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Liederkranz Weißenhorn feiert 190-jähriges Bestehen mit mehreren Veranstaltungen

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Liederkranz Weißenhorn feiert 190-jähriges Bestehen mit mehreren Veranstaltungen

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    Paul Silberbaur (links) und Walter Schauz mit der Vereinsfahne des Weißenhorner Liederkranzes aus dem Jahre 1870.
    Paul Silberbaur (links) und Walter Schauz mit der Vereinsfahne des Weißenhorner Liederkranzes aus dem Jahre 1870. Foto: Ralph Manhalter

    Wenn der Jubilar schon etwas betagter ist, ist jeder Geburtstag ein Grund zu feiern. Erst recht, wenn es sich um ein – zumindest halbrundes – Ereignis handelt. So blickt der Liederkranz Weißenhorn nun zurück auf 190 Jahre Sangesfreude, Geselligkeit und bis vor kurzem noch einem Hort exklusiver Männlichkeit.

    Feierlich halten der Vorsitzende Paul Silberbaur und Walter Schauz die ehrwürdige Vereinsfahne zwischen ihren Armen. Gestaltet und bestickt im Jahr 1870, wird das geschichtsträchtige Stück Stoff seit Kurzem anlässlich des Weißenhorner Leonhardirittes der Öffentlichkeit vorgeführt. Das Publikum erhascht dadurch einen Blick auf die Historie des – nach den Schützen – zweitältesten Vereins der Fuggerstadt. Gegründet im Jahr 1836, in einer Epoche zwischen Biedermeier und Vormärz, war der Liederkranz ein Ort bürgerlicher Selbstvergewisserung, sozusagen ein akustisches Wappen der Stadt, gehalten und getragen von Tenören und Bässen statt Schild und Helm.

    Die Weißenhorner Sängervereinigung gilt als drittälteste in Bayerisch-Schwaben

    Darüber hinaus gilt die Vereinigung der Weißenhorner Sänger nach jener von Nördlingen und Ottobeuren als die drittälteste im bayerischen Schwaben. Was als Zusammenschluss sangesfreudiger Bürger begann, war natürlich mehr als bloß ein Freizeitvergnügen. Männergesangvereine erfüllten im 19. Jahrhundert eine wichtige soziale Funktion: Sie stifteten Gemeinschaft, boten Raum für Austausch und verliehen dem bürgerlichen Selbstbewusstsein eine sonore Stimme. Auch in Weißenhorn war der Liederkranz viele Jahrzehnte lang fester Bestandteil des öffentlichen Lebens. Ob bei kirchlichen Festen, weltlichen Jubiläen oder geselligen Abenden im Wirtshaus: Der Chor war präsent, wenn es galt, feierliche Anlässe klangvoll zu begleiten oder der Geselligkeit einen musikalischen Rahmen zu geben. Nicht selten dürfte dabei nach der Probe mehr Zeit mit Diskussionen und einem Glas Bier als mit dem letzten Feinschliff am Chorsatz verbracht worden sein – was dem Zusammenhalt allerdings kaum geschadet haben dürfte.

    Auftritt des Männergesangvereins Liederkranz Weißenhorn bei einer Chornacht in der Fuggerhalle.
    Auftritt des Männergesangvereins Liederkranz Weißenhorn bei einer Chornacht in der Fuggerhalle. Foto: Margit Kühner (Archivbild)

    Der Verein überstand politische Umbrüche, wirtschaftlich schwierige Zeiten und tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen. Kaiserreich, Weimarer Republik, NS-Zeit, Neubeginn nach 1945 und die Jahrzehnte der Bundesrepublik – all diese Epochen hinterließen auch im Vereinsleben ihre Spuren. Doch während sich draußen die Welt wandelte, hielt man drinnen am gemeinsamen Singen fest. Als wirklicher Einschnitt in der Geschichte des Liederkranzes können hingegen im Rückblick die Jahre der Corona-Pandemie angesehen werden. Diese stille Phase wurde genutzt, um den Verein neu zu formatieren, ja fit für die Zukunft zu gestalten.

    Der Chor hat sich für Frauenstimmen geöffnet

    Wenngleich es, so ist unter der Hand zu vernehmen, einige maskuline Diskussionen gab, so zählt die Öffnung des Chores für Frauenstimmen doch zu den sichtbarsten Veränderungen der letzten Jahre. Aus dem klassischen Männergesangverein wurde ein unter dem Dach des Liederkranzes aus der Taufe gehobenes gemischtes Ensemble. Fortan bildeten sich mit dem Familienchor unter der Leitung von Kathrin Sälzle sowie den Drehorgelpfeifern zwei weitere Formationen, die nun oftmals in trauter Eintracht mit den Sängern des Männerchors – im Übrigen seit 2011 geleitet von Mary Sukale – ihr Repertoire präsentieren.

    Wer darin einen Traditionsbruch sehen wollte, dürfte sich inzwischen eines Besseren belehrt fühlen: Der Liederkranz hat damit weniger seine Identität aufgegeben als vielmehr seine Zukunft gesichert. Somit ist die 190-Jahr-Feier nicht nur Anlass zum Rückblick, sondern auch zur nüchternen Feststellung, dass kulturelle Kontinuität Arbeit erfordert und eine gewisse Bereitschaft zur Anpassung. Der Liederkranz Weißenhorn steht dafür in exemplarischer Weise. Er ist kein museales Relikt, sondern ein lebendiger Verein, der seit fast zwei Jahrhunderten Teil des kulturellen Grundrauschens der Stadt ist.

    Das Festprogramm für 2026 beinhaltet neben den schon traditionellen Auftritten zur Kulturnacht (13. Mai) zunächst einen Gedächtnisgottesdienst für die verstorbenen Mitglieder. Dieser findet am Sonntag, 22. Februar, 10 Uhr, in der Stadtpfarrkirche statt. Männerchor und Drehorgelspieler Helmut Seitz wirken mit. Zudem ist eine gesungene Stadtführung (27. September) und als Höhepunkt ein großes Festkonzert (21. November) geplant. Im Juli ist darüber hinaus ein offenes Singen für Jedermann im Garten des ehemaligen Gasthofs Lamm vorgesehen. Und auch das Sängerblättle soll nach einigen Jahren der Vakanz wieder erscheinen. Silberbaur ist hier ganz zuversichtlich: Die Ideen hierfür würden nochmals gut 100 Jahre reichen.

    Versammlung: Die nächste Mitgliederversammlung findet am Mittwoch, 11. März, um 20 Uhr im Vereinshaus Lamm, Hauptplatz 7, statt. Auch Nichtmitglieder, die Interesse am Wirken des Liederkranzes haben, sind eingeladen.

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