„Soll ich sie sein?“, fragt Marilyn Monroe (Michelle Williams) ihren jungen Begleiter, als sie unverhofft auf eine Gruppe von Fans treffen, lehnt sich lasziv gegen das Gemäuer, legt die Hand in den Nacken und beginnt zu posieren. Sie war ein Star, der sein Image voll im Griff hatte, eine Frau, die mit der eigenen Ikonografie spielte und ihre Verführungskraft hemmungslos einzusetzen wusste. Einerseits. Andererseits war sie zerbrechlich, verloren, anlehnungsbedürftig, tablettenabhängig und geradezu süchtig nach Aufmerksamkeit.
Wahrscheinlich war es genau diese Mischung, die dazu führte, dass die Fünfziger ihr zu Füßen lagen. In „My Week with Marilyn“ erzählt nun der britische Regisseur Simon Curtis von zwei Männern, die versuchen, sich in Monroes Aura zu sonnen, und dabei auf sehr unterschiedliche Weisen scheitern. Kein Geringerer als der britische Schauspieler Laurence Olivier (Kenneth Branagh) lädt 1956 Marilyn Monroe für seine eigene Regiearbeit „The Prince and the Showgirl“ in die Pinewood Studios nach England ein. Olivier, der gerade auf die fünfzig zugeht, erhofft sich im Glanze Monroes eine Verjüngungskur für das eigene Schauspielerimage. Marilyn kommt während ihrer Flitterwochen mit dem gefeierten Dramatiker Arthur Miller (Dougray Scott).
„Sei einfach nur sexy!“, brüllt der entnervte Regisseur
Wie jeder andere Sterbliche seiner Zeit ist auch er der Blondine verfallen, aber die Faszination bekommt bald deutliche Risse, als die Diva oftmals Stunden zu spät auf dem Set erscheint, sich ihre Dialoge nur schwer merken kann und von ihrer Schauspiellehrerin Paula Strasberg (Zoë Wanamaker) darin bestärkt wird, erst dann vor die Kamera zu treten, wenn sie sich eins mit der zu spielenden Figur fühlt. „Sei einfach nur sexy!“, brüllt der entnervte Regisseur, „das ist es doch, was du immer tust.“ Und macht damit die Sache nur noch schlimmer. Schließlich hat sich Monroe durch ihre Arbeit mit dem angesehenen Mimen erhofft, endlich als seriöse Schauspielerin ernst genommen zu werden.
Marilyn flirtet hemmungslos
Erzählt werden die Ereignisse aus der Perspektive des dritten Regieassistenten Colin Clark (Eddie Redmayne), der sein Glück kaum fassen kann, als ausgerechnet er von der kriselnden Monroe als Vertrauensperson auserkoren wird. Die Diva flirtet hemmungslos mit dem Novizen und der lässt es sich nur zu gern gefallen.
Mit „My Week with Marilyn“ entwirft Simon Curtis nach der autobiografischen Erzählung von Colin Clark eine klassische Backstage-Story, die aus der Sicht des unbedarften Praktikanten auf die Höhen und vor allem Tiefen einer Filmproduktion blickt. Die Konfrontation zwischen strengem, britischem Schauspieler-Ethos und amerikanischer Method-Acting-Nabelschau sorgt hier für die komödiantische Grundierung. Das eigentliche Ereignis des Filmes ist allerdings Michelle Williams, die hier, nachdem sie in Filmen wie „Blue Valentine“ eher alltäglichen Charakteren eine enorme Tiefe verliehen hat, ans andere Ende des Schauspielerinnen-Universums reist.
Eigentlich ist es fast unmöglich, eine solche Star-Ikone wie Marilyn Monroe zu spielen, aber Williams legt die Figur als vielschichtiges Gesamtkunstwerk an und zeigt, wie Monroe ihre künstlich erschaffene Aura perfekt ein- und ausschalten kann und selbst die eigene Fragilität zum Instrument der Verführung wird. Ein schillerndes Porträt der Diva, das keine neuen Erkenntnisse oder Enthüllungen über Monroe bereithält, aber die menschliche Seite des Mythos zeigt, ohne dessen magische Kräfte zu verneinen. My Week with Marilyn (Trailer)
Start in Augsburg, Ulm