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Filme in Coronazeiten

11.10.2020

Hollywood-Insider prognostiziert: "Die Filmflaute kommt 2021"

Weniger Drehs, weniger Filme, kaum Zuschauer - das Kino verliert durch die Corona-Krise an Bedeutung, prognostiziert der Hollywood-Insider Thomas Ganshorn.
Bild: Christoph Soeder, dpa

In der Corona-Pandemie hatten die Filmemacher Zeit, Neues zu probieren. Ein Kino-Insider erklärt, wie die Branche durchgeschüttelt wird und was sich für Kinofans ändert.

Der Kinostart des neuen James Bond – wieder verschoben, „Avatar 2“ – läuft erst 2022 an, „Mulan“ kam gar nicht ins Kino und gleich im Streamingdienst – harte Zeiten für Film-Fans. Die Corona-Pandemie hat bereits massive Auswirkungen auf die Filmproduktionen. Doch das dicke Ende kommt erst noch, meint der gebürtige Friedberger Thomas Ganshorn, der als Special-Effect-Experte bereits an großen US-Filmproduktionen mitarbeitet und einen Oscar gewonnen hat. Wir haben ihn um eine Prognose gebeten:

  • Kollaps:Corona hat einen desaströsen Einfluss auf die Filmindustrie. Die letzten Monate waren noch die letzten Projekte abzuarbeiten, aber tatsächlich finden gerade wenige Drehs statt oder werden sofort wieder abgebrochen, was zu einem großen Teil dafür sorgen wird, dass 2021 große Teile der Branche schlicht Probleme bekommen werden, weil sie keine Aufträge haben. Die Zuschauer werden in den nächsten vier bis fünf Jahren eine Filmflaute bemerken. Nächstes Jahr schon laufen weniger Filme an.“
  • Umverteilung: „Große Firmen wie Disney werden überleben, kleine gehen ein oder müssen etwas anderes machen. Sie werden erst einmal die Preise senken – und diese sind eh schon oft zu niedrig, um Gewinn zu machen. Die Streamingdienste sind die Krisengewinner, weil nun mehr Filme daheim angesehen werden. Netflix, Amazon und Apple verzeichnen Gewinne und können, wenn alles klappt, mit neuer Technik in kleineren Teams weiterproduzieren. Noch ist einen Menge Geld da, das investiert werden will. Es wird mehr Leuchtturmprojekte geben.“
  • Kino verliert:Kino wird weniger wichtig. Es hat jetzt schon den Status ,kostet viel, bringt wenig‘. Das Kino wird nicht ganz sterben, für manche Filme ist ein audiovisuelles Erlebnis ja wichtig. Aber es wird sich stark verändern. Die Technik und Säle werden vermehrt für private Veranstaltungen, Präsentationen oder Messen verliehen.“
  • Mehr Serien: „Es wird noch mehr Serien geben, weil die günstiger zu produzieren und leichter anzupassen sind sowie den Kunden binden. Es haben sich auch schon neue spannende Formate entwickelt – zum Beispiel der ,Lockdown Movie‘, der während der Corona-Quarantäne entwickelt, gedreht und geschnitten wurde. Dezentral, in den Wohnungen der Schauspieler.“
Das Augsburger Kino Liliom veranstaltet sein Autokino in Gersthofen am Festplatz.
12 Bilder
So lief der erste Abend im Gersthofer Autokino
Bild: Marcus Merk
  • Technologiewechsel: „Wenn weniger gedreht wird, bleibt mehr Zeit, um Neues auszuprobieren. Zum Beispiel mit LED-Leinwänden anstatt mit Green-Screens zu arbeiten. So kann man die Kulisse riesig beim Drehen einblenden – ähnlich wie bei einem Holodeck in den Star-Trek-Filmen – und muss sie nicht hinterher am Computer einbauen. Zudem kann man so mit kleineren Teams an einem Ort arbeiten und muss nicht riesige Crews durch die Gegend fliegen und zeigt deren Ergebnis später auf der LED-Wand. Später wird der Film einfach zusammengeschnitten.“
  • Weniger Aufwand: „Wenn weniger produziert wird, ist die Konkurrenz nicht so groß, und auch Teams, die weniger Aufwand investieren können, haben eine Chance. Auf der anderen Seite ermöglicht die neue Technik, dass günstiger und einfacher gedreht werden kann und dass Szenen auch einfacher mal wiederholt werden können. Bei gleichem Aufwand ist also auch bessere Qualität möglich.“
  • Fachkräftetransfer: „In diesen Zeiten ist es für die Firmen wichtig, sich für die Zukunft zu positionieren. Gute Fachkräfte, die sonst unbezahlbar gewesen wären, sind nun auf dem Markt. Wer die Technik aufrüstet und Innovation bietet, kann nach der Flaute durchstarten, sofern er sie überlebt hat.“

Mehr über Thomas Ganshorns Arbeit erfahren Sie hier: Friedberger Spezialeffekt-Profi: So entsteht die Macht bei Star Wars

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