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Albrecht Dürer: Neue Forschungen korrigieren Italienreisen und Porträts

Kunstgeschichte

Rätsel um Dürers Italienreisen: Bildband verrät bisher unbekannte Details

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    Nach neuen Forschungen stammt die Frau, die Albrecht Dürer auf diesem Gemälde abgebildet hat, nicht aus Venedig, sondern aus Florenz.
    Nach neuen Forschungen stammt die Frau, die Albrecht Dürer auf diesem Gemälde abgebildet hat, nicht aus Venedig, sondern aus Florenz. Foto: Taschen Verlag

    Wer glaubt, den Maler und Zeichner Albrecht Dürer hinreichend zu kennen, den vermag jetzt ein 800 Seiten starker, großformatiger, prächtiger, knapp acht Kilo schwerer Band eines Besseren zu belehren. Federführend am Werk war Christof Metzger, der 1968 in Nördlingen geborene und an der Uni Augsburg ausgebildete Kunsthistoriker, der heute als renommierter Dürer-Spezialist an der Albertina Wien mit ihrem reichen Dürer-Bestand arbeitet. In erster Linie ist die bei Taschen erschienene Publikation (175 Euro) ein Bildband, in dem 76 Gemälde – auch als Werkkatalog – sowie 475 Zeichnungen großformatig und in bestechender Druck-Qualität auf unterschiedlichen Papierarten gezeigt sind (etliche erstmals in aussagekräftiger Auflösung). Aber natürlich erweist sich auch der Textteil hinsichtlich neuerer Forschung als schwer gehaltvoll.

    Was gibt es Neues, erforscht von Metzger? Unter anderem: Jenes berühmte Porträt einer Italienerin aus dem Kunsthistorischen Museum Wien, das einst den deutschen Fünf-Mark-Schein zierte, zeigt nicht – wie bislang angenommen – eine Venezianerin von 1505, sondern eine schon 1495 gemalte florentinische Schöne. Und jenes berühmte Augsburger Fugger-Porträt, das 2025 zum 500. Todestag von Jakob Fugger wieder vielfach publiziert wurde, ist laut Metzger nicht 1518 anlässlich des Reichstags, sondern erst 1525/1526 entstanden. Zudem glaubt der Kunsthistoriker beweisen zu können, dass Dürer auf seinen zwei Venedig-Reisen andere Routen eingeschlagen hat, als bislang eruiert. Metzger ist sich sicher, dass der Maler, der aus Italien das Akt-Motiv und eine verfeinerte Perspektiven-Darstellung mitbrachte, Florenz und Pisa besuchte. Wir sprachen mit Metzger.

    Wie lief das denn ab, dass Sie zur Gewissheit kamen, die bislang als Venezianerin betitelte junge Frau ist in Wirklichkeit eine Florentinerin? Worüber stolperten Sie zuerst: Frisur, Kleidungsmode, Dürers stilistische Entwicklung, die Verbindung zur Stilistik toskanischer Maler?

    METZGER: Das war eine Mischung aus allem. Mir war schon immer die Datierung 1505 suspekt, obwohl auf dem Bild vermerkt. Untersuchungen des Kunsthistorischen Museums Wien haben auch ergeben, dass dieser Vermerk nicht astrein ist. Er ist wohl nachträglich angebracht worden. Und das Gemälde passt mit den harten, kristallinen, spitzen, scharfen Mal-Strukturen stilistisch auch nicht in die zweite Venedig-Reise Dürers. Ich dachte schon lange, es muss älter sein. Und dann kamen noch die gezeigten Materialien hinzu: der Stoff, sein Muster, der Schnitt, der Schmuck. Das alles ist nicht venezianisch, es ist florentinisch. So fügte sich dann alles zur Florentinerin.

    Wie aber kam man dann nachträglich auf den Vermerk 1505, statt korrekt 1495?

    METZGER: Was die Zeitgenossen Dürers im Bewusstsein hatten, das war seine zweite Venedig-Reise. Auf seine erste Venedig-Reise konnte nur indirekt aus seinem Bild-Werk und aufgrund schriftlicher Marginalien geschlossen werden. Das Porträt sieht aber so italienisch aus, dass eine Entstehungszeit während Dürers Venedig-Reise 1505 bis 1507 angenommen wurde. Meine Sicht ist im Übrigen nur ein Vorschlag. Ich bin ja nicht der Kunst-Gott, aber ich kann Beobachtungen zusammenfassen. Und ich habe bereits kollegialen Zuspruch erhalten.

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