Thannhausen „Ertragslage zufriedenstellend, Vermögenslage sehr gut, Risikovorsorge umfassend.“ Diese markante Formel nutzte der Aufsichtsratsvorsitzende Josef Miller, um das Jahr 2011 für die Raiffeisenbank Thannhausen zu bilanzieren. Man könne nicht nur zufrieden sein, meinte Vorstandsmitglied Peter Keller, angesichts der Schwierigkeiten auf dem Markt müsse man sogar sehr zufrieden sein.
Immerhin wuchs die Bilanzsumme der Bank 2011 um 4,1 Prozent auf 182 Millionen Euro. Die Ertragslage erlaubt es wiederum, einerseits 5 Prozent Dividende an die Anteilseigner auszuschütten, andererseits auch das Eigenkapital um jene gut vier Prozent zu erhöhen, um die das Geschäftsvolumen gewachsen war.
Der Vorstandsvorsitzende Herbert Klein brach in seinem eher aufs Grundsätzliche ausgerichteten Lagebericht eine Lanze für den Mittelstand. Leider werde es dem Mittelstand, den Klein als das Rückgrat unserer Wirtschaft auswies, durch die Politik zusehends schwerer gemacht. Klein nannte beispielsweise die Erschwernisse bei der Kreditvergabe. Zwar habe sein Bankhaus von der Anbindung der Kredite an das Eigenkapital der Bank sogar profitiert, denn die Raiffeisenbank Thannhausen verfüge über eine weit über dem Durchschnitt liegende Eigenkapitalausstattung. Man habe also die Vergabe von Firmenkrediten deutlich steigern können. Doch die neuen bürokratischen Hürden und ihr undemokratisches Zustandekommen bereiteten Sorge.
Schwächung der Langzeitkultur
Von einer Schwächung der Langzeitkultur sprach Klein. Denn die Bankenaufsicht wolle, dass Zinsen nicht auf Jahre hinaus festgeschrieben, sondern flexibel der jeweiligen Marktlage angepasst würden. Das aber verringere die Planungssicherheit der Unternehmen. In Spanien und den USA, wo die Marktanpassung praktiziert werde, habe solche Flexibilität schon manche Firma in die Insolvenz getrieben. Einstimmig folgte die Versammlung dem Vorschlag des Prokuristen Gerhard Böck über die Gewinnverwendung 2011. Böck wird voraussichtlich im September für den ausscheidenden Peter Keller in den Vorstand nachrücken.
Von den Satzungsänderungen, welche die Versammlung beschloss, sind zwei bedeutsam: Erstens bedarf die Auszahlung von Geschäftsanteilen künftig der Zustimmung von Vorstand und Aufsichtsrat. Zweitens wurde die jährliche Aufwandsentschädigung des Aufsichtsrates auf 0,1 Promille der Bilanzsumme festgelegt. Zuvor hatte die Versammlung Paul Hartinger in seiner Funktion als Mitglied des Aufsichtsrates bestätigt und das Gremium um eine Person erweitert. Neu und damit fünftes Mitglied im Rat ist der Tiermediziner Dr. Erhard Erdle.