Startseite
Icon Pfeil nach unten
Kultur
Icon Pfeil nach unten

Beifall für Ibsens "Borkman" in Hamburg

Kultur

Beifall für Ibsens "Borkman" in Hamburg

  • |
  • |
  • |
    Beifall für Ibsens «Borkman» in Hamburg
    Beifall für Ibsens «Borkman» in Hamburg Foto: DPA

    Bei der Premiere von Henrik Ibsens Gesellschaftsdrama "John Gabriel Borkman", in dem sie voller Präsenz, Leidenschaft und expressiver Gestik eine einst um dessen Karriere willen von ihrem Geliebten verlassene Frau spielt, erhielt Wied am Donnerstagabend im Ernst-Deutsch-Theater viel Beifall. In der klassischen Inszenierung Wolf-Dietrich Sprengers bieten auch die erfahrenen Stars Uwe Friedrichsen und Elfriede Irrall packende psychologisch angelegte Leistungen der alten Theater-Schule. Allerdings: Bei dem hohen Niveau der Mimen würde mancher Auftritt noch überzeugender wirken, wäre er zurückgenommener gestaltet.

    Das 1896 vom Norweger Ibsen verfasste Dialogstück scheint das Werk der Stunde zu sein: Friedrichsen spielt die Titelrolle eines ehrgeizigen, machtbesessenen Bankdirektors, der nicht nur die Liebe verraten, sondern auch in großer Höhe Gelder von Anlegern veruntreut hat. Dieser Borkman muss dafür mit Gefängnis und Isolation büßen: Im Schlafrock zeigt der 75 jahre alte Schauspieler einen zerrissenen Mann voller Selbsttäuschung und Wunschdenken, der mal wild zwischen seinen alten Aktenordnern einen "Danse macabre" tanzt, mal mit erhobenem Zeigefinger doziert, es sei "das Wichtigste, den Glauben an sich nicht zu verlieren".

    Die kaputten Seelenzustände und Beziehungen seines Umfeldes gestaltet auch die Wienerin Irrall als Borkmans in ihrem sozialen Stolz getroffene Ehefrau, die sich weinend und in eine Wolldecke gehüllt auf das Biedermeiersofa zurückzieht, das nun - wie das ganze Haus - ihrer Schwester (Wied) gehört.

    Noch in den Nebenrollen ist die zum Teil tragikomische Aufführung, die Regisseur Sprenger in die krisengeschüttelten 20er Jahre verlegte (Ausstattung: Achim Römer), stimmig besetzt. Eine reelle Chance auf eine bessere, sinnvolle Zukunft hat dabei keine der Bühnenfiguren - auch nicht die Jugend, die aus den Verhältnissen flieht: Zu irrational und rücksichtslos-egoistisch bleiben aller Motive.

    www.ernst-deutsch-theater.de

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden