bekam von seinem Großvater Adolf einen eigenen Bulldog, einen schwarzen Lanz D1706. Bis er damit fahren darf, muss er aber noch warten, bis er 16 Jahre alt ist. Eines weiß Adolf Miller mit Sicherheit, alle seine 30 Traktoren sind unverkäuflich. Für seinen schwarzen Lanz bekam er einmal 25 000 Mark geboten, er hat natürlich abgelehnt. Speziell seine sechs Lanz-Geräte sind sein ganzer Stolz. Des Weiteren hat er zwei Allgäuer, darunter einen A22. Den hat er 1985 gekauft, es war sein erster Oldie. Sein ältester Wagen ist ein Schlüter aus dem Jahr 1937. Das Gefährt stammt aus der ersten Serie der Marke und hat noch ein Holzlenkrad, eine Schwungscheibe und ein Kennzeichen aus dem alten Landkreis Illertissen. Noch ein zweiter Traktor, ein Deutz F1L514, trägt seit seiner Erstzulassung 1957, die immer noch aktuell ist, ein Illertisser Kennzeichen. "Seit 1957 gab es keine Neuzulassung", erzählt Miller stolz. Nur ein einziger Deutz-Bulldog wird ab und zu mal für die Arbeit benutzt, wenn er mal in den Wald geht. Millers beide Lieblinge, der schwarze und der blaue Lanz, sind noch Vorkriegsmodelle. Ursprünglich ersetzte das Lenkrad den Anlasser, damit konnte der Motor gestartet werden. Mittlerweile ist das allerdings nicht mehr zulässig. So hat Adolf Miller beide umgebaut. Sie haben jetzt Glühkopfmotoren, es gibt keine Zündung. Das ist auch heute noch etwas Besonderes. Alle seine Bulldoggen hat Miller selber auf Vordermann gebracht.

Er kauft seine Traktoren immer unrestauriert: "Manche waren fast Schrott." Fängt er erst mal an zu lackieren, einen Motor oder ein Getriebe zu zerlegen, kann das 100 bis 500 Stunden in Anspruch nehmen. Womit er dann seine Abende und Wochenende verbringt, ist klar. "Meine Frau freut sich dann immer, wenn ich fertig bin", meint er schmunzelnd. Er selbst bezeichnet sein Hobby als sehr kostspielig und zeitaufwendig. Doch wenn er das Geräusch eines laufenden Motors hört, weiß er, dass der Aufwand sich gelohnt hat.

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