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Krumbach
04.12.2019

Fischer wehrt sich gegen Kritik an seinem Politikstil

Ein Bild aus früheren Zeiten. Bürgermeister Hubert Fischer (rechts) und der damals noch SPD-Fraktionsvorsitzende Christoph Helmes im Krumbacher Rathaus. Das Bild entstand im Januar 2010 nach einer Klausurtagung im Krumbad.
Foto: Peter Bauer

Es werden Stimmen laut, die dem Krumbacher Bürgermeister einen gutsherrlichen Umgangston gegenüber Stadträten bescheinigen. Der geht in die Offensive.

Dieter Behrends ist der letzte Kandidat auf der Stadtratsliste der CSU. Er gehöre inzwischen zu einer besonderen Gruppe im Stadtrat, bekannte er bei der Nominierungsversammlung im Gasthof Munding. Zu dieser Gruppe zählten neben ihm Ursula Bader, Christoph Helmes, Achim Fißl und Dr. Marcus Härtle. Immer, wenn einer der Vorgenannten das Wort im Stadtrat erhebt, beginne der Bürgermeister mit den Augen zu rollen. Behrends ist an diesem Abend nicht zu Späßen aufgelegt. Seit zwölf Jahren ist der Fahrlehrer Mitglied des Stadtrats. Bewusst habe er sich nun auf den letzten Listenplatz setzen lassen. „Wenn mich die Bürger wählen, soll das so sein.“

Helmes: „Der hört mir gar nicht mehr zu“

Wenn nicht, sei er auch nicht unbedingt traurig, dann spare er sich den Ärger. Seit etwa vier Jahren reagiere Bürgermeister Hubert Fischer auf Kritik und unangenehme oder aus seiner Sicht unpassende Nachfragen zunehmend gereizt, mitunter auch sehr harsch und ja, auch verletzend. So empfindet es jedenfalls Behrends, der persönlich sehr enttäuscht darüber ist. Besonders gegenüber Christoph Helmes sei Fischers Verhalten „nicht mehr erträglich“, sagt Behrends und gibt sich selbstkritisch: „Da müssten die Erfahrenen auch mal aufstehen und den Raum verlassen. Wir lassen das zu, es ist somit auch unsere Schuld.“ Zuletzt habe Fischer Helmes drei mal bezichtigt, Unwahrheiten zu verbreiten.

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Das Wort ’Lüge’ sei so nicht gefallen, erklärt Helmes. Regelmäßig werde ihm jedoch von Fischer unterstellt, er würde falsch zitieren, Tatsachen verdrehen oder in falschem Zusammenhang darstellen. Er habe Fischer gebeten, dies zu belegen. Die Antwort sei ihm der Bürgermeister aber schuldig geblieben. „Wenn er einen Vorwurf in öffentlicher Sitzung erhebt, dann bitte ich schon, zu erklären, was ich falsch gemacht habe. Wenn ich mich irre, dann entschuldige ich mich.“ Besonders geärgert habe ihn, dass ihm Fischer zuletzt vorgehalten habe, er wolle beim Sportzentrum gar nichts machen, lediglich reparieren und instandhalten. Dabei habe er explizit in seinem jüngsten Antrag die Sanierung des Hallenbads gefordert. Lediglich für die Dreifachturnhalle und das Tagesheim bevorzuge er eine laufende Instandhaltung.

Vor ein paar Wochen habe er sogar Fischers Position in einem Wortbeitrag gestützt, trotzdem habe sich Fischer entnervt weggedreht und geächzt, was er denn nun schon wieder wolle. „Der hört mir gar nicht mehr zu“, folgert Helmes.

Fischer ist nicht gut auf Helmes zu sprechen

Unlängst habe Fischer Helmes’ Argumente als „wahnsinnig“ bezeichnet, bestätigt CSU-Fraktionschef und Bürgermeisterkandidat Gerhard Weiß. Das habe er sich notiert. Helmes sei schon ein „besonderer Mensch“. Er verfüge über sehr große kommunalpolitische Erfahrung, vielleicht sei er manchmal ein bisschen belehrend. Man müsse ihm jedoch zugestehen, dass „er nicht immer Unrecht“ habe. Inhaltlich verfüge Helmes über ein breites Wissen und vertrete mitunter „keine schlechten Ansätze“, attestiert Weiß. Ihn dafür zu beschimpfen, sei „nicht in Ordnung“. Jeder habe das Recht darauf, seine Meinung und Expertise im Stadtrat einzubringen, alle verfügten über ein demokratisches Mandat. Weiß bedauert, dass verdiente und engagierte Stadträte wegen Fischer nicht mehr antreten würden. Helmes habe einen „anderen Abgang verdient“, sagt Weiß.

Doch Fischer ist nicht gut auf Helmes zu sprechen. Die Stimmung im Stadtrat sei gar nicht so aufgeheizt, wie das dargestellt werde, sagt Fischer. Er denke, dass er „immer den nötigen Anstand gewahrt“ habe, in der Sache aber durchaus deutlich wurde. Objektiv sei es nicht schlimmer als anderswo. Es gebe „ein paar Stadträte, die mit Falschaussagen versuchen, mich zu provozieren“. Das Problem sei, dass ihm, etwa von Helmes Dinge unterstellt würden, die de facto einem Straftatbestand gleichkämen. „Er behauptet etwa, dass alles, was wir über das Sportzentrum sagen, nicht stimmt“, sagt Fischer. Dabei sei der ganze Gebäudekomplex so marode, dass er eigentlich zugesperrt werden müsste. Allein in diesem Jahr wurden laut Fischer 430000 Euro nur für Reparaturen am Schulzentrum ausgegeben.

Fischer: „Ich bin kein Schauspieler“

Er werde künftig Stück für Stück dokumentieren, was Helmes sagt, und ihm am besten gar nicht mehr antworten, sagt Fischer. Helmes mische die Zahlen „völlig wirr“ durcheinander, das werde er künftig lieber gar nicht mehr kommentieren. Er wolle aber nicht, dass ihm hinterher ein Strick daraus gedreht werde, wenn er die Behauptungen nicht dementiere. „In dem Spiel spiel ich nicht mehr mit.“ Helmes versuche ständig, Dinge zu verhindern, nicht zuletzt, indem er ihm Dienstaufsichtsbeschwerden anhänge, beschwert sich Fischer. Dabei sei allerdings noch nie etwas herausgekommen, redet sich Fischer in Rage. „Ich mache was, damit was vorangeht, da geht auch mal was schief. Ich kümmere mich darum, dass hier Millionenprojekte umgesetzt werden. Helmes will nur verhindern, das ist untragbar“, schimpft Fischer. Er wisse, dass er auf solche Angriffe nicht so emotional reagieren, sich nicht aus der Reserve locken lassen sollte, räumt Fischer ein.

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Aber so sei er nun einmal. „Ich bin kein Schauspieler. Ich bin kein Politiker. Ich mach kein Weichgewäsche. Ich liebe den Stil des knallharten Ehrlichseins, das auch mal wehtut.“ Die Vorwürfe, die ihm nun wegen seines Politikstils gemacht würden, führt Fischer „zu 50 Prozent“ auf den Wahlkampf zurück. Die Projekte, die bislang umgesetzt wurden, seien ja stets von einem breiten Konsens im Stadtrat getragen worden. Seit nahezu zwei Jahren werde von einigen im Rat alles angezweifelt, was vonseiten der Verwaltung vorgebracht wird, sagt Fischer. „Die Experten, die wir bezahlen und die hinterher, für das, was sie sagen, geradestehen müssen, denen glaubt man nicht. Warum glaubt man den Experten, die nicht öffentlich in Erscheinung treten und nur anhand der Kubatur und bestimmter Kennzahlen Berechnungen anstellen“, fragt Fischer. Darauf seine Entscheidung zu treffen, sei grob fahrlässig. „Wenn wir das machen, dann sind wir pleite. Und ja, da bin ich emotional. Das was ich in den zwölf Jahren aufgebaut habe, lass ich mir nicht kaputt machen.“

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