Kellmünz/Illertissen-Au Seit 1996 lässt der Energieversorger Lechwerke (LEW) seine 110-Kilovolt-Leitung durch das Illertal von Vöhringen bis Memmingen erneuern und wird am Ende dafür insgesamt über zehn Millionen Euro investiert haben.
Mitte Juli wird wohl alles fertig sein. Alles, bis auf eine kleine Lücke: Au. Dort soll die Stromleitung aus den 1920er Jahren endlich aus dem Dorf heraus verlegt werden, fordert die Mehrheit in der Dorfgemeinschaft. „Aber nicht an den Rand unser Gärten“, wehrt sich eine kleine Gruppe im Westen des Dorfes. Dort, am Rand des Auwaldes, wollten die LEW die neue Stromtrasse errichten. Die Regierung von Schwaben hat das auch genehmigt, aber die Gruppe der Westtrassen-Gegner wehrt sich beharrlich – inzwischen vor dem Verwaltungsgerichtshof in München. Die Geschichte ist hinlänglich bekannt. Das Verfahren ist derzeit unterbrochen. Die Regierung von Schwaben musste den Richtern ein ergänzendes Gutachten zu den möglichen Auswirkungen auf die Natur vorlegen. Die werden aktuell von den Verfahrensbeteiligten ausgewertet, ein Richterspruch ist vor Anfang Juni nicht zu erwarten.
So richtet sich aktuell der Blick auf die Stromleitung rund 15 Kilometer flussaufwärts. Bis Mitte Juli lässt die LEW dort das vorletzte Stück 110-KV-Leitung ertüchtigen. In dieser Woche werden die neuen Strommasten in Kellmünz gesetzt und die einzelnen Leitungen danach mit Autokränen umgehängt. Auf einer Länge von knapp fünf Kilometern zwischen Kellmünz und dem Wasserkraftwerk in Untereichen ersetzen 17 neue die 29 alten Strommasten. Das berichtet LEW-Sprecher Ingo Butters auf Anfrage.
Weniger, aber dafür höher seien die Masten. Die alten Stahlträger-Konstruktionen ragten weniger als 30 Meter in den Himmel, die neuen messen je nach Geländebeschaffenheit zwischen 32 und 38 Meter. Der deutliche Unterschied lässt sich derzeit sehr gut auf einer der Halbinseln in den Filzinger Badeseen vergleichen, wo zwei Masten direkt nebeneinanderstehen.
Seile und Netze schützen die Autofahrer
Die von den LEW beauftragte Leitungsbaufirma Alpine kann weniger Masten verwenden als ihre Vorgänger vor bald 100 Jahren, weil die Leitungsstrecke zum Teil begradigt wurde. Dafür mussten auch ein paar Bäume fallen, wie Butters sagt. Bemerkbar machen sich die Bauarbeiten auch für die Nutzer der Autobahn. Zwischen den Filzinger Seen und dem Auslassbauwerk der Unteren Iller AG, im Volksmund Filzinger Wehr genannt, errichtet ein Subunternehmer beidseitig der A7 Stahlgerüste. Mit ihrer Hilfe werden Seile und Netze über die Fahrbahnen gespannt, die im Falle des Falles verhindern, dass Stromleitungen beim Umhängen von den alten auf die neuen Masten auf die Kraftfahrer herunterfallen können. Butters: „So weit ich weiß, ist noch nie was passiert, aber wir müssen auf Nummer sicher gehen.“
Nördlich der Autobahn lässt sich der Einschlag in Baum- und Buschwerk klar erkennen. Laut Sprecher Butters sind die LEW aber verpflichtet, Ausgleich im Naturhaushalt zu schaffen. Dies soll mittels Magerwiesen geschehen, die auf der alten Trasse unter gutachterlicher Aufsicht angelegt werden müssen. Im aktuellen Streckenabschnitt gehört das Land unter der alten Stromtrasse in weiten Teilen der Unteren Iller AG, die inzwischen auch eine LEW-Tochter ist.