Mit dem Kauf von zwei Aquarellen von Emil Nolde beginnt eine Passion, die über Jahre eine umfangreiche Sammlung mit Künstlern der klassischen Moderne heranwachsen lässt. 1969 schenkt Sprengel der Stadt seine über 800 Malereien und Skulpturen, darunter eine herausragende Picasso-Sammlung. Die Kunstwerke sind Grundstock des zehn Jahre später eröffneten Sprengel Museums. Über die Geschichte der Sammlung hat Sprengel-Tochter Angela Kriesel nun ein Buch veröffentlicht.
"Zur Wohnzimmereinrichtung gehörte ein grünes Sofa. Wenn ein neues Bild ins Haus kam, wurde es zunächst wie ein Gesprächspartner auf dieses Sofa gesetzt. Danach musste es sich an der Wand zwischen den anderen Bildern behaupten", erinnert sich Kriesel. "Die jeweils wichtigsten Bilder kamen ins Wohnzimmer über den Kamin." Erst hingen dort Werke von Nolde und Max Beckmann, dann gab es Wechsel. "Der Platz wurde für anderes gebraucht, immer wieder für Klee, für Motherwell und schließlich für Picassos "Femme au bouquet" von 1909." Die Lieblingswerke ihrer Eltern greift Kriesel in ihrem Buch auf und lässt Prominente und Freunde der Familie einen Kommentar schreiben.
Mit dem Start ihrer Sammlung in der Nazizeit riskiert die Familie Sprengel viel, war doch der Kauf solcher als "entarteter" verfemter Kunstwerke verboten. Mit ihrem Einsatz schützen die Fabrikanten die von der Vernichtung bedrohte Kunst - und das auch tatkräftig. Gerollt oder als Pakete geschnürt schaffen sie Nolde-Bilder in Sicherheit. "Mein Mann hat sich zur Verschönerung seines Büros wieder Bilder aufgehängt", schreibt Margrit Sprengel 1945 an das Ehepaar Nolde. "Nun können wir es wieder wagen, da wir die Bomben nicht mehr zu fürchten haben. Auf den etwas beschädigten Wänden sind sie uns eine große Freude."
Die Schenkung seiner Sammlung an die Stadt Hannover verbindet Sprengel mit einer damals Aufsehen erregenden Anschubfinanzierung zum Bau eines Museums. Zwar verzögern politische Geburtswehen das Vorhaben, 1979 aber wird das Museum am Rande des Maschsees eröffnet. Heute gehört das Haus in die Riege der bedeutendsten deutschen Museen für zeitgenössische Kunst. Durch Schenkungen und Stiftungen ist der Bestand weiter gewachsen. Unter anderem erhielt das Museum den Nachlass des Dadaisten Kurt Schwitters und 400 Arbeiten der Bildhauerin Niki de Saint Phalle. Um diese Werke und den Kernbestand besser zeigen zu können, soll vom kommenden Jahr an für 25 Millionen Euro ein Erweiterungsbau entstehen.
"Dies gibt die Möglichkeit, die Sammlung in größerer Breite zu präsentieren und anders mit Sonderausstellungen zu arbeiten", sagt Museumsdirektor Ulrich Krempel. "Wir spielen in der Bundesliga, aber auch europaweit und international." Dank einer vielbeachteten Sonderausstellung stieg die Besucherzahl des Museums im vergangenen Jahr um mehr als das Doppelte auf 345 000. Mit dem Ausbau wird die Ausstellungsfläche um ein Drittel wachsen, Krempel hofft auf eine Eröffnung Ende 2012 oder 2013. Von Sprengel gesammelte Meisterwerke von Picasso, Klee oder Chagall sollen dann aus dem Untergeschoss geholt und wieder in neuem Glanz präsentiert werden.