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Interview
02.07.2022

Antonio Banderas: "Hätte mir nie träumen lassen, in Hollywood zu landen"

In Spanien zu Hause, in der ganzen Welt ein Star: Antonio Banderas ist gerade in "Der beste Film der Welt" zu sehen.
Foto: Isabel Infantes

Hollywoodstar Antonio Banderas veralbert aktuell im Kino mal wieder die Filmwelt und sich selbst – aber wie ist er eigentlich wirklich? In so manches gewährt er hier Einblick

Herr Banderas, Hand aufs Herz: Wie viel hat die in „Der beste Film aller Zeiten“ gezeigte Filmbranche mit der Realität zu tun?

Antonio Banderas: Um Realismus ging es in diesem Fall wirklich nicht, und ich denke, dass mindestens 95 Prozent meines Arbeitsalltags nichts gemein haben mit dem, was wir jetzt in dieser Komödie zeigen. Natürlich begegnet man hin und wieder mal Kolleginnen und Kollegen, die sich ganz schön sonderbar verhalten oder sich benehmen, als würde sich alles nur um sie drehen. Aber die Regel ist das nicht, denn eigentlich wissen wir alle, dass man beim Film oder Theater ein funktionierendes, harmonisches Team braucht, um gute Arbeit abzuliefern. Und auch wenn ich nicht bestreiten will, dass es früher sicher mal Diven gab, die meinten, sie können nur arbeiten, wenn ihre Garderobe komplett rot gestaltet ist, habe ich von solchen albernen Sonderwünschen schon ewig nichts mehr gehört.

Fällt es Ihnen leicht, sich über sich selbst und Ihren Berufsstand lustig zu machen?

Banderas: Ich liebe es. Überhaupt finde ich Lachen und Humor so wichtig wie kaum etwas anderes im Leben. Bei Licht betrachtet gibt es ja auch kaum etwas, das menschlicher ist. Sex zum Beispiel haben andere Lebewesen auch. Aber lachen tun eigentlich nur wir. Weswegen ich mir dieser Tage auch ein wenig Sorgen mache, was den Umgang mit Humor angeht. Früher war zumindest bei uns in Spanien die Devise, dass man über alles lachen darf. Heutzutage gibt es immer mehr Berührungsängste und jeder wird immer vorsichtiger, was Witze angeht. Das finde ich mitunter bedauerlich.

Ohne zu viel vom Inhalt von „Der beste Film aller Zeiten“ zu verraten: Sie landen im Film im Krankenhaus und kämpfen um Ihr Leben. Ging Ihnen das angesichts Ihrer persönlichen Erfahrungen mit dem Herzinfarkt, den Sie vor einigen Jahren erlitten, nicht zu nahe?

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Banderas: Ach nein, das habe ich nicht auf meine eigenen Erlebnisse bezogen und deswegen nicht zu viele Gedanken daran verschwendet. Mir geht’s ja wieder gut. Aber Sie haben Recht: Wir sollten nicht zu viel über diese Passage des Films verraten.

Sie und Penélope Cruz spielen hier zum ersten Mal gemeinsame Hauptrollen. Aber Sie kennen sich sicherlich schon ewig, oder?

Banderas: Ja, seit Penélope 19 Jahre alt ist. Wir waren damals Nachbarn in New York, als sie das erste Mal in die USA kam. Später in Los Angeles haben wir uns auch viel gesehen, und auch immer wieder versucht, ein gemeinsames Projekt zu finden. Aber außer mal einer Szene bei Pedro Almodóvar hat sich nie etwas ergeben. Umso schöner war die Kollaboration jetzt, gerade weil wir uns schon so lange kennen.

Hat sie Sie als Schauspielerin überrascht?

Banderas: Nicht was ihr Talent angeht. Das war mir natürlich längst bekannt. Aber ich war erstaunt, dass sie morgens eigentlich immer schon in ihrer Rolle steckte, wenn sie ans Set kam. Dadurch vergaß ich wirklich manchmal, dass da Penélope vor mir stand, und baute stattdessen eine Beziehung zu der Regisseurin Lola auf, die sie spielte. Das war spannend. Und immer wieder interessant, wie schnell sie abends nach Drehschluss dann doch wieder sie selbst war, sobald sie diese rote, wilde Perücke abnahm.

In „Der beste Film aller Zeiten“ geht es auch um die Preise, mit denen Schauspieler ausgezeichnet werden. Was bedeuten Ihnen solche Ehrungen?

Banderas: Es wäre gelogen zu sagen, dass sie mir egal sind. Wir haben schließlich alle unsere Eitelkeit, und natürlich war es ein tolles Gefühl, zum Beispiel für „Leid und Herrlichkeit“ den Preis in Cannes zu erhalten. Aber zu viel Bedeutung sollte man der Sache vielleicht auch nicht beimessen. Denn wenn ich zum Beispiel an die Oscars denke, wo ich dann ja auch nominiert war, kann ich bis heute nicht ganz begreifen, was man da für eine Kampagne betreiben muss. Ich bin ständig wieder aus Spanien in die USA geflogen, um quasi für mich selbst die Werbetrommel zu rühren. Und habe mich die ganze Zeit dabei gefragt, warum es eigentlich nicht reicht, wenn alle einfach bloß den Film gucken.

In Gesprächen wirken Sie meist unerschütterlich fröhlich und gut gelaunt. Entspricht das Ihrer Persönlichkeit?

Banderas: Prinzipiell würde ich schon von mir behaupten, dass ich pathologisch optimistisch bin. Was in Zeiten wie diesen nicht unbedingt leicht ist, denn man muss nur den Fernseher einschalten, um zu sehen, dass die Mehrzahl der Menschen diesen positiven Blick auf die Welt scheinbar nicht teilt. Und definitiv nicht lebt. Ich kann mir trotzdem nicht helfen. Nur so kann ich funktionieren, alles andere würde mich wahnsinnig machen.

Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft?

Banderas: Hm, ich würde eher sagen, dass ich neugierig bin. Wenn ich in die Zukunft reisen könnte, dann doch bitte gleich einen Sprung von 300 oder 400 Jahren nach vorne. Gibt es die Menschheit dann überhaupt noch? Und wenn ja, wie haben wir doch noch mal die Kurve gekriegt? Solche Fragen finde ich spannend. Meine eigene Zukunft will ich dagegen lieber nicht wissen. Die Vorstellung, zu wissen was auf mich zukommt, macht mir irgendwie Angst. Denn was ist, wenn ich plötzlich erfahre, dass ich schon in 20 Jahren gar nicht mehr lebe? Das würde mich doch um den Verstand bringen!

Dann also lieber eine Reise in die Vergangenheit?

Banderas: Zu sehen, wie die Ereignisse abliefen, die wir nur aus Geschichtsbüchern kennen, stelle ich mir höchst faszinierend vor. Allerdings wäre ich dann gerne unsichtbar. Die Vorstellung, im altem Rom in den Knast gesteckt zu werden, weil ich kein Latein kann, ist nicht unbedingt die angenehmste.

Ich dachte jetzt eher an Ihre eigene, ganz persönliche Vergangenheit...

Banderas: Ein bisschen die Uhr zurückdrehen, um womöglich irgendwelche Fehler auszubügeln? Das würde mich nicht interessieren. Schließlich bin ich glücklich mit meinem Leben, so wie es ist, also warum sollte ich daran etwas verändern?

Staunen Sie manchmal noch über Ihren Lebensweg, wenn Sie zurückblicken?

Banderas: Und wie! Als ich Anfang der Achtziger aus meiner Heimatstadt Málaga wegging, um Schauspieler zu werden, hatte ich nicht die geringste Ahnung, ob das überhaupt klappen würde. Irgendwann einmal nicht nur in Madrid, sondern sogar in Hollywood zu landen – das hätte ich mir im Leben nicht träumen lassen.

Zur Person: Antonio Banderas wurde am 10. August 1960 als José Antonio Domínguez Bandera im südspanischen Málaga als älterer zweier Söhne eines Polizisten und einer Lehrerin geboren. Der Traum vom Profifußball scheiterte früh an einer Beinverletzung, stattdessen begann der junge Mann zu schauspielern. Das zusätzliche „s“ am Ende seine Nachnamens fügte er sich im Abspann seines ersten Films vor 40 Jahren als politisches Bekenntnis zu Spaniens abtrünnigen Regionen hinzu. Zehn Jahre und bereits einige Drehs mit Starregisseur Pedro Almodóvar später siedelte er in die USA über und wurde durch Filme wie „Desperado“, als Zorro oder Latin Lover oder „Der 13te Krieger“ zum Star. Banderas hat aus der Ehe mit Kollegin Melanie Griffith, seiner zweiten, eine Tochter und ist seit einigen Jahren mit der deutsch-niederländischen Anlageberaterin Nicole Kimpel liiert.

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