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Bregenzer Festspiele: Von der Seebühne zur Oper Unter den Linden

Bregenzer Festspiele

Von der Seebühne zur Oper Unter den Linden

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    „Sie ist engagiert, kenntnisreich, begeisterungsfähig“ – das sagt Daniel Barenboim, Generalmusikdirektor der Staatsoper, über Elisabeth Sobotka,
    „Sie ist engagiert, kenntnisreich, begeisterungsfähig“ – das sagt Daniel Barenboim, Generalmusikdirektor der Staatsoper, über Elisabeth Sobotka, Foto: Felix Kästle, dpa

    Daniel Barenboim jubelt. „Sie ist ein Glücksfall für die Staatsoper“, so kommentierte der Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden in Berlin gestern die Berufung der Bregenzer Festspiel-Chefin Elisabeth Sobotka zur neuen Intendantin. Die 56-Jährige wird ab September 2024 in der Staatsoper, die zu den renommiertesten Häusern weltweit zählt, die Regie übernehmen. In Bregenz wurde Sobotka nach einem etwas uninspirierten Start ebenfalls bald zum Glücksfall. Anfang 2015 kam die gebürtige Wienerin von der Grazer Oper zu den Festspielen und richtete das bunte, experimentierfreudige Programm ihres Vorgängers David Pountney erst einmal konservativer aus. Und die erste Seeoper unter ihrer Intendanz, Puccinis „Turandot“, überzeugte weder vom Regiekonzept her noch vom Bühnenbild.

    Sobotkas neue Wirkungsstätte: die Staatsoper Berlin.
    Sobotkas neue Wirkungsstätte: die Staatsoper Berlin. Foto: Paul Zinken, dpa

    Das ist längst vergessen. Bizets „Carmen“ (2017 und 2018) sowie Verdis „Rigoletto“ (2019 und 2021) gerieten zu grandiosen Bühnenspektakeln mit künstlerischem Tiefgang. Auch die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Die drei Opernproduktionen auf der Seebühne, die sie bisher verantwortet hat, waren fast komplett ausverkauft. Zudem hat Elisabeth Sobotka das viereinhalbwöchige Festival programmatisch verdichtet.

    Der Ruf nach Berlin ist aus mehreren Gründen nachvollziehbar

    Dass sie nach neun Jahren in Bregenz an die Staatsoper Unter den Linden berufen wird, darf als Adelung ihrer Arbeit und Beleg für ihren exzellenten Ruf in der Szene gewertet werden. In der Opernwelt gilt das Berliner Haus als erste Adresse. „Sie geht von einem Premium-Festival zu einem Premium-Opernhaus“, sagt Axel Renner, der Sprecher der Bregenzer Festspiele.

    Dass das Expertengremium, das die Nachfolge des scheidenden Staatsoper-Intendanten Matthias Schulz zu regeln hatte, auf Sobotka stieß, ist, abgesehen von ihren Bregenzer Erfolgen, auch in anderer Hinsicht nachvollziehbar. Die Berliner kennen Sobotka. 2002 bis 2007 war sie Unter den Linden Operndirektorin und arbeitete damals eng mit Daniel Barenboim zusammen – was „beglückend und fruchtbar“ gewesen sei, wie der Maestro betont. Er sehe Sobotkas Amtsantritt mit großer Freude entgegen. „Ich habe ihren Weg in den vergangenen Jahren interessiert verfolgt. Sie ist engagiert, kenntnisreich, begeisterungsfähig und äußerst vielseitig in ihrem künstlerischen Denken.“

    Sobotka setzte bei der Oper im Festspielhaus auf Ausgrabungen

    „Madame Butterfly“ ist im Sommer auf der Seebühne zu sehen.
    „Madame Butterfly“ ist im Sommer auf der Seebühne zu sehen. Foto: Becker

    Die künstlerische Vielseitigkeit haben auch die Vorarlberger schätzen gelernt. Festspielpräsident Hans-Peter Metzler hat recht, wenn er urteilt: „Elisabeth Sobotka hat nicht nur auf der Seebühne große Erfolge erschaffen, sondern auch die weiteren Spielorte des Festivals künstlerisch profiliert.“ Trotz der etwas klassischeren Grundausrichtung des Programms brachte sie nicht nur Altbekanntes auf die Bühnen. Im Gegenteil: Wie schon ihr Vorvorgänger Alfred Wopmann setzte sie bei der Oper im Festspielhaus auf Ausgrabungen. Was nicht immer prickelte, aber doch die eine oder andere Perle zum Glänzen brachte. Außerdem legte sie zwei weitere Programmschienen: Mit dem „Opern-Studio“ gab sie jungen, aber durchaus reifen Sängerinnen und Sängern die Möglichkeit, in gewichtigen Inszenierungen mitzuwirken. Und im „Opern-Atelier“ ließ sie (junge) Künstler über mehrere Jahre hinweg ein Musiktheaterstück erarbeiten. So sind bei den Bregenzer Festspielen auch wieder Uraufführungen mit teils experimentellem Charakter zu erleben.

    Fans von Musik, Theater und Musiktheater haben inzwischen eine große Auswahl, die vom Spektakel auf dem See bis zu gewagten Aufführungen vor kleinem Publikum reicht. Die durchweg ausverkaufte Seebühne spielt dabei die Rolle der Cashcow: Mit den Einnahmen können die kleineren Produktionen im Festspielhaus, auf der Werkstattbühne und im Vorarlberger Landestheater querfinanziert werden. Sie freue sich auf Berlin, sagt Sobotka, fügt aber an: „Ich werde die Bregenzer Festspiele als einen außergewöhnlichen Ort mit einer außergewöhnlichen Magie vermissen.“

    Wer Sobotka am Bodensee nachfolgen wird, ist offen. Nach dem Festspielsommer will das Team um Präsident Metzler den Ausschreibungsprozess starten. Zeit sei ja genug, betont Sprecher Renner.

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