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Egg an der Günz

20.08.2020

Vom Schandfleck zum Schmuckkästchen: Zehentstadel Engishausen ist eröffnet

Der im 18. Jahrhundert errichtete Zehentstadel Engishausen ist saniert. Rund vier Jahre nahmen die aufwendigen Arbeiten in Anspruch. Auch ein Anbau für die Infrastruktur wurde errichtet, um das historische Gebäude voll nutzen zu können.
Bild: Sabrina Karrer

Plus Vier Jahre ist der Zehentstadel in Engishausen aufwendig saniert worden. Nun präsentiert der Investor das Ergebnis. Ein manchmal steiniger Weg liegt hinter ihm.

Am Anfang und am Ende war da dieser große Schlüssel für das Tor. Xaver Fackler hat ihn selbst geschweißt. Im Frühjahr 2016 gab er ihn Architektin Birgit Dreier, damit sie in den Zehentstadel kann, wann immer sie möchte. Ziemlich baufällig war das Gebäude in Engishausen damals, sogar einsturzgefährdet. Nun bekommt Fackler den Schlüssel zurück. Auf einem roten Kissen, mit Schleife. Denn heute ist der Zehentstadel saniert, der frühere Schandfleck hat sich in ein „Schmuckkästchen“ verwandelt, wie die Gäste bei der feierlichen Eröffnung mehrmals anmerken.

In der Tat ist der Zehentstadel gleich neben der Kirche nicht wieder zu erkennen. Kein Foliendach mehr, keine angefaulten Balken, keine Notsicherung an abgewetzten Wänden. Stattdessen zieren etliche Gauben das rote Dach, ein verglaster Torbogen öffnet den Blick ins Gebäudeinnere, wo ein rund 260 Quadratmeter großer Veranstaltungssaal zum Feiern und Tagen einlädt. Ein moderner, dunkler Anbau schmiegt sich an das historische Gebäude; darin Technik, Treppenhaus, Toiletten.

Vier Jahre lang ist der historische Zehentstadel im Egger Ortsteil Engishausen aufwendig saniert worden. Nun sind die  Arbeiten an dem einst einsturzgefährdeten Gebäude beendet.
20 Bilder
Sanierung in Bildern: So hat sich der Zehentstadel in Engishausen gewandelt
Bild: dreierarchitektur Krumbach

Wie immens aufwendig es war, dieses heutige Erscheinungsbild zu erschaffen, macht am Eröffnungsabend ein Vortrag deutlich. Architektin, Bauforscher und Zimmermann berichten von den einzelnen Arbeitsschritten. Etwa davon, wie ein Kran den gesamten Dachstuhl vom Gebäude hob, bis nur die vier Außenwände stehen blieben. Die brüchigen Balken wurden in eine Erkheimer Zimmerei transportiert, dort Meter für Meter saniert. Im Werk wurde der Dachstuhl einmal komplett aufgerichtet – gerade so passte er in die Halle –, um ihn danach wieder abzubauen und zurück nach Engishausen zu bringen.

Aber das ist nur eine von vielen Anekdoten, die die Beteiligten zu erzählen haben. Und die den Bauherrn und Investor Xaver Fackler bisweilen Nerven gekostet haben dürften. Ebenso wie das Thema Brandschutz und – auch wenn es an diesem Abend nur angedeutet wird – die Streitigkeiten, die vor Gericht ausgetragen wurden (wir berichteten). Nicht jeder fand es gut, was da im Ortskern, ein paar Schritte von der Kirche entfernt, entsteht. Lesen Sie dazu auch: Warum der Zehentstadel in Engishausen weiter polarisiert.

Xaver Fackler (links) mit dem ehemaligen Landrat Hans-Joachim Weirather.
Bild: Sabrina Karrer

Nicht so Hans-Joachim Weirather, bis zum Frühjahr 2020 Unterallgäuer Landrat und Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde. Er setzte sich während seiner Amtszeit für den Erhalt des historischen Gebäudes ein. In seinen Grußworten sagt er, er hätte es geradezu als ein Verbrechen angesehen, das Objekt dem Verfall oder der Abrissbirne preiszugeben. An Fackler gerichtet sagt Weirather: „Ich bin überzeugt davon, Sie haben Ihrer Heimatgemeinde einen großen Dienst erwiesen.“ Denn dass ein Bürger so viel Geld in die Hand und obendrein einen „steinigen Weg“ in Kauf nimmt, sei keine Selbstverständlichkeit. „Er hot halt’n G’walt“, sagt Weirather auf gut Allgäuerisch. Und weiter: „Mein Herz geht auf, wenn ich das hier jetzt sehe.“

Xaver Fackler sagt über den Zehentstadel: "Jetzt hält er wieder 300 Jahre"

Auch Josef Miller, ehemals Staatsminister und Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Landesstiftung, gehört an diesem Abend zu den Rednern. Der sanierte Zehentstadel sei in die Zukunft gerichtet und werte den Ort auf. „Sie haben Großartiges geleistet“, lobt Miller.

Der Saal im Zehentstadel bietet Platz für bis zu 200 Personen.
Bild: Sabrina Karrer

Bürgermeister Wolfgang Walter überreicht im Namen der Gesamtgemeinde Egg an der Günz ein Wappen und kündigt die Stiftung einer Bank „zum Hoigarta unterm Lindenbaum“ an – damit im Ort wieder mehr mit- als übereinander gesprochen werde. „Ich ziehe meinen Hut“, würdigt Walter.

Unternehmer Xaver Fackler führt die geladenen Gäste durch die Räume, welche sich über insgesamt vier Geschosse erstrecken, erklärt diesen und jenen Kniff – und ist sichtlich stolz auf das, was aus dem Zehentstadel geworden ist. „Wenn wir nichts gemacht hätten, wäre er eingestürzt – jetzt hält er wieder 300 Jahre“, sagt er. Er freue sich, dass neues Leben in Engishausen einkehre. Die erste Veranstaltung im Gebäude findet schon in der kommenden Woche statt. Ob der Hausherr das Tor dann mit dem großen, selbst geschweißten Schlüssel aufsperrt?

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