Igelhilfe Weißenhorn droht das Aus: Verein braucht neue Räumlichkeiten
Weißenhorn/Vöhringen
Igelhilfe in Weißenhorn droht das Aus: Verein braucht dringend neue Räumlichkeiten
Igeln geht es immer schlechter, was den Igelhilfeverein vor Herausforderungen stellt. Ohne eigenes Gebäude können die Helfenden nicht mehr lange weitermachen.
Max ist einer von tausenden Igeln, die der Igelhilfeverein pflegt. Er wurde vom Mähroboter aufgeschlitzt. Aktuell sucht der Verein nach einem neuen Gebäude.Foto: Dominik Thoma
Könnten Igel sprechen, hätten die stacheligen Patientinnen und Patienten von Berit Knorr einige grausame Erlebnisse zu erzählen. „Max hatte es am schlimmsten von allen“, sagt Knorr. Der kleine Igel wurde schwer verletzt bei ihr abgegeben. „Der ganze Bauch war aufgeschnitten“, beschreibt sie. Der Täter war ein Mähroboter. Knorr brachte ihn zum Tierarzt und pflegt ihn seither. Inzwischen ist Max wieder auf dem Weg der Besserung. Die Wunden verheilen, doch ohne Hilfe wäre er gestorben.
Die Anzahl der hilfsbedürftigen Igel sei riesig, sagt Knorr. Allein im Landkreis Neu-Ulm würde der Verein jährlich über tausend verletzte und kranke Igel aufnehmen. So viele, dass die Ehrenamtlichen des Igelhilfevereins nicht mehr die Kapazitäten haben, um alle zu behandeln und zu betreuen. Ein eigenes Gebäude muss dringend her, aber das ist schwer zu finden. Und ebenso benötigt der Verein neue Helferinnen und Helfer, beschreibt Knorr.
Viele ausgewachsene Igel und Igelbabys können ohne Hilfe nicht überleben
Igel stehen unter Artenschutz und auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. Die Lebensräume der Tiere schwinden, die Nahrung wird knapper, die Gefahren größer. Oft hätten sie Fußverletzungen, Hautkrankheiten und Innenparasiten. Nicht nur die ausgewachsenen Tiere haben Probleme. Gegen Ende des Sommers würden die Ehrenamtlichen viele Babys betreuen, beschreibt Knorr.
Die Kleinen „bleiben dreieinhalb Wochen im Igelnest“. Komme die Mutter von der Nahrungssuche jedoch nicht zurück, weil sie zum Beispiel überfahren wurde, ziehen die Babys früher in die Wildnis. Dabei können sie „ohne ihre Mama nicht überleben“, sagt Knorr.
Ignatz war mit Milben befallen, als er bei Berit Knorr abgegeben wurde.Foto: Dominik Thoma
Die Helferinnen würden Igel, ob groß oder klein, aufpäppeln und wieder freilassen, sobald sie fit sind und das Wetter passend ist. Gerade wenn es in Richtung Winter geht, kann es Monate dauern, bis die Gelegenheit komme, die Igel freizulassen. Deshalb müssten die Helferinnen die Igel von Oktober bis Mai bei sich überwintern lassen. Bis zu 20 Igel würden bei Knorr zu Hause in Vöhringen in eigenen Boxen Winterschlaf halten, sagt sie.
Der Igelhilfeverien stößt im Landkreis Neu-Ulm aktuell an seine Grenzen
Das Problem des Igelhilfevereins ist jedoch: Bisher findet die Pflege nur im jeweiligen Zuhause der Vereinsmitglieder statt. Ein offizielles Gebäude gibt es nicht. Der Platz in den rund zehn privaten Aufnahmestationen sei begrenzt. Da die Zahl der hilfsbedürftigen Igel immer weiter steige, reiche das nicht mehr aus, erklärt Knorr. „Die Igelstation ist privat nicht mehr zu händeln.“ Das habe in der Vergangenheit bereits zu Aufnahmestopps geführt. Und das sei schlimm, wenn man Igel abweisen muss, sagt sie.
Die Belastung für die Ehrenamtlichen sei hoch. „Das Projekt braucht Unterstützung, sonst hören wir auf“, sagt Knorr. Natürlich liebe sie die Arbeit der Igelhilfe, doch der Aufwand „geht weit über ehrenamtliches Engagement hinaus“, beschreibt sie. „Es ist im Prinzip Vollzeitarbeit.“ Gerade Doris Kast, die Vorsitzende des Igelhilfevereins „arbeitet Tag und Nacht“.
Sollte kein Gebäude gefunden werden, sieht die Zukunft des Vereins schlecht aus
Inzwischen habe sich der Verein viel aufgebaut, doch „irgendwann ist ein Punkt erreicht“, sagt Knorr. Wenn sich innerhalb eines Jahres nichts ergebe, sehe die Zukunft des Vereins schlecht aus. Das würde bedeuten, dass viele Igel sterben oder mangels Pflegemöglichkeiten von Tierärztinnen und -ärzten eingeschläfert werden müssten.
Der Igeldame Elly sind durch ihre Krankheit viele der Stacheln ausgefallen.Foto: Dominik Thoma
Wer einen verletzten Igel findet und die Notfallnummer des Igelhilfevereins wählt, landet bei Knorr. „Es gibt keinen Tag, an dem kein Anruf kommt. Das geht das ganze Jahr durch“, sagt sie. Im Winter gebe es weniger Verletzungen, jedoch mehr abgemagerte und verhungernde Igel.
Aktuell suche der Verein intensiv nach einem passenden Gebäude. Etwa 300 Quadratmeter groß soll es sein. Bereits mehrere seien besichtigt worden, das Richtige war jedoch noch nicht dabei. Es sollte freistehend sein, im Idealfall ein Industrie- oder Bürogebäude mit beheizbaren Hallen, erklärt Knorr. Auch ein Bauernhof wäre möglich.
Der Igelhilfeverien bekommt bisher keine finanzielle Unterstützung von Kommunen
„Wir wollen im Gebäude in erster Linie eine Igelpflege und -versorgung einrichten“, sagt Knorr. Auch sei es das Ziel, dort Schulungen abhalten zu können. Einerseits für Kindergärten und Schulen, andererseits für neue Helfende und als Weiterbildung. Auch die Sprechstunde, die bisher im Weißenhorner Tierheim abgehalten wird, soll dorthin verlegt werden, um flexibler zu sein. Zur Igelsprechstunde können Menschen kommen, die Igel selbst betreuen wollen. Dort erhalten sie Tipps, Unterstützung bei der Pflege und, falls notwendig, Medikamente.
Finanziert wird der Verein ausschließlich durch Spenden. Die Ausgaben sind hoch. Gebe es viele verletzte oder kranke Igel, die zum Tierarzt müssen, könne ein Besuch pro Woche zwei bis dreitausend Euro kosten. Auch wenn sie ein „tierheimähnlicher Verein“ seien, bekommen sie bisher keine finanzielle Unterstützung von Kommunen. Der Verein hoffe, dass sich das noch ändert, sagt Knorr.
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