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Kino "Hercules": "Hercules": klassisches Schlachtgemetzel ohne tragfähige Story

Kino "Hercules"

"Hercules": klassisches Schlachtgemetzel ohne tragfähige Story

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    Dwayne Johnson kämpft mit ungewohnt langen Haaren in der Titelrolle des Films „Hercules“. Als Söldner benutzt er den Namen des griechischen Halbgotts, um sich besser zu vermarkten.
    Dwayne Johnson kämpft mit ungewohnt langen Haaren in der Titelrolle des Films „Hercules“. Als Söldner benutzt er den Namen des griechischen Halbgotts, um sich besser zu vermarkten. Foto: Kerry Brown/Paramount Pictures/Metro-Goldwyn-Mayer (dpa)

    Die freie Marktwirtschaft schlägt manchmal auch in Hollywood seltsame Kapriolen. Wurde im letzten Kinojahr mit Roland Emmerichs „White House Down“ sowie in Antoine Fuquas „Olympus Has Fallen“ das Weiße Haus gleich zweimal hintereinander in Schutt und Asche gelegt, konkurrieren in diesem Jahr zwei Herkules-Filme um die Gunst des Weltmarktpublikums.

    Action-Star Dwayne Johnson im Schlachtgemetzel

    Bereits im Mai startete Renny Harlins „The Legend of Hercules“, der an den US-Kinokassen mit Mast und Segeln unterging und auch international seine Produktionskosten von 70 Millionen Dollar nicht einzuspielen vermochte.

    Nun versucht Brett Ratner mit „Hercules“ sein Glück und lässt Action-Star Dwayne Johnson in die Sandalen des griechischen Halbgotts schlüpfen. Immerhin hat die Story, die sich an der Comicvorlage von Steve Moore orientiert, eine interessante Prämisse zu bieten. Denn dieser Herkules ist nicht wirklich der Sohn von Zeus und Alkmene, der die Hydra und den Löwen Nemean bezwingt, sondern ein Söldner, der sich die Legende zunutze macht, um Gegner wie Auftraggeber zu beeindrucken. Da es im Jahre 385 v. Chr. weder Facebook noch YouTube gab, hat Cousin Iolaus (Reece Ritchie) als begnadeter Geschichtenerzähler die PR-Arbeit für den legendären Krieger übernommen. Das Geschäft floriert gut, bis Herkules und seine fünf Mitkämpfer von Cotys (Ian Hurt) unter Vertrag genommen werden. Sie sollen ihm eine Armee aufbauen, um marodierende Warlords im Lande zu bekämpfen und dem Bürgerkrieg in Thrakien ein Ende bereiten.

    Eine Intrige des Herrschers

    Aber die vermeintlich politisch korrekte Mission entpuppt sich schon bald als Intrige des machthungrigen Herrschers, was den käuflichen Söldner zum selbstlosen Helden reifen lässt. Ein monumentales Epos im Stil der Sandalenfilme der Fünfzigerjahre hatte Brett Ratner im Sinn. Aber das angestrebte epische Format verlangt mehr als einen breitschultrigen Hauptdarsteller und ein paar groß angelegte Schlachtgemetzel. Eine tragfähige Story, die den Helden in dramatische Konflikte stürzt, und Figuren, um deren Schicksal man zu bangen bereit ist, fehlen in diesem einfallslosen Drehbuch aus dem Genrebaukasten. Vertan wird die Chance, Herkules als Hochstapler über die Fallstricke seiner eigenen Legende stolpern zu lassen. Die durchaus interessante Anfangsprämisse wird, wie manch anderer Handlungsstrang, nicht weiterentwickelt und versickert mit dem Blut zahlloser Krieger im Staub der Schlachtfelder. Drei groß angelegte Gemetzel bieten die dramaturgische Klammer – da bleibt in schlanken 98 Kinominuten nur wenig Raum für die Charakterentwicklung der Mitstreiter, die vom loyalen Freund aus Kindertagen (Rufus Sewell) über den orakelnden Altkrieger (Ian McShane) bis zur schicken Flitzebogen-Amazone (Ingrid Bolsø Berdal) nicht aus ihren eindimensionalen Formatvorlagen ausbrechen können.

    Aufwendige Kulissearbeiten

    Immerhin grenzt sich Ratner visuell deutlich von synthetischen Genrewerken wie Zack Snyders „300“ ab. Der Großteil des Budgets ist hier nicht in digitale Effekte, sondern in aufwendige Kulissenbauten ungarischer Filmstudios geflossen. Das verleiht diesem „Hercules“ die Textur eines klassischen Monumentalschinkens, der auch dank der Kameraarbeit von Altmeister Dante Spinotti („L.A.Confidental“) zumindest optisch wie ein gut subventioniertes B-Movie aussieht.

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