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Restaurator Lorenz Amann tritt in Weißenhorn in die Fußstapfen seines bekannten Vaters

Weißenhorn-Grafertshofen

Restaurator Lorenz Amann tritt in die Fußstapfen seines bekannten Vaters

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    Johannes Amann und Sohn Lorenz in ihrer Restaurierungswerkstatt in Grafertshofen.
    Johannes Amann und Sohn Lorenz in ihrer Restaurierungswerkstatt in Grafertshofen. Foto: Regina Langhans

    Früher gab es einmal Hofmaler, privilegierte Künstler an den Höfen der Mächtigen. Heutzutage geht es vielmehr ums Restaurieren dieser Schätze, was auch keine alltägliche Aufgabe ist. Beinhaltet sie doch die Kunst, alte Dinge in die Gegenwart hinüberzuretten. Ein bekannter Fachmann auf diesem Gebiet ist der Diplom-Restaurator Johannes Amann. In seinem Betrieb erfolgt nun ein Generationswechsel: Zu Jahresbeginn 2026 hat der 60-Jährige seinem Sohn Lorenz, 26 Jahre alt und Restaurator mit Masterabschluss, die Geschäftsführung der Weißenhorner Restaurierungswerkstätten Amann GmbH übergeben.

    Ein Höhepunkt gemeinsamen restauratorischen Schaffens war für die Amanns ihre maßgebliche Beteiligung an der Renovierung der Königsschlösser im Allgäu, damit diese bei der Aufnahme ins Weltkulturerbe am 12. Juli 2025 in ihrem ursprünglichen Glanz strahlen konnten. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit in Neuschwanstein waren der Thronsaal sowie in Schloss Linderhof die Venusgrotte. Als Ehrengäste wurden sie zur Feier des Weltkulturerbes geladen und werden die besonderen Momente nicht so schnell vergessen. Mit der Übergabe der offiziellen Urkunde Mitte Dezember im Bayerischen Landtag war die Ernennung auch schwarz auf weiß besiegelt.

    Vater Johannes Amann will in der Werkstatt in Grafertshofen etwas kürzer treten

    Der UNESCO-Welterbetitel bestätige als höchste offizielle Auszeichnung im kulturellen Bereich die besondere Bedeutung der Schlösser König Ludwigs II., hieß es in den würdigenden Worten von Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU). „Mein Dank gilt allen, die zu dem großartigen Erfolg beigetragen haben“, sagte er bei der Übergabe der Urkunde an den Freistaat Bayern.

    Gleichwohl wird Vater Johannes Amann in seiner geschichtsträchtigen Werkstatt nicht die Hände in den Schoß legen, sondern „eben mal kürzer treten“. Das Haus an der St.-Wendelin-Straße in Grafertshofen geht auf den früheren Altarbauer Johannes Kempf zurück, der es 1793 errichtete. Diesem Kunstschreiner verdankt beispielsweise das Kloster Roggenburg seine Bibliothekseinrichtung. Der Großvater von Johannes Amann heiratete nach dem Ersten Weltkrieg in die Familie Kempf ein, wobei dort längst keine Altäre mehr gebaut wurden. Sein Sohn Ludwig Amann ging bei Kirchenmaler Albert Heinle in die Lehre. Im Jahr 1992 übernahm dessen Sohn Johannes Amann die Werkstatt, nachdem er sein Studium und einen Englandaufenthalt beendet hatte. Er baute das Geschäft zur Restaurierungsfachfirma um. Mit Jahresbeginn 2026 trat offiziell Sohn Lorenz Amann mit ein.

    Ein Foto mit der Auszeichnung von Schloss Neuschwanstein zum UNESCO-Weltkulturerbe: (von links) Nicola Spieß, Johannes Amann, Lorenz Amann und Denise Nistor.
    Ein Foto mit der Auszeichnung von Schloss Neuschwanstein zum UNESCO-Weltkulturerbe: (von links) Nicola Spieß, Johannes Amann, Lorenz Amann und Denise Nistor. Foto: Sammlung Amann

    Amann senior spricht von einem „weichen Übergang“, einfach so das Werkzeug fallen lassen kann und mag er nicht. Schließlich hat er sich gerade darauf spezialisiert, neueste Techniken mit traditionellen Arbeitsweisen zu verknüpfen und die jeweiligen Vorteile zu nützen. So entwickelte Johannes Amann eine einzigartige Lasertechnik, um Reinigungsarbeiten noch subtiler vorzunehmen und dadurch Kunstschätze zu erhalten.

    Lorenz Amann war zum Arbeiten und Studieren in Regensburg, im Tessin und in Hildesheim

    Lorenz Amann konnte sich seine Entscheidung, in die Fußstapfen der Eltern zu treten, gründlich überlegen. Denn auch Mutter Nicola Spieß ist vom Fach. Bereits als 14-Jähriger half er in der elterlichen Werkstatt aus. „Im Grunde wusste ich, worauf ich mich einlasse“, sagt der Junior. Dennoch beherzigte er den Rat seines Vaters zur bedachtsamen Berufswahl und absolvierte nach dem Abitur zunächst ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) bei der Denkmalpflege in Regensburg. Dort lernte er auch seine Freundin Denise Nistor kennen. Sie ist akademische Restauratorin. In Regensburg schloss er eine Ausbildung zum Kirchenmaler an und wechselte anschließend auf die Meisterschule in München. Anschließend ging es nach Mendrisio bei Lugano im Schweizer Tessin, um den Bachelor zu absolvieren. Wegen der dort beheimateten Carlone-Familien ist das eine kunsthistorisch spannende Region. Die Vorlesungssprachen waren Italienisch und English. Doch Lorenz Amann hatte sich binnen zwei Jahren die Landessprache angeeignet und schrieb auch seine Bachelorarbeit in Italienisch.

    Seine nächste Station war Hildesheim bei Hannover, wo er den Master of Science in Konservierungs- und Renovierungswissenschaften draufsetzte, als Bester abschloss und ein Preisgeld kassierte. „Schulwechsel haben mir noch stets zusätzliche Erkenntnisse beschert“, sagt der Junior rückblickend. Für seinen Werdegang hatte er sich jeweils besondere Zentren der Kunst ausgesucht.

    Mehr als 100 Jahre alte Rezepturen und Werkzeuge

    Nun will Lorenz Amann die Werkstatt seiner Eltern mit dem übernommenen Wissen und neuen Ideen weiterführen. Übernommenes ist auch direkt greifbar in der Werkstatt in Form von mehr als 100 Jahre alten Rezepturen von Albert Heinle, Schablonen oder geschmiedeten Graviereisen aus der Zeit um 1900. Vater Johannes sieht die Aufgaben des künftigen Restaurators so: „Wir erleben eine Zeit, in der Denkmalschutz wichtiger ist denn je, um das kulturelle Erbe an die nächste Generation weiterzugeben.“ Sie übten einen der nachhaltigsten Berufe überhaupt aus, findet er. Allein aus Kostengründen könne nicht jedes Haus abgerissen und neu gebaut werden. Es sei wichtig, Lehrlinge dafür zu begeistern und gut auszubilden.

    Das Spektrum der Restaurierungswerkstätten Amann umfasst inzwischen Arbeiten der Kirchenmalerei, Restaurierung von Gemälden, Skulpturen, Wandmalereien sowie von Putz, Stuck und Naturstein. Vormals eigene Berufszweige würden mangels Fachleuten in den Bereich des Restaurators übergehen. Derzeit zählten die Weißenhorner Restaurierungswerkstätten Amann zehn Mitarbeitende verschiedener Sparten, darunter eine Auszubildende. Sie kommen teils aus Sizilien, Iran, Japan und bringen Hochschulabschlüsse mit. Gearbeitet wird in umliegenden Klöstern oder Kirchen wie Roggenburg, Wiblingen, Ochsenhausen, Ottobeuren und anderen historischen Gebäuden. Auch die jetzt abgeschlossene Restaurierung des Carlone-Saals in Ansbach oder die des Michaelis-Kreuzgangs als Weltkulturerbe in Hildesheim zählen zu den Höhepunkten ihrer Berufstätigkeit. Lorenz Amann sagt: „Es ist das Schöne an meinem Beruf, dass ich Handwerk und Theorie, Materialwissenschaft und Chemie kombinieren kann.“

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