Illertissen Mit einer selbstbewussten Planung will die evangelische Kirchengemeinde den protestantischen Gläubigen für die nächsten Jahrzehnte eine angemessene Heimat geben. Pfarrer Hans-Joachim Scharrer präsentierte gestern das Ergebnis des Architektenwettbewerbs. Den ersten Preis bekam dabei ein Entwurf, der einerseits das vorhandene Areal an der Ulmer und der Adolf-Kempter-Straße optimal nutzt und als kompaktes Ensemble präsentiert, der aber gleichzeitig Offenheit demonstriert. Um es mit den Worten von Pastor Scharrer zu sagen: „Wir wollen für Generationen ein stimmiges Zentrum bauen. Es soll ein einladender Ort sein.“
Und er soll eben auch als Einheit wahrgenommen werden. Deshalb sind der Glockenturm in unmittelbarer Nachbarschaft zum Sparkassenbau sowie das neue Kirchengebäude – das ehemalige Pfarrhaus – und das künftige neue Heim der Pfarrfamilie an der Ecke zur Adolf-Kempter-Straße mit einem steinernen Band verbunden.
Mit dem Parkplatz-Eindruck soll Schluss sein
Das hat den Jury-Mitgliedern am besten gefallen. Zudem soll der bisherige Eindruck, die Umgebung des Jochen-Klepper-Hauses sei eigentlich nur eine bessere Parkfläche, der Vergangenheit angehören. Der entstehende Platz wird ein Stück angehoben und von der Straße abgesetzt, sodass er zu einem offenen, aber klar abgegrenzten Raum wird für Feste, Basare oder einen Weihnachtsmarkt.
Scharrer versicherte gestern, dass es aber dennoch ausreichend Parkplätze geben werde, etwa an der Adolf-Kempter-Straße und hin zur Sparkasse. Wegen der genauen Zahl müsse noch mit dem Geldinstitut verhandelt werden.
Sechs Architekturbüros hatten Entwürfe abgegeben, wobei das von Prof. Andreas Mack aus München den meisten Zuspruch fand. Er hat bereits Erfahrungen im Kirchenbau. Während das alte Pfarrgebäude aus dem Jahr 1836 im Inneren entkernt und zum Gotteshaus umgebaut wird, soll das neue Pfarrbüro an den Kirchturm rücken, der auf der südlichen Ecke des Grundstücks 21 Meter in die Höhe ragt. Die Glocken hängen auf der gleichen Höhe wie die von St. Martin und sind in der Tonhöhe darauf abgestimmt. An der nördlichen Ecke des Areals steht das Pfarrhaus, das zur Kreuzung hin abgerundet sein wird. Dort wohnt künftig die Pfarrfamilie, die ebenso einen Anteil am Pfarrgarten bekommen wird wie der Kindergarten. Da die Stadt die Einmündung von der Adolf-Kempter-Straße in die Ulmer Straße erweitern möchte, ist an dieser Stelle noch nicht das letzte Wort gesprochen, denn die Kirchengemeinde soll dafür einen Teil ihres Grundstücks abtreten.
Dass es im Lauf der weiteren Planung zu größeren Debatten kommen könnte, damit rechnet Scharrer nicht, denn im Vorfeld des Wettbewerbs „wurde mit allen Ebenen gut kommuniziert“. So gehörten der Jury unter anderem Städteplaner Prof. Martin Schirmer, Kreisbaudirektor Rudolf Hartberger und Bürgermeisterin Marita Kaiser an.
Auch die Finanzierung des Vorhabens scheint keine größeren Probleme aufzuwerfen, obwohl es alles in allem rund 1,5 Millionen Euro kosten wird. Den Löwenanteil davon trägt die Landskirche, was den Pfarrer ganz besonders freut, denn die Illertisser Gemeinde hat keinerlei Reserven mehr. Ein Förderverein sammelt bereits Geld ein und hat von den angepeilten 100000 Euro schon ein Drittel beieinander. Ferner hofft der Pfarrer, dass die Stadt Illertissen ebenfalls ihr Scherflein in Höhe von zehn Prozent beiträgt. Einen gewissen Erlös sollte auch noch der Verkauf der alten Christuskirche bringen, deren Gebäudesubstanz allerdings eher schlecht ist und deshalb wohl nur das Grundstück genutzt werden kann.
Voraussichtlich im Herbst 2014 werden die Gläubigen zum ersten Mal Gottesdienst in der neuen Christuskirche feiern können.