Startseite
Icon Pfeil nach unten
Kultur
Icon Pfeil nach unten

Intendant Frank Baumbauer wird 65

Kultur

Intendant Frank Baumbauer wird 65

  • |
  • |
  • |
    Intendant Frank Baumbauer wird 65
    Intendant Frank Baumbauer wird 65 Foto: DPA

    Als einer der erfolgreichsten Intendanten der deutschsprachigen Theaterlandschaft überlässt er es seinen Schauspielern und Regisseuren im Rampenlicht zu stehen. Am 2. September wird der gebürtige Münchner 65 Jahre alt. Damit geht auch sein Sabbat-Jahr zu Ende, das er zurückgezogen und fern von jeder Intendantenverantwortung in seinen Häusern am Chiemsee und in Italien verbrachte.

    Ist eine neue Aufgabe schon in Sicht? "Wenn ich wieder etwas annehme, dann nur etwas, wo ich zeitlich sehr viel konzentrierter arbeiten kann - bei einem Festival zum Beispiel", sagt Baumbauer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Eine Intendanz an einem Stadttheater werde er nie wieder übernehmen. "Jetzt muss die jüngere Generation ran. Wir haben damals wie die Verrückten an den Stühlen der Alten gerüttelt, die nicht weichen wollten ... Aber sie klebten an ihren Sitzen. Deshalb habe ich mir jetzt mit Mitte 60 gesagt: "Nee, das mach mal nicht"."

    Der zurückhaltende Baumbauer ging immer auf der Höhe seines Erfolges - bevor er mit seinen anspruchsvollen und gewagten Programmen in der Gunst des Publikums oder der Kulturpolitiker sinken konnte. "Nur keine Routine", war und ist seine Devise. Das Theater in Basel (1988-1993), das deutsche Schauspielhaus Hamburg (1993-2000) und zuletzt die Münchner Kammerspiele (2001-2009) machte der grauhaarige Schnurrbartträger, der auch Schauspielleiter der Salzburger Festspiele (1999-2001) war, zu den meistgelobten Bühnen der vergangenen Jahrzehnte. Fünf Mal wurden Häuser unter seiner Leitung von Kritikern zum "Theater des Jahres" gewählt.

    Mit seiner Bescheidenheit, seiner Liebe für Künstler und der Fähigkeit, mit Fürsorge und gutem Blick für Begabungen klug zu führen, hat Baumbauer stets ein Umfeld geschaffen, aus dem viele erfolgreiche Künstler hervorgingen - Autoren, Schauspieler, Dramaturgen und Regisseure, die mittlerweile selbst die Szene prägen oder eigene Häuser leiten. Darunter die Regisseure Christoph Marthaler, Jossi Wieler, Luk Perceval, Anselm Weber, die Dramaturgen Wilfried Schulz, Matthias Lilienthal, Stefanie Carp, die Schauspieler Julia Jentsch, Nina Kunzendorf und Stephan Bissmeier.

    Mit seinen Spielplänen riskierte Baumbauer Brüche, bot in neuen Formen Zeitgenössisches und provokante Klassiker-Inszenierungen. Aus manchem anfänglichen Skandal wurde später Kult: So wie Shakespeares "Othello" in der sprachlichen Fassung von Feridun Zaimoglu und der Regie Percevals (München 2003). Dass er auch ein knallharter Kaufmann ist, der es verstand, mit seinen Etats zu jonglieren, trug zum Erfolg bei.

    Mit am wichtigsten ist ihm die richtige Mischung der Künstler. "Ein einzelner ist nichts. Es kommt auf die Zusammenführung am richtigen Ort an - das ist wie Kuppelei. Künstlerischer Erfolg hat mit dem Gemenge zu tun", sagt Baumbauer, der sich selber gerne einen "Ermöglicher" nennt und einen "Beschützer von Künstlern". Das liegt ihm vielleicht im Blut: seine Mutter war die im vergangenen Januar gestorbene, berühmte Münchner Künstleragentin Erna Baumbauer.

    Nach dem Schulabschluss studierte er Germanistik, Soziologie und Theaterwissenschaften an der Universität München, war von 1970 bis 1972 Regieassistent am Düsseldorfer Schauspielhaus und wechselte im Anschluss an das Bayerische Staatsschauspiel. Seit 1975 war er dort Leiter des künstlerischen Betriebsbüros, ab 1980 zusätzlich persönlicher Mitarbeiter des Intendanten Kurt Meisel und avancierte 1983 für drei Jahre zum Schauspieldirektor des Residenztheaters.

    Das Angebot, 2009 ans Deutsche Theater Berlin zu wechseln, lehnte Baumbauer ab; dort ist nun Ulrich Khuon Intendant. "Ich habe keine Ahnung, was als nächstes kommt - das ist ja das Tolle", meint Baumbauer. Herausforderungen hat er jedenfalls nie gescheut.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden