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  4. Interview: Charlotte Gainsbourg: "Ich sehe mich einfach nicht gerne selbst"

Interview
07.01.2023

Charlotte Gainsbourg: "Ich sehe mich einfach nicht gerne selbst"

Die Mutter Jane Birkin, der Vater Serge Gainsbourg – sie, Charlotte, 51, aber eine eigene Marke.
Foto: Gerald Matzka

Charlotte Gainsbourg spielt in zwei neuen Filmen mit. Im Interview spricht sie über Skandale von früher und erklärt, warum sie sich um die Kunstfreiheit sorgt.

Frau Gainsbourg, Sie sagten kürzlich mal, dass Sie eigentlich nie rational, sondern immer nur instinktiv entscheiden, ob Sie eine Rolle annehmen. Worauf sprang Ihr Instinkt bei Ihrem aktuellen Film „Passagiere der Nacht“ an?

Charlotte Gainsbourg: Tja, wie beschreibt man Instinkt? Ich war beim Lesen des Drehbuchs einfach gerührt, von der Geschichte und vor allem von den Figuren. Da herrschte so eine zarte Sanftheit, die mich angesprochen hat. Deswegen habe ich mich dann mit dem Regisseur Mikhaël Hers getroffen, um ein Gespür dafür zu bekommen, ob er wohl auch jenseits des Skripts diesen Feinsinn mitbringen würde. Ich war bis zum Schluss, als ich dann den fertigen Film sah, nicht ganz sicher, wie diese Geschichte am Ende auf der Leinwand wirkt.

Und waren Sie zufrieden?

Gainsbourg: Mich hat sehr gefreut, wie liebevoll und großzügig Mikhaël die von mir gespielte alleinerziehende Mutter und die anderen Figuren zeigt, die alle sehr ehrlich und liebenswert sind. Diesen Grad an Emotionalität sind wir heutzutage kaum noch gewohnt. Ich war ein wenig nervös, weil ich manchmal das Gefühl habe, dass ich in gewissen Rollen zu sentimental oder zu lieb wirke. Gerade weil ich in der Rolle so viel weine und deprimiert bin. Solche Verletzlichkeit zu zeigen, ohne dass es zu viel wird, ist immer ein Drahtseilakt. Aber der Film balanciert das gerade richtig aus.

Setzt Ihr Instinkt sofort ein oder lesen Sie manchmal Drehbücher auch häufiger, um zu gucken, ob das nicht doch noch etwas für Sie sein könnte?

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Gainsbourg: Zunächst einmal muss ich sagen, dass sich mein Bauchgefühl nicht allein auf das Drehbuch beschränkt. Es kommt für mich auch immer darauf an, wer hinter der Kamera stehen wird. Oder auch davor. Das sind also immer mehrere Faktoren. Und wenn ich ehrlich bin, bin ich auch wirklich schlecht darin, Drehbücher zu lesen. Also auf professionelle Art und Weise, meine ich, analysierend und mit einem Blick für den Aufbau und die Dramaturgie. Ich verstehe nicht viel von Erzählstrukturen oder solchen Dingen, deswegen habe ich eben nur den Instinkt – und kann entscheiden, ob mich eine Geschichte berührt oder interessiert. Entsprechend spontan sind meine Reaktionen.

Einen zweiten Blick ist kein Projekt wert?

Gainsbourg: Doch, es kommt schon mal vor, dass mein Agent mir dazu rät, mich unabhängig vom Drehbuch mit einer Regisseurin oder einem Regisseur zu treffen, weil er glaubt, wir würden uns gut verstehen. Darauf lasse ich mich durchaus ein – und oft hatte er recht und es kam eine schöne Zusammenarbeit heraus. Allerdings gab es auch schon Fälle, wo ich Filme letztlich aus den falschen Gründen gedreht habe. Weil sie ein kommerzieller Erfolg zu werden versprachen. Oder ich mir habe sagen lassen, dass man diesem Regisseur keinen Korb gibt. In solchen Fällen habe ich es dann später bereut, nicht auf mein Bauchgefühl gehört zu haben.

Sie sind nicht nur Schauspielerin, sondern auch als Sängerin erfolgreich. Wie gewichten Sie eigentlich diese beiden Professionen?

Gainsbourg: Gewichten tue ich sie gar nicht. Doch für mich sind das zwei vollkommen verschiedene Dinge. Filme sind für mich immer eine Art Erholung, weil die Schauspielerei einfach etwas ist, mit dem ich sehr vertraut bin. Ich würde nicht sagen, dass ich da ein Vollprofi bin und immer weiß, was ich tue. Aber auf jeden Fall bin ich viel weniger nervös, als wenn ich Musik mache. Da bin ich oft vollkommen aufgelöst, weil ich mich jedes Mal frage, wie wir welches Stück produzieren, ob mir überhaupt Texte einfallen, wenn ich Songs schreibe, und ob ich das alles eigentlich kann. Ich habe viel weniger ein Gespür dafür, was ich eigentlich tue. Auch weil es eben anders als beim Film keinen Regisseur oder Regisseurin gibt, in die ich mein Vertrauen legen kann. In der Musik sind alle Entscheidungen, selbst wenn ich mit tollen Menschen zusammenarbeite, am Ende meine eigenen. Das macht die Sache irgendwie persönlicher und mich entsprechend unsicherer.

Passagiere der Nacht“ spielt in den frühen Achtzigerjahren. Macht Sie so etwas nostalgisch?

Gainsbourg: Selbstverständlich. Das ist meine Kindheit gewesen, und wenige Emotionen sind doch im Leben so stark und wirken so lange nach wie die aus der Kindheit und Jugend. Zumindest geht es mir so. Ich war vollkommen begeistert von unseren Kulissen und Requisiten. Telefone mit Kabel und Drehscheiben, Zeitschriften, die es heute teilweise gar nicht mehr gibt, Kassetten … Das hat mich alles sofort zurückversetzt. Meine Filmkinder dagegen fühlten sich wie auf einem anderen Planeten.

Im Film spielt auch die damalige Wahl Mitterands zum französischen Präsidenten eine Rolle, dieses Gefühl von Veränderung, das damals in der Luft lag. Haben Sie als Zehnjährige diese Aufbruchstimmung mitbekommen?

Gainsbourg: Ich habe schon gespürt, dass das eine große Sache war. Und erinnere mich gut an Mitterands Wahl. Wobei er in meiner Erinnerung nicht mit Aufbruch und Veränderung verbunden ist, denn er war dann ja so lange an der Macht, dass er und die Sozialisten an der Macht für mich eher die Norm als etwas Neues waren.

Waren Ihre Eltern damals begeistert von seiner Wahl?

Gainsbourg: Meine Mutter auf jeden Fall. Bei meinem Vater bin ich mir gar nicht so sicher. Aber ich erinnere mich noch daran, wie er, der ja nichts mehr liebte als zu provozieren, damals etwas später Mitterand traf. Plötzlich war er ganz respektvoll und bescheiden und sprach ihn mit „Monsieur Président“ an. Dieses Amt, zumal bekleidet von einem Sozialisten, bedeutete ihm also wirklich etwas. Das zu sehen fand ich richtig rührend.

Provokation war – Ihren Eltern sei Dank – früh ein großer Teil Ihres Lebens. 1988 etwa waren Sie in Agnès Vardas Film „Die Zeit mit Julien“ zu sehen, nach einem Drehbuch Ihrer Mutter Jane Birkin, die darin eine Frau spielt, die ein Verhältnis mit dem Freund ihrer 15-jährigen Tochter beginnt …

Gainsbourg: An die Dreharbeiten dazu erinnere ich mich nur noch vage. Damals drehte Agnès auch den Dokumentarfilm „Jane B. par Agnès V.“ und lebte deswegen mit bei uns im Haus, gefühlt für ein ganzes Jahr. In die gleiche Zeit fällt auch „Die Zeit mit Julien“, deswegen verschwimmt das für mich alles ein wenig. Eigentlich war ich damals nur genervt, denn immer wenn ich aus der Schule nach Hause kam, waren Agnès und ihr Filmteam da. Fürchterlich fand ich das. Übrigens habe ich „Die Zeit mit Julien“ nie gesehen.

Deswegen? Weil Sie damals von Agnès Varda genervt waren?

Gainsbourg: Nein, nein, ich liebe Agnès, und ihr Film „Vogelfrei“ etwa, aus der gleichen Zeit, bedeutete mir viel. Und „Jane B. par Agnès V.“ habe ich natürlich geguckt, auch weil das für meine Mutter eine wichtige Sache war. Aber meine eigenen Filme versuche ich nach Möglichkeit zu meiden. Ich sehe mich einfach nicht gerne selbst, auch Jahre später nicht. Das sind abgeschlossene Kapitel, während ich mich lieber auf die nächsten stürze. Außerdem muss man ja – weil gerade das Stichwort Provokation fiel – dazu sagen, dass dieser Film längst kein so großer Skandal war wie andere Dinge, an denen ich als junge Frau beteiligt war.

Sie meinen das Duett „Lemon Incest“, das Sie 1984 mit Ihrem Vater aufnahmen?

Gainsbourg: Genau. Das Lied sorgte damals für viel Aufregung, was ich allerdings zum Glück gar nicht so unmittelbar mitbekommen habe. Ich besuchte damals ein Internat und war zum Glück ein wenig abgeschirmt. Bis heute regen sich Menschen darüber auf, wie ich neulich in einem Podcast mitbekommen habe. Die Moderatorin meinte, so etwas könne man nicht singen. Obwohl es im Song ganz klar heißt, dass es um eine Liebe geht, die nie vollzogen wird. Ich habe das damals als unschuldigen Spaß empfunden, aber nicht zuletzt laut dieses Podcasts hört der Spaß bei gewissen Themen auf. Einige Jahre später drehte ich dann mit meinem Onkel Andrew Birkin den Film „Der Zementgarten“, da ging es auch um Inzest, allerdings zwischen Geschwistern. Der war eigentlich weniger als Provokation gedacht, sondern als tragische Liebesgeschichte. Die Leute waren trotzdem schockiert. Und wären es heute, wo die Diskurse ganz andere sind, noch viel mehr.

Diese Diskurse, die heutzutage in der Kunst geführt werden – empfinden Sie die als Problem?

Gainsbourg: Ich verstehe die Agenda, die hinter solchen Diskursen oft steht. Ich finde es richtig und wichtig, dass man gewisse Dinge heute nicht mehr tut oder sagt. Gott sei Dank sind wir weiter als früher, was den Umgang mit Frauen in der Kunst angeht, und natürlich müssen wir Diskriminierung, Ausgrenzung und andere Themen in den Blick nehmen. Trotzdem habe ich die Sorge, dass der Begriff der Kunstfreiheit aufgeweicht ist. Es galt mal, dass man in der Kunst über alles sprechen und vor allem lachen kann, doch heute habe ich den Eindruck, dass viele Künstlerinnen und Künstler sich nicht mehr so frei fühlen und sich deswegen in ihrem Ausdruck womöglich zurückhalten. Ich spreche nicht von mir selbst, aber ich weiß, dass es heutzutage Künstlerinnen und Künstler gibt, die sich fürchten, etwas Falsches zu sagen. Und Furcht sollte in der Kunst eigentlich keinen Platz haben.

Zur Person: Als Tochter von Serge Gainsbourg und Jane Birkin wurde Charlotte Gainsbourg ins Showgeschäft hineingeboren, doch nach ersten Gehversuchen noch als Teenager ist sie längst aus eigenen Stücken eine erfolgreiche Künstlerin – als Sängerin wie als Schauspielerin. In die lange Reihe von Filmen, in denen sie begeisterte, gehören etwa „Jane Eyre“, „21 Gramm“, „Science of Sleep“, „Antichrist“ – bis an die Grenzen ging sie mit Regisseur Lars von Trier in „Melancholia“ und „Nymphomaniac“. Nun hat die 51-jährige Mutter dreier Kinder (mit dem französischen Regisseur Yan Attal) gleich zwei prominente neue Filme im Kino und bei Netflix.

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