Weißenhorn: Bauernprotest mit Traktor-Formation am V-Markt-Kreisel
Weißenhorn
"Sackgasse": Bauern demonstrieren mit Traktor-Formation am V-Markt-Kreisel
Die Aktion in Weißenhorn fällt auf, die Botschaft ist aber nur aus der Luft zu sehen. Am Sonntag suchen Landwirte in drei Orten Gespräche mit der Bevölkerung.
102 Landwirtinnen und Landwirte aus dem Landkreis Neu-Ulm haben mit Schleppern ein Sackgassen-Zeichen gebildet, um gegen die Politik der Bundesregierung zu protestieren.Foto: Alexander Rittler
Am Samstag haben sich 102 Landwirtinnen und Landwirte mit ihren Schleppern neben dem V-Mark-Kreisel Weißenhorn getroffen, um ein Zeichen nach Berlin zu senden. Die Schlepper bildeten eine Formation, die einem Sackgassen-Zeichen nachempfunden war und auf die aus der Sicht der Bauern fehlgeleitete Politik der Bundesregierung aufmerksam machen sollte. Es ist nicht die einzige Aktion am Wochenende.
Die zahlreichen Fahrzeuge waren für alle, die am Samstag etwa für den Wocheneinkauf unterwegs waren, gut zu erkennen. Das Sackgassen-Zeichen war aber nur von der Luft aus erkennbar. Die Idee stammt aus dem Kreisgremium der Bewegung Land schafft Verbindung (LSV), wie Landwirt Oliver Janik aus Weißenhorn berichtet. Man habe verdeutlichen wollen, dass es so nicht weitergehen könne. "Viele fanden das gut und haben sich angeschlossen", sagt er. Die gesamte Aktion sei friedlich verlaufen und auch mit der Polizei abgestimmt gewesen.
Aktionen gegen Abschaffung von Agrardiesel in Weißenhorn und Pfaffenhofen
Schon bei früheren Aktionen hat es nach Janiks Aussagen Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern gegeben. Viele hätten beim Vorbeifahren gehupt und ihre Zustimmung zu den Protesten gezeigt, sagt er. Im direkten Austausch erhalte man viel Unterstützung – aber nicht nur. "Manche Leute sind skeptisch, da müssen wir genau erklären, warum es uns geht", räumt der Weißenhorner ein. Der Agrardiesel sei schließlich keine Subvention, hebt er hervor. Es handle sich um eine Steuerrückerstattung, weil ein bestimmter Betrag, der pro Liter Diesel fällig wird, für den Unterhalt der Straßen vorgesehen ist. Janik verweist auf eine feste Quote des Zolls. Demnach muss diese Steuer nicht bezahlt werden, wenn Fahrzeuge überwiegend abseits der Straßen unterwegs sind – so wie die Gefährte der Landwirtinnen und Landwirte. "Das wird medial immer wieder falsch dargestellt", meint Janik. "Es ist nicht ganz leicht, Leute zu überzeugen, die skeptisch sind." Deswegen suchen Bäuerinnen und Bauern am Sonntag gezielt den Austausch.
An drei Orten sind sie am Sonntag präsent, um ins Gespräch zu kommen. "Wir wollen nutzen, dass die Leute wegen der Landratswahl unterwegs sind", erklärt Janik. Von 11 bis 16 Uhr haben sich Landwirtinnen und Landwirte in Biberach an der Ortseinfahrt aus Richtung Weißenhorn postiert. Von 11 bis 15 Uhr stehen sie in Pfaffenhofen bereit und von 15 bis 18 Uhr wollen sie nahe dem V-Markt in Weißenhorn auf Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner warten.
Traktoren blockieren Straßen im Kreis Neu-Ulm: Die Fotos vom Bauernprotest
Landwirte haben am Montag Straßen im Kreis Neu-Ulm mit Traktoren blockiert. In Neu-Ulm und Illertissen fanden Demos statt. Hier finden Sie alle Bilder der Protestaktion.
Bauernproteste: Weitere Aktionen im Kreis Neu-Ulm möglich
Die Vorsitzenden der drei Ampel-Fraktionen im Bundestag haben die Vorstände der landwirtschaftlichen Verbände für Montag zu einem Gespräch eingeladen. "Wir warten ab, was dabei herauskommt", kündigt Janik an. Je nach Verlauf seien weitere Aktionen möglich oder sogar wahrscheinlich. Am vergangenen Montag hatte eine Protestwoche begonnen, die sich gegen die geplanten Kürzungen bei der finanziellen Unterstützung der Landwirtschaft richtete. Die vorgesehene Einführung der Kfz-Steuer für landwirtschaftliche Fahrzeuge hatte die Bundesregierung da bereits zurückgenommen. Die Abschaffung der Steuervergünstigung beim Treibstoff soll nach den gegenwärtigen Plänen beibehalten werden – nicht auf einmal, aber in Schritten. Landwirtinnen und Landwirte kritisieren diese Belastung als zu hoch, sie reihe sich zudem ein in weitere politische Entscheidungen, die die Arbeit auf den Höfen belaste. Zum Auftakt der Aktionswoche waren die Autobahnzufahrten und viele weitere Straßen mit Schlepperkorsos blockiert worden. In Neu-Ulm, Illertissen und etlichen weiteren Orten fanden Kundgebungen statt.