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Thannhausen: Ein Paar aus Thannhausen will Menschen mit Parkinson Mut machen

Thannhausen

Ein Paar aus Thannhausen will Menschen mit Parkinson Mut machen

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    Die Thannhauserin Manuela Kenia und ihr Partner Dietmar Einerhand sind beide an Parkinson erkrankt. Ihr neues Hobby ist Tischtennis.
    Die Thannhauserin Manuela Kenia und ihr Partner Dietmar Einerhand sind beide an Parkinson erkrankt. Ihr neues Hobby ist Tischtennis. Foto: Sandra Haupt

    "Es ist gigantisch zu sehen, wie toll die Menschen trotz Krankheit Tischtennis spielen", berichtet Manuela Kenia. "Bei einem Spiel habe ich beobachtet, dass der gegnerische Spieler viele hohe Bälle gespielt hat und ich dachte mir: 'Um Gottes willen, wie soll man die nur kriegen', denn mit Parkinson ist das Einschätzen von solchen Bällen sehr schwer", sagt sie.

    Gemeinsam mit ihrem Partner Dietmar Einerhand war sie bei dem Ping-Pong-Parkinson German Opening in Nordhorn dabei. Ihre Augen glänzen, als sie von ihrer Erfahrung dort berichtet. Doch Kenia war nicht nur als Zuschauerin vor Ort. "Ich war Anfängerin", erzählt sie, "und plötzlich spiele ich ein Einzel gegen die ehemalige Weltmeisterin". Zusammen mit ihrem Partner hatte sie davor im Garten trainiert. "Jeden Tag", berichtet sie uns. Und das mit Erfolg: Bei dem German Opening wurde sie die 7. Beste im Einzel.

    Parkinson äußerst sich jeweils anders

    Trotz ihrer positiven Ausstrahlung musste Kenia schon einiges mitmachen. Bei der 54-Jährigen wurde 2014 Parkinson festgestellt. Auch bei Einerhand wurde bereits 2007 Parkinson diagnostiziert. Inzwischen ist er 53 Jahre. Laut der Website des Ping-Pong-Parkinson Vereins Deutschlands äußert sich die Krankheit unter anderem durch motorische Einschränkungen. Das tritt beispielsweise in verlangsamten Bewegungen, steifer Muskulatur oder durch Muskelzittern zum Vorschein. Das unterscheide sich bei jedem Betroffenen je nach Stärkegrad der Krankheit. Kenia sagt: "Parkinson hat viele Gesichter." So treten bei Kenia meist Schmerzen und Steifheit auf, Einerhand leide auch verstärkt unter dem Muskelzittern.

    Das ist die Krankheit Parkinson

    Parkinson ist eine nervenbedingte Bewegungsstörung, die vor allem ältere Menschen trifft.

    Ursache für die auch Schüttellähmung genannte Krankheit ist das Absterben von Nervenzellen im Gehirn, in der Folge geht die Kontrolle über Gliedmaßen verloren.

    Zittern, verspannte Muskeln sowie Gang- und Gleichgewichtsstörungen sind die Symptome, denen auch Depressionen vorausgehen können.

    Fachleute gehen davon aus, dass Parkinson erblich bedingt ist.

    In der Bundesrepublik leiden nach Angaben der Deutschen Parkinson Vereinigung bis zu 280.000 Menschen an der unheilbaren Krankheit.

    Erste Symptome für Parkinson treten meist im Alter zwischen 50 und 60 Jahren auf.

    Bis zu zehn Prozent der Betroffenen sind aber jünger als 40. Der Name geht auf den englischen Arzt James Parkinson zurück, der 1817 als erster die Symptome der Schüttellähmung beschrieb.

    Zu den Prominenten, die seit Jahren mit der Krankheit leben, gehören der frühere Fußball-Trainer Udo Lattek, Kabarettist Ottfried Fischer, Star-Dirigent Kurt Masur oder die Box-Legende Muhammad Ali.

    Auch Papst Johannes Paul II. war an Parkinson erkrankt. (dpa)

    Wer denkt, dass man deshalb keinen Sport mehr machen kann, liegt aber falsch. "Sport oder Bewegung jeglicher Art sind das A und O bei der Erkrankung", berichtet Kenia. "Man muss seinen inneren Schweinehund überwinden", sagt sie. Seit Kurzem hat das Paar mit Tischtennis angefangen. Zunächst dachte sie, sie müsse, um Sport machen zu können, mehr Medikamente einnehmen. "Das ist nicht so", freut sie sich. Kenia ist Feuer und Flamme für ihr neues Hobby. "Man kann der Krankheit zeigen: Ich bin Herr über meinen Körper und nicht du", sagt sie. Die beiden wollen Parkinsonerkrankten Mut machen, sich an einen Sport zu wagen.

    Seit eineinhalb Jahren in Thannhausen

    Seit eineinhalb Jahren lebt das Paar zusammen in Thannhausen. Kenia ist gebürtige Augsburgerin, Einerhand stammt ursprünglich aus Aachen. Während er einen eher ruhigen und gelassenen Eindruck macht, strotzt sie nur so vor Energie. Die beiden sind ein tolles Team - ob zu Hause oder im Tischtennis. Kennengelernt haben sich die beiden über eine Online-Selbsthilfegruppe für Parkinsonerkrankte 2015. "Wir haben uns durch die Krankheit gefunden", erzählt Kenia. Sie freut sich, dass ihr Partner so viel Verständnis für die Krankheit mitbringe. "Wir machen uns gegenseitig keinen Druck", berichtet sie. "Wenn man mal nicht mehr kann, versteht das der andere", sagt sie.

    Inzwischen habe sie die Krankheit akzeptiert. "Laut jetzigem Stand ist Parkinson nicht heilbar", sagt sie. Man solle sich deshalb aber nicht verstecken. "Es ist wichtig, mit der Krankheit offen umzugehen", betont sie. Auch das soziale Umfeld sei den beiden eine Stütze, wie Kenias zwei Söhne.

    So eine Lebensfreude hatte sie nicht immer. "Als ich die Prognose Parkinson bekommen habe, ist eine Welt für mich zusammengebrochen", sagt sie. Damals war sie erst 47. Seit 2014 ist sie inzwischen berentet. "Die Rente hat mich runtergezogen", berichtet sie. "Durch das Rumsitzen kommt man sich sinnlos vor", sagt sie. Deshalb sind sie und Einerhand am liebsten aktiv. Wir fahren Fahrrad oder spielen Dart und natürlich Tischtennis", erzählt sie.

    Einerhand hat schon eine kleine Tischtenniskarriere hinter sich. Bereits mit 13 Jahren spielte er Tischtennis in der Liga. Ursprünglich war das aber nicht geplant gewesen. "Als Jugendlicher wollte meine Mutter, dass ich Sport mache. Ich sollte in den Turnverein, aber dann habe ich Tischtennis angefangen." Dass er als Kind bereits Tischtennis gespielt hatte, hilft ihm jetzt. "Die Automatismen sind noch da. Das Tischtennisspielen ist wie Fahrradfahren - man verlernt es nicht", sagt er. Gerade mit der Parkinsonkrankheit falle es einem schwer, komplett Neues zu lernen.

    Die Thannhauserin Manuela Kenia und ihr Partner mit ihren Tischtennis-T-Shirts.
    Die Thannhauserin Manuela Kenia und ihr Partner mit ihren Tischtennis-T-Shirts. Foto: Sandra Haupt

    Für Kenia war die Ping-Pong-Welt allerdings Neuland. "Ich habe als Kind bei uns im Hof gerne mal Tischtennis gespielt, aber das war's dann auch schon", berichtet sie. Auf die Idee, im Tischtennis anzufangen, kamen die beiden unter anderem durch ihre Online-Selbsthilfegruppe. "Einmal im Jahr haben wir ein reales Treffen und fahren über das Wochenende weg. Da gab es einen Tischtennisraum." Nicht nur Kenia und Einerhand waren sofort begeistert. Auch die anderen Mitglieder der Selbsthilfegruppe haben den Spaß an dem Sport entdeckt.

    Dann wurde auch das Ping-Pong-Parkinson ins Leben gerufen. Die Selbsthilfe war beim German Opening dabei. "Die Atmosphäre war toll - alle unterstützen sich gegenseitig", sagt Kenia. Dabei gebe es neben dem gesundheitlichen Aspekt weitere Vorteile. Man könne auch neue Bekanntschaften knüpfen oder sich mit anderen Erkrankten austauschen. "Es motiviert, andere kämpfen zu sehen", teilt sie der Redaktion mit.

    Der Ping-Pong-Parkinson-Verein stellt Parkinsonerkrankten Tischtennisangebote zur Verfügung. Laut der Website des Vereins gebe es aktuell über 200 Trainingsgruppen, sechs davon in Bayern. Dabei handelt es sich um Vereine, die exklusive oder auch gemischte Gruppen für Parkinsonerkrankte anbieten.

    Die TSG Thannhausen ist dabei

    Ein Verein, der seit Neuestem auch mitmacht, ist die TSG Thannhausen. Nachdem Kenia und Einerhand bei dem German Opening des Ping-Pong-Parkinsons, den Spaß am Sport entdeckten, wollten sie diesen auch in Zukunft weiter machen. Da es bislang noch kein Angebot in der Nähe gab, organisierte der Verein eine Trainingsmöglichkeit für die beiden. Beim nächsten Training in Thannhausen sind deshalb auch Kenia und Einerhand mit dabei. Die beiden freuen sich schon darauf. "Wer Lust hat, kann gerne vorbeikommen und sich das Training anschauen und dann natürlich auch mitmachen", sagt Kenia. Auch Anfänger seien herzlich einladen. Das Paar hofft, dass es bald mehr Erkrankte gebe, die sich trauen, im Sport mitzumachen.

    Auch für die Zukunft hat das Paar große Pläne. Im nächsten Jahr wollen die beiden an der Parkinson Tischtennis Weltmeisterschaft in Bad Homburg teilnehmen. Auch bei der Parkinson Tischtennis Weltmeisterschaft in Kroatien werden sie dann dabei sein. "Dafür trainieren wir jetzt schon fleißig", sagt Kenia.

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