Ausstellung in Krumbach: Sternenkind-Fotografen dokumentieren Abschied und Hoffnung
Krumbach
Unsichtbarer Schmerz sichtbar gemacht: Fotografen zeigen stille Begegnungen mit Sternenkindern
Bilder, die bewegen: In Krumbach dokumentieren Fotografen die letzten Begegnungen von Familien mit ihren Sternenkindern. Hinter den Kulissen berichten sie von berührenden Schicksalen.
Ein letztes Foto: Sternenkinder-Fotografen helfen Familien, den Tod ihres Kindes zu verarbeiten. Eine Ausstellung in Krumbach zeigt Bilder, die bei der ehrenamtlichen Arbeit entstanden sind.Foto: Stiftung Dein Sternenkind
Die flüchtigen Momente eines Lebens, so sehr ersehnt und gleich wieder vorbei, festhalten, vor dem Vergessen bewahren, ist das Ziel der ehrenamtlichen Fotografen der Stiftung Dein Sternenkind. Museumsleiterin Anita Roth sagte gleich ja, als Sternenkind-Fotografin Rebekka Seitzer aus Krumbach sie fragte, ob sie bereit wäre, im Krumbacher Heimatmuseum Fotografien auszustellen, ergänzt von informativen Veranstaltungen zum Thema.
Bei der Eröffnungsveranstaltung zur Wanderausstellung „Ich bin …“ der „Dein Sternenkind Stiftung“ erklärte Roth, dass sie die Bilder mit den Sternenkindern bewusst in einem „geschützten“ Raum ausgestellt hätte, weiter hinten im Museum, davor ein Tisch mit Büchern zum Thema und die Vitrine mit Kleidung und kleinen Andenken für Frühchen und verstorbene Kinder. Dann erst gelangt man durch einen schmalen Gang weiter in die Hauptausstellung, durch die Anordnung der Stellwände „ein Raum im Raum versteckt“. Sternenkind-Fotografin Rebekka Seitzer betonte im Anschluss: „Ich bin dankbar, dass ich die Bilder zeigen kann, ihnen damit einen Platz in der Gesellschaft gebe. Ein Beweis, dass das Kind, das den Sprung ins Leben nicht geschafft hat, dagewesen ist – der verblassenden Erinnerung entgegenwirken!“
Rebekka Seitzer bringt Sternenkind-Ausstellung ins Heimatmuseum Krumbach
Viele Eltern hätten nicht die Kraft, die Bilder sofort anzuschauen, aber sie wissen, sie sind da und das alleine würde schon helfen. Auch Vanessa Gleich aus Illertissen ist Sternenkind-Fotografin. Sie hatte selbst Fehlgeburten erlebt, aber mittlerweile zu ihrem Glück zwei gesunde Kinder. „Die Einsätze sind oft schlimm und belastend, aber man bekommt so viel Dankbarkeit zurück. Es wird auch leichter mit der Zeit und ich habe viel für mich gelernt“, berichtete sie.
Nadine Piehler stellt unter dem Label „Fußspuren“, Kleidung für Frühchen und Sternenkinder her, und Sternenkind-Fotografin Rebekka Seitzer aus Krumbach, die die Wanderausstellung in das Heimatmuseum Krumbach brachte.Foto: Ulla Gutmann
Alexander Kaya arbeitet für Lokalredaktionen der Augsburger Allgemeinen als Fotograf und ist ehrenamtlicher Sternenkind-Fotograf. Dazu hilft er als Trauerbegleiter bei den Johannitern. „Das hat gut zusammengepasst“, wie er meinte. „Die Eltern sagen oft, dass sie froh sind, dass jemand kommt. Manche wollen beim Fotografieren dabei sein, auch mit auf dem Bild, andere äußern Wünsche wie ein spezielles Kuscheltier. Hände und Füße des Kindes sind beliebte Motive, bei manchen Eltern muss man auch Vorschläge machen“, erzählte er.
Eltern nutzen Fotos ihrer Sternenkinder zur Trauerbewältigung
Zweimal wünschten sich die Eltern, dass er bei der Beerdigung dabei ist und fotografiert. „Diese Situation war für mich besonders emotional, schlimmer und schmerzhafter als die Fotoaufnahmen in der Klinik“, erklärte er. Durch seine Arbeit bei den Johannitern weiß er, dass es hilft, über das Schicksal des Verstorbenen und die eigenen Gefühle zu sprechen. Dort betreut er Kinder und Jugendliche, deren Eltern gestorben sind. „Ich bin nicht alleine, ich kann darüber reden“, sei wichtig, das weiß auch Vanessa Gleich. Sie hat auch für sich selbst diese Erfahrung gemacht. Die Eltern können die Fotos ihrer Sternenkinder anderen zeigen und ihren Schmerz, ihre Trauer, ihre Gefühle mitteilen, das sei heilsam. „Manche gestalten eine Art Schrein mit den Fotos, mit Kerzen, ein Ort, um sich zu erinnern, dem Kind nahe zu sein“, so Kaya.
Sonja Schalk, Kinderkrankenschwester und Palliativfachkraft im Memminger Klinikum, war Gast bei der Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung. Sie hält die Sternenkinder-Fotografie für sehr wichtig. „Gerade bei Kindern auf der Intensivstation sehen die Eltern kaum das Gesicht, überall sind Schläuche“, beschrieb sie die Situation und Fotografin Rebekka Seitzer ergänzte, dass die kleinen Kinder im Tod einen ganz besonders friedlichen Ausdruck im Gesicht hätten. Kein Schmerz, kein Leid. Das zu sehen, sei ein Segen für die Eltern.
Fotografen begleiten Eltern von Sternenkindern einfühlsam
Die „Dein Sternenkind Stiftung“ wurde Ende 2013 von Kai Gebel gegründet und bietet Eltern, die ein bereits verstorbenes Kind auf die Welt bringen müssen oder die wissen, dass der Tod ihres Neugeborenen unausweichlich bevorsteht, das kostenlose Angebot für Erinnerungsfotos. Seit 2016 wurde dieses Projekt bekannter und die Zahl der mitarbeitenden ehrenamtlichen Fotografen stieg, wie auch die Einsätze.
Anita Roth, Museumsleiterin im Mittelschwäbischen Heimatmuseum Krumbach, Rebekka Seitzer, Sternenkind-Fotografin, Sonja Tietz von der Koordinierungsstelle Frühe Hilfen (KoKi), sie begleitet auch Familien in denen es Sternenkinder gab, und Vanessa Gleich, Sternenkind-Fotografin aus Illertissen.Foto: Ulla Gutmann
Mittlerweile sind es etwa 700 engagierte Fotografen, alleine im April fotografierten sie 408 Sternenkinder. Und es werden weitere Fotografen gesucht. Wer Interesse hat oder sich einfach nur informieren möchte, kann am Samstag, 16. Mai, um 14.30 Uhr im Krumbacher Heimatmuseum mehr über die Aufgabe als Sternenkind-Fotograf erfahren.
Begleitete Ausstellungsrundgänge gibt es immer samstags um 16 Uhr. Die Ausstellung ist noch bis 7. Juni im Heimatmuseum Krumbach zu sehen, Donnerstag bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr. Mehr Informationen zum Thema über www.dein-sternenkind.org
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