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Der Standhafte: Pianist Justus Frantz wird 65

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Der Standhafte: Pianist Justus Frantz wird 65

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    Der Standhafte: Pianist Justus Frantz wird 65
    Der Standhafte: Pianist Justus Frantz wird 65 Foto: DPA

    Als junger Pianist neben Stardirigent Herbert von Karajan, der ihm 1970 - mit 26 Jahren - zum Durchbruch in die internationale Spitzenklasse verhalf; neben Leonard Bernstein, mit dem ihm eine lebenslange Freundschaft verband; und neben Altbundeskanzler Helmut Schmidt, mit dem er das Schleswig-Holstein- Musikfestival (SHMF) 1986 aus der Taufe hob. Das Leben von Justus Frantz, der an diesem Montag (18. Mai) seinen 65. Geburtstag feiert, ist reich an bewegten Momenten, im Regal gegenüber stehen ein Bambi und eine Goldene Kamera für seine ZDF-Show "Achtung! Klassik".

    Dabei stand seine Kindheit unter keinem guten Stern. 1944 im schlesischen Hohensalza (heute: Inowroclaw/Polen) geboren, floh seine Mutter mit ihm und den vier Geschwistern Ende des Zweiten Weltkriegs nach Norddeutschland. Sein Vater, ein Oberstaatsanwalt in Breslau, wurde wegen eines Gerichtsurteils gegen einen Judenmörder zu einer "Bewährungskompanie" an die Front abkommandiert und fiel dort vier Monate vor seiner Geburt. "Er hat sein Leben wahrscheinlich aufgrund seiner Aufrichtigkeit verloren und seines Gefühls für Menschlichkeit und Zivilcourage und deshalb heiße ich auch Justus, und deshalb heißt auch mein kleiner Sohn wieder Justus - der Standhafte, der nach Rechtsuchende", sagt Frantz im dpa-Interview, der mit seinen wachen Augen, dichtem Haar und Hornbrille immer noch jugendlich wirkt.

    Freunde der Familie im holsteinischen Tesdorf machten den kleinen Justus mit der Musik vertraut. Sie veranstalteten Hausmusikabende, stellten ein Kammerorchester zusammen. "Wenn alles weg ist, muss man irgendwie innere Größe bewahren, um mit der Situation fertig zu werden", erinnert sich der Pianist. Dabei habe ihm die Musik geholfen über die schwere Nachkriegszeit hinwegzukommen. "Wir hatten nichts zu essen, hatten kein Geld für Schuhe - aber wir hatten die Musik, ein ganz großer Besitz." Da er selbst kein Instrument spielen konnte, fühlte er sich ein wenig ausgeschlossen. "Das hat in mir den Ehrgeiz geweckt, auch dazuzugehören." Sein vierjähriger Sohn Justus Konstantin wird es da mal leichter haben: Im Musikzimmer der Familie steht bereits sein kleines Klavier und einen kleinen Marsch zusammen mit seinem Vater kann er auch schon spielen.

    Nach seinem Studium an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater startete Frantz seine Weltkarriere. Als er für seinen Freund Christoph Eschenbach auf Gran Canaria einsprang, entdeckte er seine Liebe zu der Kanaren-Insel, kaufte sich einen kahlen Hang und baute dort die "Casa de los Musicos". Auf dieser Finca wurde bei Gesprächen mit Altbundeskanzler Helmut Schmidt und dem damaligen Ministerpräsidenten Uwe Barschel die Idee des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) geboren. "Ein Festival mit Konzerten auf dem Land gab es damals noch nicht", erinnert sich der Dirigent, der als Musikmanager öfter in der Kritik stand. Nach Querelen um ein Defizit in Millionenhöhe trat er 1994 als Intendant zurück. "Das Festival zu verlassen war ein großer Fehler. Das würde ich heute nicht mehr tun."

    Doch bald schon zauberte der Umtriebige ein neues Projekt aus den Ärmeln: Die "Philharmonie der Nationen" - ein ausschließlich von privaten Sponsoren und einem Förderverein finanziertes Orchester mit internationalen Nachwuchskünstlern. Mit "seinem" Orchester musizierte er sogar für Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz. "Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn tausende von Menschen plötzlich inne halten und der Musik lauschen." Im Frühjahr 2010 tourt er mit der "Philharmonie" durch Südostasien und die USA. Davor ist jedoch erstmal Entspannung angesagt: Mit seiner jungen Frau, der russischen Geigerin Xenia und Sohn "Jujuscha" kreuzt er an seinem Geburtstag mit der "MS Europa" durch die Ägäis - bevor im September sein "Finca- Festival" auf Gran Canaria startet.

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