Die Raiffeisenbank Schwaben-Mitte kann wieder auf ein außergewöhnlich erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken, erklärt Vorstandsvorsitzender Helmut Graf mit seinem Vorstandskollegen Matthias Kohl in einem Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir sind in allen wichtigen Bereichen überdurchschnittlich gewachsen“, sagt Graf. Besonders die privaten Kredite seien um sieben Prozent gestiegen. „Das unterstreicht, dass die Baufinanzierung wieder gefragt ist bei uns. Solch eine Steigerung haben wir in diesem Bereich seit Jahren nicht mehr gehabt.“
Nach längerer Zurückhaltung habe die Nachfrage nach Wohnraum wieder angezogen. „Es hat sich angestaut über die letzten Jahre. Und nun muss schlichtweg wieder Wohnraum geschaffen werden“, analysiert Graf. Die Zeiten hätten sich jedoch geändert: Statt großzügiger, schlüsselfertiger Neubauten wie vor fünf Jahren würden sich die Bauherrinnen und Bauherren auf kleinere Projekte mit mehr Eigenleistung konzentrieren, ergänzt Kohl. „Gebrauchte Immobilien um die 400.000 Euro, oder etwas mehr, werden vermehrt gekauft.“ Die Raiffeisenbank Schwaben-Mitte erreichte 2025 mit 87 Immobilien-Transaktionen einen historischen Höchststand. In den vergangenen Jahren wurden dagegen durchschnittlich 60 Gebäude weitergegeben. „Noch nie haben wir so viele Immobilien vermittelt wie letztes Jahr“, betont der Vorstand.
Die Raiffeisenbank Schwaben-Mitte blickt optimistisch auf 2026
Und auch bei den Kundeneinlagen gebe es Zuwächse: Insgesamt stiegen sie um 4,8 Prozent, wobei Privatkunden mit 5,9 Prozent deutlich mehr Gelder einzahlten als Firmenkunden mit 2,3 Prozent. Diese Entwicklung zieht sich durch das gesamte Geschäftsgebiet über die drei wirtschaftsstarken Landkreise Neu-Ulm, Günzburg und Unterallgäu. Die Gesamtkreditvergabe, einer der wichtigsten Geschäftsbereiche, wuchs um 3,8 Prozent, wobei auch hierbei die privaten Kredite mit besagten sieben Prozent deutlich stärker zulegten als die Firmenkredite mit einem Prozent. Die Bilanzsumme der Bank liegt demnach bei 2,06 Milliarden, das betreute Kreditvolumen bei 1,80 Milliarden und das Kundenanlagevolumen bei 2,84 Milliarden Euro.
Die Bank vermittelte zudem Wertpapiere in Höhe von 136,1 Millionen Euro, Bausparverträge in Höhe von 32,5 Millionen Euro (im Vorjahr waren es 61,8 Millionen Euro) und Lebensversicherungen im Wert von 15,3 Millionen Euro. Zudem verzeichnet die Bank verstärkte Nachfrage nach Schließfächern und Gold (3,9 Millionen) – ein Indikator für das Sicherheitsbedürfnis der Kunden. „Wir haben unsere Schließfächer in Krumbach, Babenhausen und Altenstadt erweitert“, erklärt Kohl. Der Diebstahl in Gelsenkirchen habe dagegen keine Auswirkungen auf sie gehabt. „Wir haben, getrieben durch unsere Versicherungspartner, unsere Kundinnen und Kunden bereits im Sommer angeschrieben, dass sie eine Einzelversicherung abschließen müssen, die zu Ihnen passt. Denn die standardmäßige Versicherungssumme bringt nichts, da wir ja nicht wissen, was drin ist. Und das sieht man jetzt in Gelsenkirchen.“
Beim privaten Sparen selbst setzt die Bank auf bekannte Konzepte: Monatliche Sparpläne auf Aktien, Fonds oder ETFs hätten sich über Jahrzehnte bewährt. Bei den Firmenkundinnen und ‑kunden sehe es derzeit anders aus, hier stottere der Wirtschaftsmotor. „Wir merken, dass die Firmen zwar noch relativ stabil sind, aber die Frage ist, wie lange sie das aushalten“, gibt Kohl zu bedenken. Von größeren Kreditausfällen blieb sie bisher verschont – „ein Verdienst solider Kreditpolitik“. Der Vorstand warnt aber: „Die Insolvenzwelle schwappt vom Osten in den Westen.“ Doch man sei vorbereitet und habe Reserven aufgebaut.
In Krumbach, Babenhausen und Altenstadt gibt es mehr Schließfächer
Mit 229 Mitarbeitenden, davon 111 in Vollzeit und 18 Auszubildenden, ist die Bank mit Hauptsitz in Krumbach nach eigenen Angaben personell gut aufgestellt. Dennoch sollen Prozesse mithilfe von KI effizienter gestaltet und dem Fachkräftemangel begegnet werden. „Es werden jedoch keine Arbeitsplätze durch den Einsatz von KI abgebaut, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen keine Angst haben“, versichert die Bankführung. Kundinnen und Kunden sollen von schnelleren Abläufen profitieren.
Mit dem europäischen Bezahlsystem „Wero“ will sich die Bank zudem unabhängiger von PayPal machen. Die Bank nutzt dafür keine Drittanbieter, sondern das genossenschaftliche Rechenzentrum Atruvia mit über 4000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Servern in Deutschland. „Datensicherheit durch europäische Server“, erklärt Graf. Bisher nutzen vier bis fünf Prozent der Kundinnen und Kunden Wero, im Frühjahr soll mit Amazon als neuem Partner die Akzeptanz steigen.
Ein besonderer Fokus liegt weiterhin auf dem gesellschaftlichen Engagement. 140.300 Euro hat die Raiba im vergangenen Jahr an regionale Vereine und Institutionen gespendet. „Ehrenamt ist der soziale Kitt unserer Gesellschaft, und wir wollen als Bank unseren Beitrag leisten“, betont Graf, wie bereits beim Bilanzgespräch im vergangenen Jahr.
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