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Rinderhaltung im Günztal: Belohnung nach zerstörten Zäunen und versuchter Tierquälerei ausgelobt

Deisenhausen

Schrauben-Köder und zerschnittene Zäune: Wer steckt hinter den Angriffen auf die Rinder im Günztal?

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    Mit Schrauben gespicktem Futter sollten diese Wagyu-Rinder bei Oberbleichen von Unbekannten gequält werden. Jetzt ist eine Belohnung für Hinweise zur Ergreifung eines Täters ausgesetzt.
    Mit Schrauben gespicktem Futter sollten diese Wagyu-Rinder bei Oberbleichen von Unbekannten gequält werden. Jetzt ist eine Belohnung für Hinweise zur Ergreifung eines Täters ausgesetzt. Foto: Annegret Döring, Sammlung Manfred Schulz

    Es könnte so schön sein: Im Günztal sind die Wiesen saftig, Wildblumen wachsen dort. Ein paar kleine Kühe stehen drauf, es ist Jungvieh. Bei den schwarzen Wagyu-Rindern steht auch noch eine einzelne Fleischrassekuh mit eher hellbraunem Fell. Die Vögel zwitschern. Im Hintergrund ist der Kirchturm des Deisenhauser Ortsteils Oberbleichen zu sehen. Doch irgendjemand scheint es in dieser Idylle nicht zu passen, dass die Tiere dort sind. Und dieser Jemand entwickelt ziemliche kriminelle Energie, um größtmöglichen Schaden anzurichten.

    Immer wieder werden die Weidezäune der drei Wiesen, auf denen die Rinder sind, zerstört. Einfach durchgezwickt. Mal ist es der Stacheldraht, mal der Elektrodraht, oder auch das elektrische Weidezaunnetz. Die Summe der Schäden belaufe sich inzwischen auf mehr als 1000 Euro, berichtet Manfred Schulz von der Verpächtergesellschaft. Der Hof aus dem 19. Jahrhundert, zu dem zwei der Wiesen gehören, stammt familiär von der Seite seiner Frau. Er werde zwar nicht mehr bewohnt, aber gewirtschaftet wird mit ihm immer noch. Das braune Beistellrind bei den Wagyus ist seines. Das hält er für den Eigenbedarf. Die schwarzen Rinder hingegen züchtet sein 34-jähriger Pächter. Dieser ist auf dem Dorf aufgewachsen und hatte immer schon mit Tieren zu tun, ist aber kein Landwirt.

    Mit schraubengespicktem Futter sollten diese Wagyu-Rinder bei Oberbleichen von Unbekannten gequält werden. Jetzt ist eine Belohnung für Hinweise zur Ergreifung eines Täters ausgesetzt.
    Mit schraubengespicktem Futter sollten diese Wagyu-Rinder bei Oberbleichen von Unbekannten gequält werden. Jetzt ist eine Belohnung für Hinweise zur Ergreifung eines Täters ausgesetzt. Foto: Annegret Döring

    Die Schäden an den Weidezäunen bei Oberbleichen belaufen sich bereits auf über 1000 Euro

    Es war die Idee seines kleinen Sohnes, doch mal eine Kuh zu halten. Der Papa hatte sich über die japanische Edel-Rinderrasse informiert und vor gut zwei Jahren mit zwei Tieren angefangen, die er auch decken lässt. Zwischenzeitlich hatte er mal einen Ochsen dazugekauft, doch der wurde wieder veräußert. Derzeit zählt seine kleine Herde im Günztal fünf Tiere, drei davon sind trächtig. „Das Veterinäramt schaut natürlich, ob die Tiere fachgerecht gehalten werden“, erzählt der Besitzer. Schöner könnte es das Vieh kaum haben, davon sind die Verpächter und der Tierhalter überzeugt. Das ganze Jahr über gebe es Freilandhaltung. Im Winter biete ein Offenstall Schutz. Alle Weiden verfügen über Zugang zu Quellwasser, und von den insgesamt drei Flächen wird auch Heu für die Tiere produziert. Natürliche Schattenplätze seien auch vorhanden. Die dritte Weidefläche gehört einem weiteren Kompagnon. Insgesamt stehen für die Rinder rund fünf Hektar Wiese zur Verfügung.

    Deutlich sind die Flickstellen am Weidezaun bei Oberbleichen zu sehen. Ein Unbekannter hatte alle drei Drähte durchgezwickt.
    Deutlich sind die Flickstellen am Weidezaun bei Oberbleichen zu sehen. Ein Unbekannter hatte alle drei Drähte durchgezwickt. Foto: Annegret Döring

    Im letzten Herbst fing es an, dass Zäune um die Weiden zwischen Oberegger Stausee und Oberbleichen zerschnitten wurden. Eine Tour über die Weiden zeigt auch die Flickstellen an den Zäunen. Mindestens zehnmal mussten die Verantwortlichen für die Weiden seit vergangenem Herbst ausrücken, um die Einzäunungen zu reparieren. Einmal war auch ein Weidezaungerät gestohlen. Alles wurde auch der Polizei gemeldet. „Da schläfst du teilweise nicht mehr“, sagt der Viehalter, „du könntest glatt durchdrehen“. Er macht nun tägliche Kontrollgänge. In Absprache mit der Polizei haben die Verpächter und der Viehzüchter vereinbart, eine private Belohnung auszusetzen, die es für Hinweise zur Ermittlung des Täters geben soll. Entsprechende Plakate um die Weiden machen darauf aufmerksam. Falls also jemand im Bekanntenkreis sich der Taten gebrüstet haben sollte, könnte dies ein Anreiz sein, den Täter doch zu melden.

    In schönster Günztal-Idylle weiden diese Rinder bei Oberbleichen. Das scheint jemandem nicht zu passen. Bereits zehn Mal seit letzten Herbst wurden ihre Weidezäune zerstört.
    In schönster Günztal-Idylle weiden diese Rinder bei Oberbleichen. Das scheint jemandem nicht zu passen. Bereits zehn Mal seit letzten Herbst wurden ihre Weidezäune zerstört. Foto: Annegret Döring

    Sie hatten bereits auf eigene Faust versucht, per Kamera einen Blick auf Tatpersonen zu erhaschen, „aber da erkennst du so gut wie nichts“, so der 34-Jährige. Einmal waren die Tiere auch schon draußen. „Da haben wir zum Glück einen Anruf aus dem Dorf bekommen und konnten die Tiere zurücktreiben.“ Neben der Gefahr für die Tiere selbst, würden durch solch einen Vorfall auch Verkehrsteilnehmer gefährdet. Als Manfred Schulz noch selbst Rinder für den Verkauf züchtete, seien mal vor Jahren Tiere davongelaufen, die nicht mehr eingefangen werden konnten. Sie wurden zum Abschuss freigegeben und mussten „vom Alter her viel zu früh sterben“, so Schulz. Die Wagyu-Rinder würden erst mit etwa vier Jahren geschlachtet, so der Tierhalter.

    Versuchte Tierquälerei: Mit Schrauben gespicktes Futter wurde an der Weide ausgelegt

    Geht es bei den Zerstörungen der Zäune lediglich um Sachbeschädigung – die zwar auch schlimme Folgen haben könnte, wenn die Tiere auf die Straße laufen – so sind noch schlimmere Taten an den Weiden versucht worden. Die Weideverantwortlichen haben wiederholt abgelegte Äpfel und Karotten gefunden, die mit Schrauben gespickt worden waren. „Ich habe im Dezember am Zaun einen Apfel gefunden und wollte ihn schon in die Wiese schmeißen, da habe ich gesehen, dass da etwas heraussteht“, erzählt der Tierhalter über den Fund. Es waren hineingedrehte Spax-Schrauben. Nach Meldung an den Tierarzt versicherte ihnen dieser, dass die Tiere daran elendig zugrunde gehen würden. Das sei Tierquälerei, hieß es, „einfach eine Schweinerei“, kommentiert es der Tierhalter. Der jüngste Vorfall an den Weiden ist am Wochenende über den 1. Mai verübt worden.

    Solche präparierten Äpfel wurden im Februar an einer Rinderweide bei Oberbleichen gefunden.
    Solche präparierten Äpfel wurden im Februar an einer Rinderweide bei Oberbleichen gefunden. Foto: Sammlung Manfred Schulz

    Tierhalter und Verpächter können sich nicht vorstellen, wer gegen ihre Rinderhaltung auf den Weiden im Günztal ist. Neider könnten es schon sein, aber niemand sei offen gegen sie aufgetreten oder hätte Streit mit ihnen. Wagyu-Fleisch genießt unter Kennern einen legendären Ruf und ist sehr teuer. Es wird oftmals von Edelrestaurants aufgekauft. Je nach Stück kann es schnell mehrere Hundert Euro pro Kilo kosten, denn das Fleisch der auch als Kobe-Rinder bekannten Wagyu-Rasse gilt als Delikatesse. Ein Wagyu-Jungrind kostet in der Anschaffung das Drei- bis Vierfache eines Rinds herkömmlicher Rassen. In die Preisbildung zählen viele Faktoren hinein, zum Beispiel auch die Genetik der aus Japan stammenden Rasse. „Nach oben gibt es praktisch keine Grenzen“, weiß der Tierhalter. Jedenfalls haben die Weideverantwortlichen festgestellt, dass es im Umkreis ihrer Wiesen noch Rinderweiden anderer Landwirte gibt, auf denen keine Sachbeschädigungen verzeichnet wurden.

    Wer Hinweise zu den Sachbeschädigungen und den Tierquälversuchen geben kann, wird gebeten, sich an die Polizeiinspektion Krumbach unter der Rufnummer 08282/9050 zu wenden.

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