Mario Kassner braucht einen Kugelschreiber. Seine Hand tastet sich suchend über die Theke seines Geschäftes und wird fündig. Der Mann leitet das Spiel-Center in der Vöhringer Bahnhofstraße. Der Bildschirm seines Computers weist die größten Buchstaben und Zahlen auf, die der PC möglich macht. Denn wenn Kassner seine Augen mit einer Spezialbrille ganz dicht an den Bildschirm heranführt, kann er Buchstaben und Zahlen noch mit Mühe erkennen.
Bereits im Kindergarten machte sich bei ihm die Augenkrankheit bemerkbar. „Wenn ich etwas ausmalen wollte, geriet ich immer außerhalb des Bereichs der Schablonen, ich blieb nie in den vorgegebenen Linien. Außerdem plagten mich schon damals heftige Kopfschmerzen“, erzählt er. Einer Erzieherin sei das aufgefallen. „Sie riet meiner Mutter, einen Augenarzt aufzusuchen.“ Die Diagnose war niederschmetternd: Der Bub leidet an einer Sehnerv-Atrophie, auch Optikusatrophie genannt, ein nicht zu heilendes Absterben von Nervenfasern des Sehnervs, was zu dauerhaften Gesichtsfeldausfällen führt. Schon seit seinem sechsten Lebensjahr weiß er, dass er erblinden wird.
Vöhringen
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