Diese Gäste will definitiv niemand im heimischen Garten haben: Die Raupen des Eichenprozessionsspinners machen sich derzeit wieder im Landkreis Günzburg bemerkbar. Und die Plage ist offenbar deutlich stärker als in den vergangenen Jahren. Doch was können Gartenbesitzer tun, wenn die Raupen und ihre Gespinste plötzlich auftauchen? Und was ist zu beachten, wenn man mit den Brennhaaren in Kontakt gekommen ist? Wir haben beim Landratsamt nachgefragt und die wichtigsten Antworten zum Thema gesammelt.
Wie ist die Lage im Landkreis Günzburg?
Der Befall von Eichen durch den Eichenprozessionsspinner auf Liegenschaften und sonstigen Flächen des Landkreises, beispielsweise entlang von Kreisstraßen, hat in diesem Jahr merklich zugenommen, bestätigt das Landratsamt Günzburg. Täglich werden demnach weitere befallene Bäume festgestellt. „Gleichzeitig erreichen uns zunehmend Meldungen von Kommunen sowie Bürgerinnen und Bürgern aus dem gesamten Landkreis. Die Zahl der Hinweise steigt derzeit von Tag zu Tag an“, heißt es aus dem Landratsamt. In diesem Jahr zeigt sich eine merkliche Zunahme des Befalls. Welche Kommunen besonders betroffen sind, kann die Kreisbehörde nicht beantworten, denn der Befall ist nicht meldepflichtig. Gesundheitliche Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern seien noch keine gemeldet worden.
Wieso ist der Befall dieses Jahr so stark?
Das liegt offenbar am sehr trockenen Frühjahr. Bei Wärme und Trockenheit haben die Insekten optimale Bedingungen, sich auszubreiten. Und die Situation könnte sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen, warnt das Landratsamt. Im Zuge des Klimawandels und den damit verbundenen wärmeren Frühjahrsmonaten ist zu erwarten, dass sich der Eichenprozessionsspinner zukünftig in Gebieten ausbreiten wird, in denen er bisher nicht oder kaum vorkommt.
Was kann ich tun, wenn ich den Befall von Eichenprozessionsspinnern in meinem Garten entdecke?
Zunächst einmal: Ruhe bewahren. Zuerst sollte eine sichere Bestimmung der Raupen erfolgen, da auch andere Raupenarten Gespinste bilden können, etwa die harmlose Gespinstmotte. Eine eindeutige Abgrenzung ist daher wichtig, um Fehleinschätzungen zu vermeiden. Steht dann fest, dass es sich tatsächlich um einen Eichenprozessionsspinner handelt, muss geprüft werden, ob das Betreten des Bereichs um den befallenen Baum vermieden werden kann. Ist dies nicht möglich, empfiehlt sich die Hinzuziehung einer Fachfirma. Diese kann die Situation beurteilen und abhängig vom Entwicklungsstadium der Raupen geeignete Bekämpfungsmaßnahmen durchführen. Ist eine Nutzung des betroffenen Bereichs nicht erforderlich und sind auch keine weiteren Personen dadurch gefährdet, sollte dieser vorsorglich und insbesondere für Kinder, andere Haushaltsmitglieder sowie Haustiere abgesperrt bleiben.
Wie wird der Eichenprozessionsspinner bekämpft?
Der Kronenbereich befallener Bäume wird, soweit möglich und sofern keine unmittelbare Gefährdung von den Raupen ausgeht, abgesperrt und mit entsprechenden Hinweisschildern versehen. Befindet sich die Baumkrone hingegen unmittelbar im Bereich von Geh- und Radwegen oder beispielsweise auf Schulhöfen, sodass ein Kontakt mit den Brennhaaren von oben nicht ausgeschlossen werden kann, werden die Nester abgesaugt.
Ist eine chemische Bekämpfung nicht wirkungsvoller?
Der Einsatz von Spritzmitteln ist zwar wirksam, dennoch müssen die Nester mit den Brennhaaren anschließend ebenfalls abgesaugt werden, da sie sonst in den kommenden Jahren weiterhin Probleme verursachen können. Deswegen verzichtet die Kreisbehörde auf das Spritzen und lässt die Nester direkt absaugen. Biozidprodukte bekämpfen außerdem nicht nur die Raupen des Eichenprozessionsspinners, sie können auch andere Schmetterlingsraupen sowie weitere Organismen schädigen. Ihr Einsatz sollte daher sorgfältig abgewogen werden. Abhängig von der jeweiligen Befallssituation kann jedoch auch eine gezielte Behandlung mit zugelassenen Biozidprodukten sinnvoll sein. Der Einsatz chemischer Mittel ist allerdings nur in den frühen Larvenstadien sinnvoll, da die Raupen zu diesem Zeitpunkt noch keine Brennhaare ausgebildet haben. Zum Schutz der menschlichen Gesundheit dürfen ausschließlich zugelassene Biozidprodukte eingesetzt werden.
Welche Gesundheitsrisiken gehen vom Eichenprozessionsspinner aus?
Der Kontakt mit Brennhaaren der Raupen kann eine Raupendermatitis, einen Hautausschlag oder eine Bindehautentzündung hervorrufen. Auch Atemwegsreizungen, Schwindelgefühl oder Fieber können auftreten. Häufig nimmt die Empfindlichkeit von Einzelpersonen mit der Anzahl der Kontakte zu. Zu allergischen Schockreaktionen kommt es nur selten. Ursache ist das Nesselgift Thaumetopoein auf den Härchen der Larven. Dabei geht nicht nur von frischen Brennhaaren ein Risiko aus. Insbesondere bei Kindern sowie Personen mit Hauterkrankungen können zurückgebliebene Brennhaare in den Gespinstnestern Reaktionen hervorrufen. Ein erhöhtes Risiko besteht zudem für Beschäftigte in der Grün- und Baumpflege. Auch Tiere können durch den Kontakt mit den Brennhaaren beeinträchtigt werden. Bei ihnen besteht die Gefahr von Reizungen des Verdauungstraktes, der Haut oder der Augen. Zudem können die Brennhaare durch das Fell der Tiere verschleppt werden.
Was ist zu tun, wenn man mit den Brennhaaren in Kontakt gekommen ist?
Kommt es zu einem Kontakt mit den Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners, sollten die Kleidung und Schuhe möglichst schnell gewechselt und gereinigt sowie eine gründliche Dusche durchgeführt werden. Die betroffene Kleidung muss anschließend bei mindestens 60 Grad gewaschen werden, um das in den Brennhaaren enthaltene Nesselgift zu zerstören. Je nach Art und Intensität der Symptome sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Besonders bei einem möglicherweise auftretenden Hautausschlag kann dadurch geholfen werden.
Welche Auswirkungen hat der Eichenprozessionsspinner auf die heimischen Eichenbestände?
Bei starkem Befall kann die Eiche kahl gefressen werden, wodurch die Vitalität des Baumes geschädigt wird. Im Landkreis ist ein derartiger Schadverlauf jedoch bislang nicht aufgetreten. In der Regel können die betroffenen Eichen den Kahlfraß durch anschließenden Neuaustrieb gut kompensieren.
Gibt es natürliche Feinde, die zur Eindämmung beitragen können?
Als natürliche Gegenspieler des Eichenprozessionsspinners treten verschiedene heimische Arten auf. Dazu zählen Parasiten wie bestimmte Raupenfliegen und Schlupfwespen und deren Larven, die sich im Inneren der Raupen beziehungsweise Puppen entwickeln. Außerdem sind die Raupen Futter für verschiedene Vogelarten, und die Nachtschmetterlinge werden von Fledermäusen gejagt. Es wird angenommen, dass durch die Vögel und Fledermäuse eine Reduktion der Population um bis zu 50 Prozent erreicht werden kann. Zu den bekannten Vogelarten, die den Eichenprozessionsspinner als Nahrung haben, zählen unter anderem Meisen, Rotkehlchen, Sperlinge, Wiedehopf, Pirol und Kuckuck. Insbesondere die drei ersten Frühstadien der Raupen, die noch keine Brennhaare ausgebildet haben, werden gerne gefressen. Vereinzelt wurde zudem beobachtet, dass etwa Kohlmeisen Eichenprozessionsspinner-Raupen auch mit Brennhaaren fressen.
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