Am Mittwoch hat der Naturschutzbund Deutschland (NABU) im 30. Jahr den "Dinosaurier des Jahres" verliehen. Seit 1993 zeichnet er mit diesem Negativpreis Persönlichkeiten oder Projekte aus, die in Sachen Umweltschutz als besonders rückständig gelten. Der Preis - eine aus Zinn gegossene Riesenechse - soll Aufmerksamkeit für Felder schaffen, in denen der Klimaschutz nach Ansicht des NABU besonders antiquiert ist. Bis 2018 wurden dabei einzelne Persönlichkeiten ausgezeichnet, 2020 zum ersten Mal ein Projekt.
Dieses Jahr ist es sogar ein ganzer Fluss, der den Preis erhält: Wegen des Fischsterbens in der deutsch-polnischen Oder verlieh der NABU den "Dinosaurier 2022". "Wer in diesem Jahr nach der größten Umweltsauerei sucht, hat sofort die Umweltkatastrophe an der Oder vor Augen," sagte NABU Präsident Jörg-Andreas Krüger. Die Oder stehe stellvertretend für viele Fließgewässer in Deutschland, die sich in einem schlechten Zustand befänden.
"Dinosaurier 2022": Fischsterben in der Oder
An der Oder hatte sich im Sommer eine Umweltkatastrophe historischen Ausmaßes ereignet. Auf polnischer und deutscher Seite waren im August schätzungsweise mindestens 360 Tonnen Fische verendet. Auch andere Flusstiere starben. Experten gehen davon aus, dass Salzeinleitungen ein wesentlicher Grund waren, verbunden mit Niedrigwasser, hohen Temperaturen und einer giftigen Algenart. Der Verursacher der Einleitungen wurde bis heute nicht ermittelt.
Preis für rückständigen Klimaschutz: Die Gewinner der letzten Jahre
Bereits zum 30. Mal wurden die Dinosaurier des Umwelt- und Klimaschutzes ausgezeichnet. Das sind die Preisträgerinnen und Preisträger der letzten zehn Jahre.
2021: Baugebiet Conrebbersweg, Flächenfraß-Projekt in Emden
Im vergangenen Jahr ging der Preis an die Stadt Emden in Niedersachsen. Diese hatte ein Baugebiet auf einem 75 Hektar großen Biotop ausgewiesen. Mehr als zwei Drittel der Fläche, auf der auch viele geschützte Arten lebten, sollten versiegelt werden, begründete der NABU die Verleihung.
2020: A26 Ost, Autobahnprojekt in Hamburg
Mit der Planung der A26 Ost in Hamburg als "Pendlerautobahn" wurde bereits vor 20 Jahren begonnen, die Gelder dafür aber erst 2020 vom Bund bewilligt. Für großzügige Prognosen ausgelegt, bezeichnet der NABU das Bauprojekt als überholt. Die Bauweise sei besonders zementintensiv, weil ein Teil der Trasse aufgeständert werden müsse. Durch die geplante Brücke sollten hohe Kohleschiffe das Kraftwerk Moorburg erreichen können - obwohl dieses ein Jahr später bereits abgeschaltet werden sollte.
2019: in diesem Jahr wurde kein Preis verliehen
2018: Rolf Martin Schmitz, Vorstandsvorsitzender der RWE AG
Der letzte Preis, der an eine Person vergeben wurde, ging an RWE Chef Schmitz. Er war federführend beim Streit um Braunkohle und der Rodung des Hambacher Forstes beteiligt. Während laufender Verhandlungen wollte er durch eine vorzeitige Rodung Fakten schaffen, die dann durch ein Gerichtsurteil im Eilverfahren vorerst wieder gestoppt wurden. "Das war ein bewusstes Foulspiel auf Kosten von Klima und Natur. Auch ein Branchen-Dinosaurier muss einmal die Zeichen der Zeit erkennen“, begründete Ex-NABU-Präsident Olaf Tschimpke die Wahl.
2017: Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV)
Der Präsident des DBV erhielt 2017 den Negativpreis für eine nach Ansicht der NABU verantwortungslose Politik an der Spitze des Bauernverbandes. Der Naturschutzverband nannte die erneute Zulassung von Glyphosat, zu viel Nitrat im Grundwasser und das Insekten- und Vogelsterben als Beispiele, bei der ein Gegensteuern der Agrarpolitik notwendig gewesen sei.
2016: Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG
Hauptgrund der Verleihung an Baumann war laut dem NABU die von ihm eingefädelte Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto. Sowohl Bayer als auch Monsanto werden von Klimaschützern unter anderem wegen des Einsatzes von Pestiziden und Gentechnik in der Landwirtschaft kritisiert.
2015: Philipp zu Guttenberg, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW)
Der Chef des Verbundes für Waldeigentümer vertrete rückständige Ansichten zum Schutz des Waldes und dessen natürlicher Entwicklung, befand der NABU 2015. Seine Interessen beschränkten sich allein auf die wirtschaftliche Nutzbarkeit des Waldes.
2014: Gernot Kalkoffen, Europachef von ExxonMobil
Der Europachef des Energiekonzerns wurde für seine Energiepolitik ausgezeichnet. Statt Gelder in neue Märkte für Energieeffizienzdienstleistungen und den Ausbau erneuerbarer Energien zu investieren, setze ExxonMobil in Deutschland auf Erdgas mittels Fracking, so der NABU.
2013: Wolfgang Burgard, Bund Getränkeverpackungen der Zukunft (BGVZ)
Stellvertretend für die Einweg-Lobby wurde 2013 Wolfgang Burghard ausgezeichnet. Burghard ist Geschäftsführer des selben Jahr gegründeten „Bund Getränkeverpackungen der Zukunft“, deren Mitglieder es als Ziel formulierten, gegen die „Diskriminierung“ von Einwegbehältern vorzugehen.
2012: Ilse Aigner (CSU), Bundeslandwirtschaftsministerin
Ex-Landwirtschaftsministerin Aigner erhielt den "Dinosaurier 2012" für eine vom Naturschutzbund als "Klientelpolitik" bezeichnete Argrarpolitik. Diese zeige sich beispielsweise in einem "enttäuschendes Engagement für ein besseres Tierschutzgesetz", so die Begründung.
(mit dpa)