Newsticker
Impfstoff von AstraZeneca wirkt Berichten zufolge bei Senioren kaum
  1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Nach Klage vor Gericht: Wird die Stadtvilla am Hochfeld in Krumbach jetzt gebaut?

Krumbach

02.12.2020

Nach Klage vor Gericht: Wird die Stadtvilla am Hochfeld in Krumbach jetzt gebaut?

In diesem Bereich soll die neue „Stadtvilla am Hochfeld“ entstehen.
Bild: Monika Leopold-Miller (Archiv)

Plus Erst vor Gericht einigen sich Bauherren und Landratsamt zum Bau einer großen Wohnanlage am Hochfeld in Krumbach. Sie soll aber anders aussehen als bisher geplant.

Ist das der Durchbruch für die seit Längerem umstrittene sogenannte „Stadtvilla“ in Krumbach? Vor dem Augsburger Verwaltungsgericht haben der Bauherr, der im Wohngebiet „Hochfeld“ eine Mehrparteien-Wohnanlage errichten will, und das Landratsamt in Günzburg, das den Bauantrag abgelehnt hat, das Verfahren für erledigt erklärt. Nunmehr soll es anhand von fünf Parametern, die vor Gericht protokolliert wurden, erneute Gespräche über die Bebauung geben.

Das Gericht schlug zwei Eigenständige statt einem Gebäude vor. Im Jahr 2019 hatte der Bauherr, eine Immobiliengesellschaft aus Krumbach, das Vorhaben dem Bauausschuss der Stadt Krumbach erstmals vorgelegt und nach der Behandlung verschiedene Veränderungen eingearbeitet. Der schließlich von der Stadt befürwortete Bauplan wurde aber beim Landratsamt abgelehnt, weswegen man sich jetzt vor dem Verwaltungsgericht in Augsburg traf.

Passt die geplante Wohnanlage in Krumbach in die Umgebung?

Die Kammer des vorsitzenden Richters Stefan Eiblmaier hatte sich bereits zuvor mit diversen Planungsunterlagen und Karten ein Bild von der Angelegenheit gemacht. Dabei wurde, so der Richter, nicht nur das direkte Umfeld der geplanten Anlage angeschaut, sondern auch die bauliche Situation in der Umgebung. Und es wurde ein in derselben Straße als „Referenzobjekt“ benanntes, bereits bestehendes Mehrparteienhaus betrachtet. Gemäß seiner ersten Würdigung, so der Richter, ziehe das Gericht einen weiteren Umkreis für das Umfeld in Betracht, als es das Landratsamt in seiner Ablehnung getan habe. Für die Richter markiert die neu geplante Stadtvilla gleichwohl weniger eine behutsame Weiterentwicklung hin zu einer dichteren Bebauung als vielmehr einen „Sprung“. Eine bebaute Fläche von 477 Quadratmetern (ohne Terrassenflächen) auf 1221 Quadratmetern Grund sowie eine Kubatur von knapp 3500 Kubikmetern umbauten Raumes (ohne geplante Tiefgarage) suche hier ihresgleichen. Selbst das Referenzgebäude in der Nachbarschaft bleibe dahinter zurück, nicht zu reden von den hier typischen Einfamilienhäusern mit größeren Gärten.

Weil es im besagten Baugebiet Hochfeld keinen detaillierten Bebauungsplan gibt, kommt Paragraf 34 des Baugesetzbuches ins Spiel, wonach sich das Vorhaben in die Umgebung einfügen muss. Planungsrechtlich, das war für das Gericht unstrittig, sei das vorliegende Bauvorhaben grundsätzlich zulässig.

Wohnanlage am Hochfeld in Krumbach soll in zwei Gebäude geteilt werden

Ob sich der Bauherr denn auch eine weniger massiv wirkende Bebauung mit zwei Gebäuden vorstellen könne, ohne die derzeit noch vorgesehene Verbindung im Erdgeschoss, fragte Richter Eiblmaier. Als Rechtsanwalt Tobias Rilling dies für seine Mandanten grundsätzlich bejahte, erklärte Andrea Holzinger, die den Geschäftsbereich Bauwesen und Umweltschutz am Landratsamt Günzburg leitet, mit einer gewissen Überraschung, dass eben dies von ihrer Behörde in vielen Gesprächen angestrebt worden sei und eventuell einen Gerichtsprozess erspart hätte.

Alsdann protokollierte das Gericht fünf Parameter, die den künftigen Gesprächen bei einer Umplanung als Rahmen, nicht als Vorschrift, zugrunde liegen sollen: Neben der Auftrennung in zwei eigenständige Gebäude mit jeweils rund 200 Quadratmetern Grundfläche zählt dazu das Beibehalten einer Tiefgarage, das Einhalten aller vorgeschriebenen Abstandsflächen, die Gestaltung des dritten Geschosses für zwei Penthäuser als sogenannte Staffelgeschosse sowie die Festlegung auf maximal zehn Wohneinheiten.

Verwaltungsgericht: Es drohen Klagen von Anwohnern am Hochfeld

Ohne erkennbare Euphorie nahmen die beiden Vertreter des Bauherren die Einigung hin. Es sei ihnen unverständlich, dass ihr Vorhaben nicht genehmigt werde, wie sie es vorgelegt hätten, obwohl es nicht gegen das Baugesetz verstoße. Vielfach werde über zunehmende Flächenversiegelung diskutiert, die durch das Projekt der Stadtvilla geringer sei als bei anderen Bauten.

Auch in Krumbach kenne man das Problem der Wohnraumnot. Alle Wohnungen seien im Grunde bereits vergeben, so die Bauträger. „Was sollen wir denn noch machen?“, fragten sie. Schließlich müssten sie wirtschaftlich denken, gerade eine Tiefgarage verteuere das Bauvorhaben erheblich. Auch könne man, wenn man zwei getrennt stehende Gebäude errichte, nicht mehr gemeinsam dasselbe Treppenhaus und vergleichbare Erschließungen nutzen.

Seitens des Landratsamtes wurde auf die mögliche Vorbildfunktion der Stadtvilla für künftige Bauvorhaben in ähnlicher Lage verwiesen. Die vergleichsweise erheblich dichtere Bebauung sei es vor allem, gegen die sich die Behörde, Bezug nehmend auf das Gesetz, mit ihrer Ablehnung der Planung gewandt habe. Durch die einvernehmliche Einstellung des Verfahrens bleibt der Ablehnungsbescheid des Landratsamtes gegen den dort vorgelegten Bauplan bestandskräftig. Um nicht erneut in dieser Angelegenheit tätig werden zu müssen, „hoffen wir auf ergiebige Gespräche“, so Richter Eiblmaier abschließend. Doch selbst wenn es noch zu einer Einigung darüber kommen sollte, was am Hochfeld gebaut wird, so könnte es trotzdem vor Gericht weitergehen. Am Rande der Verhandlung wurde deutlich, dass in der Krumbacher Nachbarschaft Klagebereitschaft entstehen könnte. Eine Gruppe von Anwohnern hatte sich bereits im vergangenen Jahr deutlich gegen die Pläne ausgesprochen.

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren