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Kabarett: Aus Bettnässern wurden Wellnesser

Kabarett

Aus Bettnässern wurden Wellnesser

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    Auch ein schöner Widersinn beim Auftritt des Kabarettisten Michael Altinger im Klosterbräuhaus Ursberg: Er trug Brille, um distinguierter zu wirken, aber eine Brille ohne Gläser. Im Hintergrund Martin Julius Faber, ironisch genannt „Band“.
    Auch ein schöner Widersinn beim Auftritt des Kabarettisten Michael Altinger im Klosterbräuhaus Ursberg: Er trug Brille, um distinguierter zu wirken, aber eine Brille ohne Gläser. Im Hintergrund Martin Julius Faber, ironisch genannt „Band“. Foto: Dr. Heinrich Lindenmayr

    Ursberg Ist der 40. Geburtstag, an dem der Schwabe bekanntlich erst gescheit wird, Anlass, über das Altern zu reflektieren und zu lamentieren? Natürlich nicht! Das weiß Michael Altinger.

    Das ist eine der Quellen für den Spaß, den ihm und seinem Publikum dieses Thema bereitet. Mit 40 lässt es sich noch gut lachen über den Verlust von Schönheit und Gesundheit, über Potenzprobleme, über Gelassenheit des Alters und sogar über die eigene Beerdigung. Weil es eben so schön unpassend ist, kann Altinger umso dicker Farbe auftragen, sich grandios hineinsteigern. Das ist so paradox wie sein Loblied auf Gelassenheit und Weisheit des Alters, nachdem das Leben alle Kanten abgeschliffen habe. Alles werde nun leicht, alles sei erlaubt und das ergebe ein Lebensgefühl gleich der erotischen Trostlosigkeit eines FKK-Strandes.

    Auch so ein schönes Paradox: wenn er schon einmal sterben müsse, dann wenigstens gesund. Eine Gesellschaft, in der die einstigen Bettnässer nun zu Wellnessern geworden seien und in der der Götze Gesundheit regiert, ist ein gefundenes Fressen für einen gestandenen Kabarettisten.

    Herrlich Altingers Seitenhiebe gegen die Modewurzel Ingwer, der alle vertrauen, erstens, weil sie aus Asien kommt, zweitens weil ihr sowohl die Heilpraktiker wie auch Alfons Schuhbeck frönen. Noch herrlicher die abendliche Szene, als sich in der Knabbergebäck-Schale Erbsen mit Wasabi befinden. Das Gefühl im Mund ähnelt dem von Rollsplitt. Doch dann schießt die heimtückische Schärfe dem Esser das Wasser aus den Augen bis hinter die Ohren. Als die Gattin ins Wohnzimmer kommt, hängt der Wasabi-Geschädigte an der Decke und schreit nach Wasser.

    Derlei Szenen sind Altingers absolute Stärke. Sie sind kleine Fixpunkte in einem rasanten Dauerlauf von Spontaneität und Assoziation, in einer fulminanten Abfolge von Wechselbädern, gespickt mit Anspielungen Wortverdrehern, Sarkasmen und leitmotivisch durchsetzt mit überraschenden Variationen von Witzen und kleinen Gemeinheiten auf seinen musikalischen Begleiter Martin Julius Faber.

    Michael Altinger versteht sein Handwerk so gut, weil ihm alle möglichen Sprech- und Singstile gelingen, er derb und distinguiert sein kann, jubilierend und dozierend, deklamatorisch und keifend, pathetisch und verächtlich. Das verleiht dem Witz, der Pointe, der Absurdität einen zusätzlichen, einen finalen Dreh. Und noch der Schlusssatz enthielt dieses paradoxe und mehrdeutige Überraschungsmoment: „Falls jemand gemeint haben sollte, dass dies der ideale Moment zum Aufhören wäre, muss ich leider sagen, er hat recht.“

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